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David Ward kandidiert als FIA-Präsident

20 Punkte-Plan gegen Todt

David Ward FIA Foto: wardandteam2013.com

Jean Todt bekommt Konkurrenz. Der Engländer David Ward hat seine Kandidatur für das Amt des FIA-Präsidenten abgegeben. Jetzt präsentiert Ward seine 20 Punkte-Agenda, mit der er Todt herausfordern will. Er kämpft für ein professionelles Management, Effizienz und Transparenz. FIA-Insider wollen nicht ausschließen, dass Todt gar nicht kandidiert.

06.09.2013 Michael Schmidt

Am 6. Dezember wird in Paris der neue FIA-Präsident gewählt. Der Weg dorthin ist spannend, und er könnte nicht nur den Weltverband verändern, sondern auch den Einfluss der FIA auf den Motorsport. Bis jetzt galt der amtierende Präsident Jean Todt als klarer Favorit. Doch der Franzose hat bis heute nicht seine Kandidatur abgegeben.

Der 57-jährige Engländer David Ward ist ihm zuvor gekommen. Der Vertraute von Ex-Präsident Max Mosley wirbt bei den Wahlmännern mit einem 20 Punkteplan für seine Person. Die Agenda ist für Amtsinhaber Todt eine echte Herausforderung. In ihr sind einige Kritikpunkte versteckt, die Ward noch vor der nächsten Weltratsitzung in Dubrovnik zur Sprache bringen wird.

Unterstützer-Briefe für Todt gegen FIA-Statuten

Zum Beispiel, die Unterstützer-Briefe aus Südamerika und dem Fernen Osten. Todt hatte sich da in zwei Fällen von einer ganzen Region Empfehlungsschreiben für seine Arbeit ausstellen lassen. "Vor dem eigentlichen Wahlprozess auf Stimmenfang zu gehen, verletzt die FIA-Statuten", sagt Ward.

Todt hat noch mit anderen unangenehmen Fragen zu rechnen. Zum Beispiel, was mit den 40 Millionen Dollar passiert, die das neue Concorde Abkommen dem Weltverband einspielen soll. Bis jetzt hatte sich Todt dazu nicht explizit geäußert. Viele fürchten, dass ein Teil des Geldes in ein neues Hauptquartier in der Schweiz und in die Unterstützung von Projekten im Straßenverkehr gesteckt wird. Ward ist da anderer Meinung: "Geld, das der Sport generiert, sollte auch wieder in den Sport investiert werden."

FIA soll wie eine Firma geführt werden

Im Prinzip stützt sich der Plan, der den Engländer am 6. Dezember zum FIA-Präsident küren soll, auf drei Schlagwörter: Professionelles Management, Effizienz, offene Bücher. In seiner "Agenda des Wandels" führt Ward 20 Punkte auf, die den Kernpunkt seiner Kampagne darstellen.

Der FIA-Präsident soll in Zukunft nur noch eine nicht exekutive Rolle einnehmen. Er sollte in Zukunft idealerweise ein Präsident eines nationalen Automobilclubs sein. Mit Max Mosley und Jean Todt hatte die FIA zuletzt zwei "Branchenfremde" als Präsidenten. Ein Vorstandsbüro mit einem bestellten Vorsitzenden soll nach Vorbild der Industrie die Geschäfte führen.

Jede Meisterschaft bekommt ihren eigenen Kommissar. Der Senat soll in eine Art Aufsichtsrat überführt werden. Und als Spitze gegen Todt: Der Sitz der FIA muss in Paris bleiben. Davon verspricht sich Ward mehr Einfluss auf wichtige Entscheidungen im Sport. "Je professioneller das Management, umso größer die Durchschlagskraft."

Ward prangert zu viel Verschwendung an

Unter dem Stichwort Effizienz greift Ward die deutlich gestiegenen Ausgaben der FIA unter Todt an. Allein die Zahl der Angestellten hat sich verzehnfacht. Da ist von zu hohen Betriebskosten die Rede, von unnötigen Reisekosten, von doppelten Ausgaben.

Die FIA schultert nach Ansicht von Ward Aufgaben, die eigentlich unter die Verantwortung der FIA Foundation und des FIA Instituts fallen. Das gesamte Geld aus dem Motorsport soll nach Abzug der eigenen Kosten den nationalen Sportclubs für deren Ausbildungsprogramme genutzt werden.

Für offene Bücher und gegen Korruption

Ward will auch, dass die FIA ihre Bücher öffnet. Jeder soll auf der FIA-Website sehen können, wo das Geld herkommt und wo es hinwandert. "Viele der nationalen Automobilclubs machen das bereits so. Warum nicht auch wir?" Dazu will der langjährige Direktor der FIA Foundation neue Verhaltensregeln aufstellen, die den jüngsten Bestimmungen gegen Bestechnung und Korruption angepasst werden.

So sollen zum Beispiel alle Vertragspartner auf Interessenskonfikte, Einhaltung der Wettbewerbsregeln und Korruption abgeklopft werden. Dieser Punkt wird Bernie Ecclestone nicht gefallen. Sollte es zu einem Gerichtsverfahren in Deutschland wegen Bestechung kommen, müsste Ecclestone nach diesen Maßstäben als Geschäftsführer der Rechteinhaber zurücktreten. Andernfalls wäre CVC als Partner der FIA nicht mehr tragbar.

Amtszeit auf 8 Jahre verkürzen

Schließlich will der 57-jährige Engländer auch moch das Wahlprocedere ändern. Die Einstiegshürden für eine Kandidatur sind zu hoch. Auch Ward braucht mindestens 26 Bürgen aus den Automobilclubs, um schließlich als Kandidat aufgestellt zu werden.

Da Ward durch seine Arbeit für die FIAS in den letzten 20 Jahren ein alter Bekannter ist, sieht er keine Probleme die für eine Kandidatur notwendige Zustimmung zu bekommen. Andere aber könnten an dieser Hürde scheitern. Die maximale Amtszeit des FIA-Präsidenten soll von 12 auf 8 Jahre begrenzt, das Büro des Präsidenten entrümpelt werden. Ein Präsident und zwei Stellvertreter, das muss genügen.

Concorde Abkommen ist Todts Faustpfand

Jean Todt hat bis heute seine Kandidatur nicht abgegeben. FIA-Insider vermuten, dass Todt seine Zukunft vom Concorde Abkommen abhängig macht. Der ehemalige Ferrari-Rennleiter will den Grundsatzvertrag bis spätestens zur nächsten Weltratsitzung Ende September in Dubrovnik unter Dach und Fach haben. Dann könnte er bei den Automobilclubs damit Werbung machen, dass er die Einnahmen für die FIA verdoppelt hat.

Sollte sich die Unterschrift unter das Concorde Abkommen weiter verzögern, ist es durchaus möglich, dass Todt gar nicht kandidiert. Das steht nach Einschätzung von Eingeweihten aber auch bei einem erfolgreichen Abkommen zur Debatte. Offenbar hatte Todt nicht damit gerechnet, dass ihn überhaupt einer aus den Reihen der FIA herausfordern wird.

Ward redet seinen Rivalen nicht schlecht. Todt habe viele gute Dinge auf den Weg gebracht, aber nicht alle seien so umgesetzt worden wie geplant. Das wolle er jetzt tun. Mit seiner politischen Vergangenheit als Berater des früheren Labour Party Spitzenkandidaten John Smith weiß Ward genau, wie man Wahlen vorbereitet und gewinnt. Auch das könnte beim Amtsinhaber Unbehagen auslösen.

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