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Erfolgreiche Red Bull-Kopie

Geheimnis des Force India-Wunders

Adrian Sutil GP Deutschland 2011 Foto: Force India 22 Bilder

Force India kämpft sich langsam durch das Mittelfeld. Am Nürburgring ließ der Rennstall aus Silverstone sogar das Werksteam von Mercedes hinter sich. Seither fragen sich alle, wie das Force India-Wunder möglich war. Wir lüften das Geheimnis.

26.07.2011 Michael Schmidt

Wenn der Speed der Maßstab ist, dann ist Force India neben Ferrari der Gewinner der letzten Rennen. Renault und Sauber sind abgehängt. Der Mercedes-Kunde nimmt Kurs auf das Mercedes-Werksteam. Das ist aus technischer Sicht die vielleicht größte Überraschung der Saison. Zumal Force India auch noch den zu Sauber übergelaufenen Technikchef James Key ersetzen musste.

Der jüngste Erfolg zeigt, dass das Designbüro in Silverstone offenbar sehr gut besetzt ist. Mit den Chefdesignern Akio Haga und Ian Hall sowie Aerodynamiker Simon Phillips sitzen erfahrene Leute in den leitenden Positionen. Unter dem neuen Technikdirektor Andy Green geht es nach einer kleinen Talsohle stetig bergauf. Green gehörte wie Key schon zu der alten Jordan-Mannschaft.

Force India mit steilem Aufwärtstrend

Bei den Winter-Testfahrten sah es zunächst bitterböse aus. Force India dümpelte am Ende des Mittelfeldes herum. Sogar Lotus schnüffelte schon am Heck von Adrian Sutil und Paul di Resta. Auf der Habenseite stand nur die Zuverlässigkeit. Die weiß-grün-orangen Autos waren stark wie Panzer. Das brachte auch vier Punkte in den ersten beiden Grand Prix. Damit war dem Team der erste Druck genommen. Man musste nicht wie Williams WM-Zählern hinterherlaufen und technische Entwicklungen unter Zeitdruck ans Auto bringen.

Die Kinderkrankheiten des VJM04 waren rasch ausgeräumt. Das erste Chassis war zu weich, weil aus Gewichtsgründen weniger Harz verwendet wurde. "Wir mussten nachlaminieren", gibt Sportchef Otmar Szafnauer zu. Am Heckflügel stellte sich zunächst auch in Normalstellung Strömungsabriss ein. Das sollte eigentlich nur beim Flachstellen des Flaps passieren.

Die Ingenieure hatten von Beginn an den Weg eingeschlagen, in DRS-Stellung so viel Top-Speed wie möglich zu gewinnen. Also kleiner Flap, großes Hauptblatt. Die Top-Speed-Hitliste zeigt es. Die Force India-Piloten liegen regelmäßig in den Top Ten. Erstaunlich: Force India löste das Problem schneller als Mercedes GP. McLaren doktert immer noch damit herum.

Zickzack-Kurs in Sachen Auspuff

Mit dem Auspuff verfolgte Force India einen seltsamen Weg. In der Basisversion in den Wintertests zielten die Endrohre nach außen Richtung Hinterräder. Im Prinzip die richtige Idee. Beim letzten Test vor dem Saisonbeginn wurden die Endrohre dann aber auf die Innenseite verlegt. Der Strahl der Auspuffgase zielte wie bei Sauber in das Anlasserloch im Diffusor. Als die ersten drei Grand Prix gelaufen waren, merkte Force India, dass der ursprüngliche Ansatz der effizientere war. Also Kommando zurück.

Der erste Versuch in Barcelona scheiterte daran, dass sich das Auto nicht ausbalancieren ließ. Seitdem funktioniert es immer besser, wenn auch noch lange nicht so perfekt wie bei McLaren. "Wenn der Auspuff bläst, hast du hinten vollen Abtrieb. Dafür bräuchtest du mehr Frontflügel, doch jedes Zuviel kann auch wieder kontraproduktiv sein, wenn beim Gaswegnehmen der Abtrieb im Heck plötzlich zusammenbricht. Dabei verschiebt es jedes Mal die Fahrzeugbalance. Darüber hinaus muss man das Setup auch noch auf den Einfluss von KERS und der Motorbremse hintrimmen. Das Feintuning des Motors, um einen konstanten Gasfluss hinzukriegen, ist eine Doktorarbeit", jammert Szafnauer. "Im Vergleich zu Mercedes und McLaren stecken wir mit dieser Technik noch in den Kinderschuhen."

Das war auch der Grund, warum Force India in Silverstone vom Anblasverbot lange nicht so stark betroffen war wie McLaren oder Mercedes. Szafnauer grinst: "Wer weniger hat, kann weniger verlieren."

Sutil lässt Mercedes hinter sich

Am Nürburgring war der Force India vom Speed her die vierte Kraft. Adrian Sutil bekam den sechsten Platz nicht geschenkt. Die tiefen Temperaturen haben sicher geholfen, weil der Force India schnell die Reifen zum Arbeiten bringt. Trotzdem blieb der Verschleiß im Rahmen. Beide Fahrer kamen mit zwei Stopps über die Distanz. "Das ist normalerweise unsere Schwäche. Wir fahren schon so weich, wie wir können", erklärt Sutil.

Der Deutsche setzte die Zweistoppstrategie des Teams perfekt um. Gegner Mercedes taktierte mit drei Stopps und steckte dementsprechend öfter im Verkehr. "Ich hatte meistens freie Bahn und konnte das Tempo fahren, das unser Auto hergibt", so Sutil.

Force India vorne angestellt wie der Red Bull

Und das bereitet der Konkurrenz langsam Sorgen. Der Force India hat in den letzten Rennen noch einmal einen großen Sprung gemacht, und bei den Gegnern rätselt man, woher die Steigerung kam. Der neue Unterboden soll drei Zehntel gebracht haben. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Die Techniker modifizierten auch die Hinterachse. Der Force India VJM04 ist jetzt genauso nach vorne angestellt wie der Red Bull.

Wer es richtig macht, gewinnt dramatisch an Abtrieb. "Wir haben seit Monte Carlo mit diesem Konzept geübt. Alles so hinzukriegen, dass der aerodynamische Vorteil die mechanischen Nachteile überwiegt, ist nicht einfach. Williams hat von Strecke zu Strecke mal mehr, mal weniger Probleme damit", verrät Szafnauer. "Jetzt haben wir so etwas wie den Durchbruch geschafft." Ein Signal für Mercedes, Renault und Sauber, in die gleiche Richtung zu arbeiten. Sonst springt Force India am Ende noch auf Platz fünf im Konstrukteurspokal.

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