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Das Geheimnis des Williams-Aufschwungs

Williams sieht sich bereits als dritte Kraft

Williams - Formel 1 - GP Österreich 2014 Foto: xpb 143 Bilder

Nach dem Höhenflug von Österreich hat sich Williams auf Rang 5 in der Konstrukteurs-WM verbessert. Der vierte Platz liegt nur zwei Punkte entfernt. Technikchef Pat Symonds glaubt sogar, dass Williams gut genug ist, hinter Mercedes und Red Bull die dritte Kraft zu spielen.

04.07.2014 Michael Schmidt

Der GP England begann schlecht für Williams. Testfahrerin Susie Wolff stellte ihr Auto nach vier Runden mit Motorschaden ab. Felipe Massa krachte in seiner achten Runde ausgangs Stowe Corner mit hoher Geschwindigkeit in die Reifenstapel. Trotzdem ist Williams das Team der Stunde. Mit den Plätzen 3 und 4 beim GP Österreich hat sich der drittälteste Rennstall der Formel 1 zurückgemeldet.

Williams war nach guten Wintertestfahrten als Geheimfavorit in die Saison gestartet, konnte dann aber nicht die Vorschusslorbeeren erfüllen. "Wir haben zu viele Punkte liegengelassen", ärgerte sich Felipe Massa. Durch Unfälle, Pannen beim Boxenstopp, einen Motorschaden.

Die Wende deutete sich schon beim GP Kanada an. Obwohl es am Ende ein weiteres Rennen der verpassten Chancen war. Felipe Massa wurde auf dem Weg zu Platz 4 in der letzten Runde in eine Kollision mit Sergio Perez verwickelt. Valtteri Bottas musste Fahrt rausnehmen, weil der Motor überhitzte. In Österreich gab es endlich maximale Punktezahl. Auf mehr als 27 Punkte darf man heute nicht hoffen. Platz 1 und 2 sind normalerweise für Mercedes reserviert.

Zwischen Platz 2 und 6 zählt jeder Punkt

Genau das ist laut Technikchef Pat Symonds das Problem. "Die Mercedes nehmen allen anderen Teams im Normalfall 43 Punkte weg. Da bleibt dann nicht mehr viel übrig. Am Ende der Saison werden nicht viele Punkte zwischen Platz 2 und 6 liegen. Deshalb kannst du dir es eigentlich nicht leisten, Zähler liegenzulassen. Zwei Nullrunden, und du bis raus aus der Nummer. Zwei so Rennen, wie wir es in Österreich hatten, und du hast vielleicht einen entscheidenden Vorteil."

Symonds sieht Williams als dritte Kraft. Er will auch nichts von einer Trendwende wissen. "Wir haben in letzter Zeit praktisch nichts am Auto verändert. Der einzige Unterschied ist, dass wir in den letzten Rennen das Potenzial umgesetzt haben, das in dem Auto steckt. Wir haben in den ersten Rennen einfach nichts draus gemacht."

Symonds zählte sein Auto von Anfang an zu den Top 3. "Mercedes fährt in einer eigenen Liga. Red Bull schätze ich auch stärker ein. Den Absturz in Österreich kann ich mir nicht erklären. Ich gehe aber davon aus, dass sie in Silverstone zurückkommen. Es hängt von der Strecke ab, wie gut wir gegen Red Bull abschneiden. In Hockenheim könnten wir sie wieder ärgern. Im Kampf um Platz 3 geht es eng zu. Ferrari ist da, auch Force India."

So löste Williams das Mercedes-Problem

Montreal und der Red Bull-Ring waren wie maßgeschneidert für ein Auto, das den besten Top-Speed hat, stark auf der Bremse ist und mit einer passablen Traktion überzeugt. Auch das erklärt den jüngsten Höhenflug. Interessant ist, dass Williams weniger Probleme mit der Steuereinheit hatte, die Mercedes in Kanada den Sieg kostete und in Österreich zu einer langsameren Gangart zwang.

Im Prinzip hätten die Mercedes-Kunden mit den gleichen Überhitzungserscheinungen konfrontiert sein müssen, die durch das häufige Laden und Entladen provoziert werden. "Vielleicht haben wir bessere Vorsichtsmaßnahmen getroffen", lächelt Symonds. So war es den Williams-Piloten in Montreal untersagt, den DRS-Knopf zu drücken. "Bei uns wird mit dem DRS-Knopf nicht nur der Heckflügel flach gestellt, sondern auch die volle elektrische Power abgerufen", verrät Symonds.

Und in Österreich? Da mussten die Williams-Piloten von Anfang bis Ende mit einem Motorprogramm fahren, das den Einsatz der MGU-K beschränkte und damit die Temperaturen im grünen Bereich hielt. "Wir haben das Problem von der ersten Runde an gut im Griff gehabt. Es ist viel darüber gesprochen worden, dass Mercedes nur mit gedrosselter Leistung gefahren ist. Wir aber auch. Deshalb waren die acht Sekunden Rückstand im Ziel nicht so schlecht."

Nur ein Upgrade hat nicht funktioniert

Formel 1-Dino Symonds hat bei Williams das ganze Team umgekrempelt. Die alte Philosophie, dass jedes Rennen neue Teile ans Auto müssen, wurde abgeschafft. "Meine Leute präsentieren mir jede Woche ein Aerodynamikpaket. Dann wägen wir ab, ob die Kosten für den Bau den Zeitgewinn rechtfertigen. Wir bringen nur noch Dinge ans Auto, von denen wir sicher sind, dass sie funktionieren und einen genau definierten Vorteil bringen. Das haben in diesem Jahr mit einer Ausnahme alle Upgrades getan."

Die Ausnahme war der Heckflügel für die Strecken, auf denen viel Abtrieb gefragt ist. Der wurde inzwischen eingezogen, weil unter bestimmten Umständen die Strömung abriss. "Wir sind da bewusst ans Limit gegangen und haben dafür bezahlt. Jetzt unternehmen wir einen zweiten Anlauf. Der neue Heckflügel soll für das Rennen in Ungarn kommen."

Auch bei den Boxenstopps hat sich Williams im Vergleich zu 2013 stark verbessert. Trotz ein, zwei Pannen. In Österreich stellte Valtteri Bottas mit 2.36 Sekunden einen internen Rekord auf. "Im Fernsehen wurden 2,1 Sekunden gezeigt, aber unsere eigene Messung ist exakter. Wir haben unseren eigenen Bestwert um eine knappe Zehntelsekunde verbessert."

Die schnelleren Boxenstopps haben Methode. "Wir hatten letztes Jahr ein schlechtes Auto und schlechte Boxenstopps", erzählt Symonds grimmig. "Ich habe den Jungs gesagt: Die schlechten Boxenstopps, das darf nicht sein. Wir haben über den Winter die Ausrüstung verbessert, das Training verschärft, für die Boxencrew einen eigenen Betreuer engagiert, der die Bewegungsabläufe optimiert und das Fitnessprogramm überwacht, und wir haben einen Mann dafür abgestellt, der die Boxenstopps genau analysiert."

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