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David Coulthard

GP Frankreich 2000 Handzeichen für Schumi

David Coulthard Mein bestes Rennen Foto: Daniel Reinhard 31 Bilder

Motorsportlegenden erzählen die Geschichte ihres besten Rennens: In Teil zwölf der Serie kommt David Coulthard zu Wort. Der Schotte erzählt vom GP Frankreich 2000, als er mit Michael Schumacher im Clinch lag und böse Handzeichen an den Rekordweltmeister richtete.

13.12.2011 Michael Schmidt

Es war wie damals üblich eine Saison, in der Ferrari gegen McLaren um den WM-Titel fuhr. Oder besser gesagt Schumacher gegen McLaren. Wir hatten in unserem Team ja noch internen Wettbewerb. Mika Häkkinen und ich waren keine Feinde, aber auch keine Kumpel. Ich hatte großen Respekt vor ihm. Er war ein sehr ehrlicher Mensch und ein unglaublich guter Rennfahrer.

Meiner Meinung nach war er auf eine Runde schneller als Michael. Nur konnte Michael diese eine Runde immer und immer wieder reproduzieren. Wären die beiden je Teamkollegen gewesen, hätte Mika das Trainingsduell, Michael aber die WM nach Punkten gewonnen.

Es herrschte damals eine ziemlich angespannte Stimmung zwischen McLaren und Ferrari. Ron Dennis war absolut davon überzeugt, dass Ferrari unter dem Schutz der FIA stand. In Monza wurden wir deshalb wie Feinde behandelt. Mit Michael verband mich nicht allzu viel. Er war auch nicht der Typ, der anderen blind vertraute. In einem BBC-Interview hat er mir erzählt, dass er früh in seiner Karriere einmal enttäuscht worden sei. Akzeptiert.

Noch heute kommt es vor, dass er ohne zu grüßen an mir im Fahrerlager vorbeiläuft. Wenn ich jemanden sehe, dann sage ich wenigstens hallo, egal ob es ein anderer Fahrer oder ein Mechaniker ist, den ich kenne. Da liegt auch der große Unterschied zwischen Vettel und ihm. Vettel kommuniziert mehr.

Aber kommen wir zu dem Rennen, über das wir sprechen wollen. Magny-Cours 2000. Ich hatte in dieser Saison bereits zwei Rennen gewonnen und lag in der WM auf Platz zwei hinter Michael. Der stand in Magny-Cours auf der Pole-Position, ich neben ihm. Als es losging, ist Michael so brutal auf meine Spur eingeschwenkt, dass ich vom Gas musste. So ist auch noch Rubens Barrichello durchgerutscht, und ich hatte zwei Ferrari vor der Nase.

Coulthard kocht innerlich

Zur damaligen Zeit war das ein normales Manöver. Ich habe trotzdem innerlich gekocht. Für mich war Michaels Manöver ein bisschen zu aggressiv. Auch wenn er mich nicht sehen konnte, musste er wissen, dass ich da bin. Das war so eine Situation wie 2010 zwischen ihm und Barrichello in Ungarn. Er schaut einfach mal, wie weit er gehen kann.

Ich musste jetzt erst mal an Rubens vorbei und habe dann schnell zu Michael aufgeschlossen. In Magny-Cours ging es immer ein bisschen darum, die Reifen zu schonen. Das habe ich besser hingekriegt als Michael. Der Schlüssel war es, in der langen schnellen Rechtskurve vor der Geraden den linken Vorderreifen nicht zu stark zu belasten.

Beim ersten Ausbremsversuch habe ich Michael vor der Haarnadel außen angegriffen und lag neben ihm. Er ließ sich am Ausgang extrem weit nach außen treiben, obwohl es eigentlich gar nicht nötig gewesen wäre. Er wollte einfach, dass mir die Straße ausgeht. Jetzt war ich richtig sauer.

Nächster Versuch: Ich zeige ihm den Mittelfinger. Dann probiere ich es innen, berühre dabei sein Vorderrad und quetsche mich vorbei. Am Kurvenausgang habe ich das Gleiche mit ihm gemacht, was er mir vorher gezeigt hat. Ich wollte, dass er spürt, wie es ist, wenn vor einem plötzlich keine Straße mehr da ist.

Sein Begriff von Sportlichkeit war ein anderer als meiner. Ich konnte mich aber nicht beschweren. Solange die Sportkommissare nicht eingreifen, musst du damit leben. Er hat halt einfach besser als ich das Limit des Erlaubten getroffen.

Der Rest des Rennens war einfach. Ich habe mit der schnellsten Runde gewonnen. Mein Teamkollege Häkkinen kam hinter mir ins Ziel. Michael ist nach meiner Erinnerung später noch ausgefallen. Es war so ein Tag, an dem ich alle schlagen konnte. Leider hatte ich nur drei oder vier dieser Tage pro Saison. Deshalb bin ich auch nie Weltmeister geworden.

Mir fehlte die Konstanz der absoluten Top-Piloten. An vielen meiner anderen Tage war ich nur ein guter, aber kein sehr guter Rennfahrer. Ich habe nie herausgefunden, warum das so war.

Schumacher zu schlagen, das war damals unter allen Umständen etwas Besonderes. Nach dem Sieg in Magny-Cours konnte ich auch nicht erklären, wieso ich ausgerechnet an diesem Tag so stark gefahren bin. Es war nicht meine Spezialstrecke.

Mit Michael habe ich nie mehr über das Rennen gesprochen. Ich habe mich bei der Pressekonferenz für den Autofahrergruß entschuldigt. Das kam von mir. Keiner aus dem Team hat mich dazu gedrängt. Ich aber hatte das Gefühl, dass ich mit meiner emotionalen Reaktion nicht gerade ein leuchtendes Beispiel für die jungen Leute abgegeben habe.

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