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Das Sauber-Wunder

"Auf jeder Strecke besser"

Parc Fermé - GP Italien 2013 Foto: Wilhelm 23 Bilder

Nico Hülkenberg fuhr zum zweiten Mal in Folge in die Punkte. Teamkollege Esteban Gutierrez schaffte erstmals den Sprung in die Top Ten der Startaufstellung. Es geht aufwärts bei Sauber. Hintergründe einer Trendwende, die selbst Experten nicht mehr für möglich gehalten haben.

26.09.2013 Michael Schmidt

Zur Sommerpause sah es bitterböse für Sauber aus. Das Team drohte im Mittelfeld sogar hinter Williams zu rutschen. Sämtliche Modifikationen am Sauber C32 verpufften ohne Wirkung. Dazu noch die Finanzprobleme und die Sorgen um die Zukunft. Drei Rennen später hat sich das Bild komplett auf den Kopf gestellt. Nico Hülkenberg fuhr zwei Mal in Folge aus eigener Kraft in die Punkteränge. Und das auf zwei total gegensätzlichen Strecken. In Monza war minimaler, in Singapur maximaler Abtrieb gefragt. Man kann fast von zwei unterschiedlichen Autos sprechen. Dazu kam: Singapur passte Sauber noch nie. "Man kann fast von einer Angststrecke sprechen", lachte Chefingenieur Tom McCullough. Doch dann überraschten sich die Schweizer selbst. Esteban Gutierrez schaffte zum ersten Mal den Sprung in die Top Ten der Startaufstellung. Teamkollege Hülkenberg wäre auch dort gelandet, hätte er nicht aus Versehen auf der langen Geraden das DRS deaktiviert.

Anschluss an McLaren gehalten

Im Rennen hielt Hülkenberg Anschluss an die beiden McLaren-Mercedes. Hätte er nicht auf Befehl der Rennleitung Platz für Sergio Perez machen müssen, wäre er zwischen den McLaren auf Platz 8 gelandet. Force India, ToroRosso und Williams lagen klar hinter dem Sauber-Piloten. Monza war also doch keine Eintagsfliege. Dass es in Singapur kein fünfter Platz wie in Italien werden würde, durfte man nicht erwarten. In der Konfiguration für maximalen Abtrieb ist der Sauber C32 nicht so effizient wie im Highspeed-Trim für Monza. Aber das gleiche gilt für Ferrari auf höherem Niveau. Trotzdem hatten die Sauber-Ingenieure Bedenken, bevor es auf den Marina Bay Circuit ging. "Wir hatten das ganze Jahr Schwierigkeiten in Kurven mit starkem Lenkeinschlag. Also alles unter 140 km/h. Da ist uns oft der Abtrieb zusammengebrochen. Das sind auch die Kurven, in denen der Auspuff viel zum Anpressdruck beitragen muss. Auch da hatten wir in der ersten Saisonhälfte Defizite", übte McCullough Selbstkritik.

2012er Reifen helfen Sauber

Die jüngsten Änderungen am Sauber sind nur von Experten erkennbar. In den Rennen seit der Sommerpause wurde drei Mal am Frontflügel herumgedoktert, ein Mal am Heckflügel. Auch die Auspuffposition wurde kaum sichtbar im Millimeterbereich optimiert. In Singapur tauchte der C32 mit modifizierten Luftabweisern unter der Nase auf. Kleine Maßnahme, große Wirkung. Die Fahrer notierten deutliche Fortschritte. "Die Maßnahmen greifen auf jedem Streckentyp. Wir sind überall besser geworden. Ich kann jetzt wieder in die Kurven hinein attackieren", stellte Hülkenberg zufrieden fest. Der Formanstieg von Sauber hat nicht nur etwas mit den Modifikationen am Auto zu tun. "Uns helfen die 2012er Reifen", gibt McCullough zu. "Wir können vorne tiefer fahren und kommen damit hinten bei der Bodenfreiheit in ein Fenster, bei dem der Diffusor besser arbeitet." Hülkenberg nennt noch einen dritten Grund: "Seit dem Nürburgring fahren wir mit einer anderen Abstimmungsphilosophie. Das hat sich auch auf anderen Strecken als Vorteil herausgestellt." Grob gesagt: Sauber legt die Aerodynamikbalance mehr Richtung Heck und gleicht das vorne durch mehr mechanischen Grip aus.

Sauber kann ToroRosso noch von Platz 7 stoßen

Offenbar geht es auch finanziell bergauf. Der neue Partner aus Russland hat die ersten Zahlungen getätigt. Es werden wieder Rechnungen beglichen und Außenstände abgetragen. Und es wird am aktuellen Auto in kleinem Rahmen weiterentwickelt, bei Force India konzentriert man sich bei bereits voll auf 2014. Während Sauber bis zur Sommerpause Angst haben musste, dass Williams mit einem Glücksschuss Rang 8 streitig macht, träumen sie in Hinwil jetzt davon, vielleicht doch noch den Siebten ToroRosso einzuholen. Der Unterschied beträgt 12 Punkte. Oder drei Millionen Dollar aus Bernie Ecclestones Kasse. Nicht uneinholbar, wenn es in den letzten sechs Grand Prix so läuft wie in Monza und Singapur. Hülkenberg schätzt den Formstand so ein: "Wir liegen knapp hinter McLaren, aber vor Force India, ToroRosso und Williams." Dadurch wird Sauber auch wieder für die Fahrer attraktiv, die für 2014 noch ein Cockpit suchen. Die Schlange der Interessenten für den zweiten Sitz neben Sergey Sirotkin wird immer länger. Adrian Sutil hat Interesse bekundet, Rubens Barrichello sucht Kontakt zu Hinwil, und auch Felipe Massa will nicht mehr ausschließen, dass ihn sein Weg zurück zu Sauber führen könnte, falls es mit Lotus nichts wird. 

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