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Das Renault-Comeback

Ein Budget wie Mercedes

Lotus - Formel 1 - GP Abu Dhabi - 26. November 2015 Foto: ams 50 Bilder

Renault bleibt der Formel 1 erhalten. Für die nächsten neun Jahre. Konzernchef Carlos Ghosn will keine halben Sachen machen und mittelfristig gewinnen. Dazu wird der neue Werksrennstall mit einem Budget wie Mercedes operieren.

05.12.2015 Michael Schmidt

Die Formel 1 atmet auf. Renault bleibt der Königsklasse erhalten. Und jetzt gleich als Werksteam. Und als Motorenlieferant für Red Bull. Mit der Zusage von Konzernlenker Carlos Ghosn hat sich Renault für die nächsten neun Jahre in der Formel 1 verpflichtet. Dafür hat er sich von den Rechteinhabern eine einmalige Sonderzahlung für die Verdienste von Renault in der Formel 1 erstritten. Sie soll zwischen 70 und 80 Millionen Dollar liegen.

Damit kann Renault den Kauf von Lotus tätigen ohne selbst Geld in die Hand nehmen zu müssen. Renault übernimmt den Rennstall nicht komplett. Ein zweistelliger Prozentbetrag bleibt bei Gérard Lopez. Das erinnert an das Modell BMW und Sauber. BMW gehörten damals 80, Peter Sauber 20 Prozent des Teams. Die Motorabteilung in Viry-Chatillon bekommt 2016 ein nettes Zubrot. Der neue Vertrag mit Red Bull spült 30 Millionen Euro in die Kasse der Franzosen.

Ein Lotus-Mercedes mit Renault-Motor

Renault will keine halben Sachen machen. Sportchef Cyril Abiteboul darf mit einem Budget in der Größenordnung von dem von Mercedes rechnen. Also irgendwo zwischen 200 und 250 Millionen Euro. Infiniti, Total, einige der alten Lotus-Sponsoren, Pastor Maldonados Mitgift und das Geld aus den TV-Rechten und Startgeldern bilden die Basis. Experten rechnen, dass Renault selbst nur noch 60 Millionen Euro in das Team stecken muss.

Das nächstjährige Auto ist laut Lopez "ein Lotus-Mercedes mit Renault-Motor". Das Auto wurde seit Mai 2015 für einen Mercedes-Motor konzipiert. Seit Ende September hieß es für das Designteam in Enstone: Kommando zurück. Die Ingenieure mussten die Pläne so revidieren, dass 2016 eine Renault-Antriebseinheit in das Heck passt. Eine Titanenaufgabe. Die Architektur des Motors und sein Kühlkonzept sind völlig anders als das des Mercedes V6. Und die Techniktruppe um Nick Chester muss auch noch ein neues Getriebe bauen.

Neue Struktur in der Motorenabteilung

Wer Teamchef in Enstone wird, ist noch nicht entschieden. ART-Direktor Frédéric Vasseur ist als Sportdirektor vorgesehen. Die technische Leitung des Autos bleibt bei Nick Chester mit Chefdesigner Martin Tolliday und Einsatzleiter Alan Permane. Die Motorenabteilung wird auf den Kopf gestellt. Bob Bell soll die technische Leitung übernehmen, der frühere Mercedes-Motorenchef Axel Wendorff die organisatorische und Remi Taffin den Rennbetrieb.

Mit 32 Entwicklungs-Token in der Hinterhand soll über den Winter ein generalüberholter Motor entstehen. Renault wird dabei auch auf das Knowhow von Ilmor zurückgreifen. Mario Illien hatte im Auftrag von Red Bull bereits einen neuen Zylinderkopf konstruiert, der aber nie zum Einsatz gekommen war, weil die Ingenieure in Paris ihre eigene Lösung favorisiert haben. Ein Teil der Motorentwicklung könnte nach Enstone ausgelagert werden. Denkbar ist die Installation eines VTT-Prüfstands. Mercedes, Ferrari und Honda testen ihre Antriebseinheiten bereits samt dem Originalauto auf den sündhaft teuren Spezialprüfständen.

2016 ist ein Übergangsjahr. Es ist jedem in Enstone und Viry klar, dass man mit dem späten Startschuss keine Bäume ausreißen kann. Lopez spricht von einem "Jahr der Konsolidierung und des bescheidenen Auftritts". Der Fokus liegt auf der Zukunft. Da Renault sich bis 2025 verpflichtet hat, kann man langfristig denken, wenn die Formel 1 2018 ein neues Motorenformat und neue Autos bekommt. Die Franzosen könnten sich nach dem Vorbild von BrawnGP und Mercedes 2016 früh aus der Entwicklung der aktuellen Technik ausklinken und sich auf die neue Ära vorbereiten.

Kauf auf den letzten Drücker

Für Lotus war es höchste Eisenbahn. Hätte Renault die Kaufoption zurückgezogen, wäre Lotus vor einem Scherbenhaufen gestanden. Die Frist lief am 7. Dezember ab. An dem Tag hatte Lotus einen Gerichtstermin in London und hätte rund zehn Millionen Pfund Altschulden bezahlen müssen. Und Renault das Geld erstatten, das ihnen der Konzern in den letzten zwei Monaten geborgt hart. Auch im Bereich von zehn Millionen. Und die erste Rate des immer noch bestehenden Mercedes-Motorenvertrages begleichen.

Szenekenner fürchteten: "Das hätte Lotus in die Insolvenz getrieben." Man hätte die Verbindlichkeiten zwar mit Pastor Maldonados Sponsorgeld über 30 Millionen Pfund tilgen können, doch dann wäre nicht mehr viel übrig geblieben. Gérard Lopez wurde mit dem Satz zitiert: "Es gibt keinen Plan B."

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