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Das Sauber-Wunder

Kehrtwende ohne Geld

Nico Hülkenberg - Sauber - Formel 1 - GP Brasilien - 22. November 2013 Foto: xpb 15 Bilder

Der Sauber C32 startete als Flop und beendete die Saison als Geheimtipp. Das Schweizer Team schaffte die Wende trotz knapper Kassen. McLaren konnte sich trotz ausreichendem Budget in der zweiten Saisonhälfte nur unwesentlich steigern.

05.12.2013 Michael Schmidt

Es war das Wunder dieser Saison. Bis zur Sommerpause hatte Sauber sieben Punkte auf dem Konto. Der C32 mit seinen schlanken Seitenkästen erfüllte nicht die Erwartungen seiner Väter. Das Auto war schwer zu fahren. Im Heck fehlte es an Abtrieb.  Deshalb war der Sauber am Kurveneingang schwer zu positionieren. Das kostete auch am Kurvenausgang Zeit. Kurzum: Ein Flop.

Dann passierten gleich drei Dinge auf einmal. Pirelli kehrte zu den 2012er Reifenkonstruktionen zurück. Sauber folgte beim Auspuff dem Weg vom Red Bull und ließ die Endrohre auf eine Rampe im Seitenkasten zielen, was Möglichkeiten eröffnete den Abtrieb im Heck zu vergrößern. Und die Ingenieure verstanden ihr Auto.

Die Wende kam zu spät, zum Glück für McLaren

In der zweiten Saisonhälfte war der Sauber ein Garantieschein für WM-Punkte. Nico Hülkenberg und Esteban Gutierrez sammelten in neun Rennen 50 Zähler. Teilweise fuhr Hülkenberg mit Mercedes und Ferrari auf Augenhöhe. McLaren war mit Ausnahme des Finales in Brasilien auf der Rennstrecke kein Gegner mehr.  Egal welcher Streckentyp, mindestens ein Auto der Eidgenossen landete in den Top Ten der Startaufstellung. "Hätten wir dieses Auto früher in der Saison gehabt", resümierte Hülkenberg, "hätte sich McLaren warm anziehen müssen." Force India sowieso.

Tom Cullough, leitender Ingenieur an der Strecke, sieht es mit den Augen eines Technikers: "Wenn du mit einem Problem in die Saison startest, dann gehen am Anfang alle Kapazitäten dafür drauf, dieses Problem zu lösen. Mit der eigentlichen Entwicklungsarbeit beginnst du erst, wenn alle Fragen beantwortest hast. Bei uns war das erst nach der Sommerpause. Die Zeit, die du vorher verloren hast, holst du nie mehr richtig auf."

Eine Entwicklungsstufe für 500.000 Euro

Erstaunlich ist, dass Sauber trotz finanzieller Probleme die Kehrtwende schaffte. Tatsächlich gab es nur ein kleineres Facelift beim GP Spanien und ein großes beim GP Ungarn. Die neue Heckpartie mit einer geänderten Auspuffführung hat rund 500.000 Euro gekostet. Für Teams wie Red Bull oder Mercedes ein Nasenwasser. Für Sauber ein Klimmzug. Die Schweizer setzten die richtigen Prioritäten, stellten andere Projekte zurück, um die Entwicklungsstufe zu Saisonmitte realisieren zu können. Dabei blieben auch einige andere Rechnungen länger legen, als man es von dem braven Schweizer Team gewohnt ist.   

"Wir wissen, was das Auto macht"

Die Traktion zählte ab dem technischen Kahlschlag  zu den Stärken des Autos, doch damit allein ist es nach Ansicht von Chefingenieur Tom McCullough nicht getan. "Du brauchst auch Stabilität am Kurveneingang. Je besser der Fahrer das Auto dort positionieren kann, umso besser kommt er aus der Kurve auch wieder heraus." Sauber hat mit der Rückkehr zum Auspuffkonzept von Red Bull nicht nur technisch den richtigen Schritt getan, die Ingenieure erkennen seitdem auch das große Bild viel besser. "Wir wissen was das Auto macht, und was wir tun müssen, damit es das macht, was wir wollen", erklärt McCullough.

Ab dem GP Deutschland wurden die Autos neu abgestimmt. Francesco Nenci, der Renningenieur von Gutierrez hatte mit einem Experiment die Lunte gelegt. Aerodynamik-Balance nach hinten, dafür mehr mechanischer Grip vorne. Das Auto wurde an der Vorderachse tiefer gelegt. Da kamen die 2012er Reifen ins Spiel. Sie machten den Schritt erst möglich, weil sie sich weniger stark verformten als ihre Vorgänger. 

Bremsbelüftungen als Joker für bessere Traktion

Die Abkehr vom McLaren-Auspuffkonzept eröffnete Sauber weitere Entwicklungsmöglichkeiten. Zum Beispiel im Bereich der Bremsbelüftungen. McCullough erklärt, wie Auspuff und Bremsschacht zusammenhängen: "Beides zusammen verbessert die Umströmung der Hinterräder bei niedrigen Geschwindigkeiten und hilft der Traktion bei großen Bodenfreiheiten hinten." Man muss sich nicht wundern, dass Red Bull, Lotus und Sauber besser aus den langsamen Ecken kamen als der Rest. Alle drei hatten die gleiche Auspuffphilosophie.

McLaren stellte sich mit hoher Nase eine Falle

Erstaunlicherweise kriegte McLaren nie so richtig die Kurve. Der MP4-28 profitierte zwar auch von den 2012er Reifen, aber nicht in dem Maße wie Red Bull, Lotus oder Sauber. Das hat nicht nur mit der Auspuffanordnung zu tun. McLaren weiß inzwischen, welchen Kardinalfehler die Ingenieure gemacht haben. Sie wollten besonders schlau sein und ein gutes Auto durch ein noch besseres ersetzen. Doch plötzlich machte der Frontflügel Probleme. Durch das Anheben der Nase und dem Umstieg auf eine Zugstreben-Aufhängung vorne wurden die Luftwirbel, die der Flügel produziert, so ungünstig Richtung Heck geleitet, dass dort Abtrieb verloren ging.

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