Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Das perfekte Formel 1-Motorreglement

Freiheit, die bezahlbar ist

Mercedes V6 Motor 2014 - Formel 1 - Tops & Flops Foto: Mercedes 28 Bilder

Die Hybrid-Formel steht auf der Kippe. Bernie Ecclestone und einige Teams wollen zurück zu einfacheren und billigeren Motoren. Inzwischen ist klar: Schuld an der Misere ist nicht der aktuelle Motor, sondern ein schlecht geschriebenes Reglement. Wir haben versucht, beides unter einen Hut zu bringen: Technische Freiheit, die bezahlbar und verständlich ist.

16.12.2014 Michael Schmidt

Gibt es bei der Sitzung der Strategiegruppe am Donnerstag (18.12.) in Genf eine Revolution? Bernie Ecclestone will die Hybrid-Formel absägen. Red Bull und Ferrari werden ihm dabei vermutlich folgen. Mercedes und Honda eher nicht. Bernie ist jeder Motor recht, solange er nur laut, stark und billig ist. Doch ist es damit getan? Liegt das Grundproblem im Motorsport nicht darin, dass die Regeln viel zu kompliziert und auf die Automobilhersteller zugeschnitten sind?

F1-Reglement muss um Privatteams herum geschrieben werden

Der Denkfehler der Regelhüter zieht sich durch alle Serien. Sie tun alles, um die Automobilhersteller in den Sport zu locken. Und vertreiben damit die Privatteams, weil die beim Wettrüsten nicht mitbieten können. Doch Hersteller kommen und gehen. Sie gehen immer dann, wenn sie zu oft verlieren und wenn die Niederlagen zu teuer werden. Das ist fatal, denn die Privatteams sind das Fundament des Sports. Um sie herum muss das Reglement geschrieben werden.

Die Attraktivität einer Rennserie bemisst sich nicht in der technischen Herausforderung, sondern allein am Zuschauerzuspruch. Säße bei jedem Grand Prix eine Milliarde Menschen vor den TV-Schirmen und wären die Tribünen immer bis auf den letzten Platz gefüllt, wäre die Serie auch für Hersteller interessant. Selbst wenn noch mit Vergaser-Motoren gefahren würde.

Unterschiede nur im Detail

Motorsport muss einfach sein. Etwa so: Alle fahren im gleichen Augenblick los, und wer als Erster ankommt, hat gewonnen. Die Hintergründe sind Stoff für die Hardcore-Fans. Wenn man aber erst den Hintergrund verstehen muss, um zu wissen wer gewonnen hat, wird es schwierig. Die große Masse begreift Motorsport als Unterhaltung. Und die darf der Ablauf der Ereignisse nicht überfordern. Sonst schalten sie ab.

Das Problem beginnt schon beim Technischen Reglement. Es ist im Augenblick so kompliziert, dass sich selbst Ingenieure schwer tun, es zu verstehen. Und wenn, wollen sie es in einem Akt paranoider Geheimhaltung nicht erzählen. Wettbewerb findet nur im Detail statt. Das nimmt dem Sport seine Faszination. Der Fan erkennt die Unterschiede bei den Autos und Motoren nur noch mit dem Mikroskop. Und er braucht übertrieben gesagt einen Doktortitel, um zu begreifen, was warum passiert. Wir merken es an der Sprachlosigkeit der Fahrer. Auch sie haben oft keine Ahnung, was sich da in ihrem Rücken abspielt.

1950, im Geburtsjahr der Formel 1 waren die Regeln denkbar einfach. Sie betrafen ausschließlich die Motoren. 4,5 Liter Saugmotoren oder 1,5 Liter Hubraum mit Kompressor. Das war‘s. Vielleicht kein schlechter Ansatz für künftige Reglements.

Unser Acht-Punkte-Plan

Offener Wettbewerb und Kostenkontrolle müssen sich nicht ausschließen. Man könnte das Motorenreglement mit acht Punkten beschreiben und würde dabei sicherstellen, dass unterschiedliche Konzepte zum Ziel führen und die Kunden trotzdem nicht ausbluten. Machen wir den Versuch.

1) Für das Rennen gilt ein Spritlimit von 140 Litern über die Renndistanz. Das beruhigt das grüne Gewissen, und es stellt sicher, dass die PS-Zahlen nicht ausufern. Mit welchem Motorkonzept das erzielt wird, ist egal. Sauger, Turbo, Hybrid, 4 oder 12 Zylinder, Hubraum frei: Alles ist erlaubt. Das Verbrauchslimit setzt die Grenzen. Im Training kann man die Leistung über eine Durchflussmengenbegrenzung kontrollieren. Sagen wir 110 Kilogramm pro Stunde. Das Spritlimit hat noch einen schönen Nebeneffekt. Man kann die Aerodynamik-Regeln lockern. Weil keiner 10 Flügel ans Auto baut, wenn er dafür mit größerem Luftwiderstand und höherem Verbrauch bestraft wird.

2) Maximal fünf Motoren pro Teilnehmer pro Saison.

3) Kundenteams bezahlen eine Flatrate von 10 Millionen Euro für eine Saison. Es darf nur ein Motorkonzept pro Saison verwendet werden, um zu verhindern, dass jemand die Saison mit einem Saugmotor beginnt und mit einem Turbo-Triebwerk beendet. Die Spezifikationen von Werksteam und Kundenteam müssen identisch sein.

4) Jeder Hersteller muss gemäß der alten Reifenregel eine bestimmte Anzahl an Teams beliefern. Und zwar so viele, dass auf jeden Hersteller ungefähr gleich viele Teams fallen. Ein Beispiel: Bei elf Teams und vier Motorherstellern läge die Anzahl der Kunden pro Hersteller einschließlich dem Eigenbedarf bei drei. Das ist Minimum und Maximum zugleich. Jede weitere Anfrage kann abgelehnt werden.

5) Um den Einsatz exotischer Materialien zu verhindern, wird eine Material-Liste erstellt. Alles, was darin vorkommt, ist erlaubt. Die Entwicklung ist freigestellt. Der Hersteller muss selbst entscheiden, ob er ein Geschäftsmodell daraus machen will oder die Kosten als Imagepflege verbucht.

6) Die Anlenkpunkte des Motors an das Chassis und das Getriebe werden genormt. So dass den Teams bei einem Wechsel des Motorkonzepts nicht extra Kosten entstehen.

7) Handelsüblicher Kraftstoff. Wahlweise Sprit aus Abfällen. Könnte ein Anreiz für die Mineralölfirmen sein, sich wieder stärker zu beteiligen.

8) Verbot der Telemetrie. Damit stellt man sicher, dass die Motor-Technologie nicht zur Raumfahrttechnik wird. Der Fahrer muss in der Lage sein, sämtliche Motoreinstellungen ohne Rücksprache mit der Box selbst vorzunehmen. Warn-Meldungen können automatisiert über das Display erfolgen.

Was halten Sie von dem Vorschlag? Haben Sie noch weitere Ideen, wie man die Motorregeln einerseits einfach, technisch aber interessant gestalten kann, ohne dass die Kosten für die Kundenteams ausufern? Schreiben Sie uns.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden