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Das Problem mit dem dritten Auto

Mercedes ist nur Nachrücker

Red Bull - GP Russland 2014 Foto: Red Bull 20 Bilder

Die Hiobsbotschaften rund um Marussia und Caterham bringen das Thema drittes Auto wieder auf den Plan. Der Vertrag zwischen den Teams und Bernie Ecclestone nimmt zuerst Ferrari, Red Bull und McLaren in die Pflicht. Erst wenn sich einer der drei weigert, rückt Mercedes nach.

24.10.2014 Michael Schmidt

Marussia und Caterham stehen auf wackligen Füßen. Man weiß nicht einmal, ob die beiden Kellerkinder die Saison überleben. Caterham wegen Streit um die Besitzrechte, Marussia wegen knapper Kassen. Doch das sind nicht die einzigen Sorgenkinder. Auch Sauber und Force India könnten nächstes Jahr in den Strudel mit hineingezogen werden, wenn der Ausverkauf der Teams erst einmal losgeht.

Deshalb wird hinter den Kulissen bereits heftig über den Einsatz eines dritten Autos diskutiert. Die Teams sind sich alle einig: Es kann nur eine Notlösung sein. Sobald die Zahl der Teilnehmer unter 20 fällt, muss das Feld mit dritten Autos aufgefüllt werden. Der Vertrag zwischen Bernie Ecclestone und den Teams regelt, welche Rennställe als erstes einspringen müssen. Das sind Ferrari, Red Bull und McLaren.

Wer zahlt die Rechnung für das dritte Auto?

Ferrari und Red Bull haben Ecclestone bereits grünes Licht gegeben. McLaren zögert. Wenn sich der zweitälteste Rennstall der Formel 1 weigert, würde Mercedes nachrücken. Was sich so einfach anhört, ist höchst kompliziert. Ein Insider: "Keiner hat sich bis jetzt die Konsequenzen überlegt. Da gibt es ein paar komische Ideen, aber keiner weiß bis heute, wie das ablaufen soll.“

Ungeklärt ist zum Beispiel, wer für den Einsatz des dritten Autos bezahlt. Nach einer Rechnung von Mercedes kostet der zwischen 20 und 25 Millionen Euro. Die betroffenen Teams wollen, dass Bernie Ecclestone dafür seine Kasse aufmacht. Zum Beispiel mit dem Geld, das er sich für die Teams einspart, die wegfallen. Die kleinen Teams am Ende sehen das anders. Sie wollen, dass dieses Geld an sie verteilt wird. Weil sie ohnehin schon ums Überleben kämpfen. Und warum sollen die Reichen noch reicher werden?

Force India ohne Motoren

Wie knapp es bei vermeintlich sicheren Teams zugeht, zeigt das Beispiel Force India. Dort steht am 27.Oktober die nächste Motorenrate an. Wenn Force India nicht bezahlt, kann das Team in Austin nicht antreten. Mercedes hält als Pfand den fünften Motor für Nico Hülkenberg und Sergio Perez zurück. Die anderen acht Antriebseinheiten der beiden Fahrer haben schon so viele Kilometer auf dem Buckel, dass man damit nicht mehr über ein GP-Wochenende kommt.

Ferrari soll ähnliche Probleme mit Marussia haben. Die Rechnungen von Sauber werden bezahlt, offenbar auch deshalb, weil Maranello sein Geld direkt über Ecclestones Ausschüttung an das Team erhält. Auch Renault musste bei einigen seiner Kunden in diesem Jahr lange auf sein Geld warten. Das hat die Motorhersteller vorsichtig gemacht. Im nächsten Jahr gibt es die Antriebseinheiten nur noch gegen Vorkasse.

Keine Lösung für das Ferrari-Problem

Ungeklärt ist auch noch, welche Regeln für das dritte Auto gelten. Das dritte Auto muss in der gleichen Boxengarage stehen wie die beiden anderen Fahrzeuge. Es wird also ganz schön eng. Sollte es dazu kommen, gilt eine Mindestlaufzeit. Selbst wenn HaasF1 2016 das Feld wieder auf zehn Teams aufstockt, müssten die dritten Autos bis zum Ende der vereinbarten Vertragsdauer mitgeschleppt werden. Ob sie gar keine oder halbe Punkte für die Konstrukteurs-Wertung bekommen, darüber wird noch gestritten.

Das dritte Auto soll nur für Rookies reserviert sein. Das würde das Ferrari-Problem nicht lösen. Dort hat man mit Kimi Räikkönen, Sebastian Vettel und Fernando Alonso zur Zeit drei Fahrer an Bord. Keiner der drei ist ein Nachwuchsfahrer, kann demnach auch nicht im dritten Auto sitzen. Die Frage ist, welche Piloten für Red Bull, Ferrari, McLaren und notfalls Mercedes in Frage kämen. Bei Red Bull vermutlich Carlos Sainz junior (20), bei Ferrari Raffaele Marciello (19), bei McLaren Stoffel Vandoorne (22) und bei Mercedes Pascal Wehrlein (20).

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