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Das Sauber-Drama

FIA und Ecclestone spielen mit dem Feuer

GP Abu Dhabi 2009 Foto: dpa 104 Bilder

Das BMW-Sauber Nachfolgeteam wartet immer noch auf den Startplatz für 2010. Trotz diverser Wackelkandidaten im Feld verweigert Williams die Zustimmung zum 14. Platz. Die FIA und Bernie Ecclestone schauen untätig zu. Das schürt den Verdacht, dass da Politik dahinter steckt.

01.11.2009 Michael Schmidt

Auch anderthalb Monate nach dem Verkauf des Rennstalls weiß man immer noch nicht wer Qadbak ist. Vielleicht wird man es nie genau erfahren. Doch sämtliche Betriebsprüfungen renommierter Kanzleien führten zu dem Ergebnis: Die Drahtzieher hinter dem geheimnisvollen Projekt sind seriös. Trotzdem verschanzt sich Frank Williams hinter dem Argument, dass er nur Teams einen 14. Startplatz gewähren würde, die er kennt. Man darf davon ausgehen, dass dies ein Vorwand ist. "Frank hatte schon immer die Angst, dass für ihn weniger vom großen Geldkuchen übrigbleibt, je mehr Teams sich diesen aufteilen", urteilt ein Szenekenner.

Qadbak hat den Kauf des Rennstalls an Bedingungen geknüpft. Das Geld an BMW fließt erst, wenn sichergestellt ist, dass der Rennstall für 2010 eine Startgenehmigung hat. Dafür gibt es schriftliche Garantien. Genauso wie für die Bereitstellung des Budgets für die nächsten Jahre. Im Vergleich dazu stehen die vier neuen Teams, die Qadbak den Startplatz wegnehmen, auf wackeligen Füßen.

Fragezeichen hinter neuen Teams

Lotus hat vielleicht das Budget, aber das in Fotos zur Schau gestellte Windkanalmodell ähnelt stark einem Force India, für den Lotus-Technikdirektor Mike Gascoyne in seiner alten Anstellung verantwortlich war. Wer Gascoyne kennt, darf davon ausgehen, dass er bis zum Saisonstart am 14. März ein Auto auf die Räder stellen wird. Die Frage ist nur: Wie weit fährt dieses Auto hinterher?

Campos braucht Paydriver, die eigenes Geld mitbringen, um zu überleben. Bis jetzt gibt es nur einen Kredit der spanischen Regierung. Deshalb lässt der ursprüngliche Wunschpilot Pedro de la Rosa die Finger von dem Projekt. Dallara wird Campos ein ordentliches Auto hinstellen, aber die Geschichte hat gezeigt, dass Formel 1-Autos von Dallara über Mittelmaß nie hinausgekommen sind.

Manor GP mit besten Chancen, USF1 wackelt weiter

Manor GP ist von allen neuen Teams am besten aufgestellt. Das Geld ist in der Kasse. Man plant mit einem erfahrenen Piloten (Heikki Kovalainen) und einem Nachwuchsmann (Lucas di Grassi oder Adam Carroll). Technikchef Nick Wirth will das Auto ohne Windkanal bauen. Das Experiment funktionierte in der amerikanischen ALMS-Serie, muss aber in der Formel 1 noch seine Tauglichkeit unter Beweis stellen.

Von USF1 gibt es weiterhin mehr schlechte als gute Nachrichten. Die Nachricht, dass man die europäische Basis nahe der neuen Rennstrecke von Aragon aufschlagen wolle, beweist nichts. Immerhin dringt durch, dass die Firma Riley die Chassis bauen soll. Dass in Charlotte aber angeblich nur 18 Mitarbeiter mit Monatsverträgen arbeiten soll, ruft die Skeptiker wieder auf den Plan. Noch hat das Projekt den Segen der FIA, was auch daran liegt, dass Vize-Chef Nick Craw ein Amerikaner ist, der ein Interesse daran hat, dass der amerikanische Formel 1-Traum Wirklichkeit wird.

Im Vergleich zu den vier Neulingen ist der Sauber-Rennstall auf einem komplett anderen Level. Das neue Auto ist im Plan, die Mannschaft hat Erfahrung und ist eingespielt, der Ferrari-Motorenvertrag liegt auf dem Tisch, die Ressourcen und die technische Ausrüstung sind State of the Art und das Budget wird so ausgestattet sein, dass man an der Spitze mitfahren kann. Trotzdem lassen die FIA und Bernie Ecclestone Peter Sauber und seiner Hinwiler Truppe im Unklaren. Mit dem Risiko ein etabliertes Team zu opfern ohne zu wissen, wie viele von den vier Neulingen überleben. Und ob Toyota weitermacht.

Wann verliert Qadbak die Geduld?

Das lässt Politik vermuten. Bernie Ecclestone wäre es eingeweihten Kreisen zufolge lieber gewesen, wenn beim Kauf des BMW-Rennstalls einer zum Zuge gekommen wäre, den er kennt und einschätzen kann. Es soll sich dabei um einen gewissen Gerard Lopez handeln, der im Direktorium der Luxemburger Investmentfirma Mangrove Capital Partners sitzt und ein ausgewiesener Rennfan ist. Lopez bewarb sich um BMW, bekam aber nicht den Zuschlag.

Er hat auch versucht, bei Lotus und Renault einen Fuß in die Tür zu bekommen. Möglich, dass Lopez bei BMW immer noch eine Chance sieht, wenn Qadbak die Geduld ausgeht. Und so an das Petronas-Geld kommt, mit dem dann die Saison finanziert werden soll. Peter Sauber winkt ab: "Ich gebe mir alle Mühe, dafür zu sorgen, dass die Parteien nicht die Geduld verlieren." Der 66-jährige Schweizer verspricht: "Qadbak kann warten."

Hoffnung auf Jean Todt

Sauber hofft, dass ihm der neue FIA-Chef Jean Todt helfen kann. Man schätzt sich seit den Tagen, in denen Ferrari Sauber mit Motoren belieferte. Bei der Prüfung der Teams misst die FIA offenbar mit zweierlei Maßstäben. Während Sauber trotz 17-jähriger Zugehörigkeit zum Zirkus den FIA-Prüfern eine genaue Bestandsliste jeder Maschine und des gesamten mobilen Inventars abgeben musste, wird bei USF1, Campos, VirginF1 und Lotus offenbar über den Daumen gepeilt.

Da reicht es, wenn USF1 bei der FIA-Visite in Charlotte ein paar Fertigungsmaschinen in eine große Halle stellt, auf denen man gerade mal einen Frontflügel produzieren kann. Lotus konnte bei der Vergabe des 13. Platzes gar nichts vorweisen, weil es zu dem Zeitpunkt noch nichts gab.

Todt wäre gut beraten, wenn er dem Schrecken ein Ende bereitet. Es würde auf die FIA zurückfallen, wenn man den neuen Teams zuliebe Sauber opfern würde. Springt dann noch einer der Neulinge über die Klinge, wäre der Schaden für den Verband noch größer. In Zeiten wie diesen muss man über jedes Team froh sein, das fix an den Start geht.

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