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Der Aufsteiger der Formel 1-Saison 2014

Darum war Daniel Ricciardo so gut

Daniel Ricciardo - GP Belgien 2014 Foto: Red Bull 35 Bilder

Daniel Ricciardo war die Überraschung der Saison. Von null auf 100 in einem Jahr. Er kam als Lehrling und ging als künftiger WM-Kandidat. Ricciardo fuhr nicht nur seine ersten drei Siege in der Formel 1 ein. Der Australier schlug auch den vierfachen Weltmeister Sebastian Vettel.

09.12.2014 Michael Schmidt

Teamchef Christian Horner fasste die erste Saison von Daniel Ricciardo bei Red Bull kurz und bündig zusammen: "Keiner von uns hätte vor einem Jahr erwartet, dass sich Daniel so schnell in der Weltspitze zurecht findet. Ich glaube, er selbst ist am allermeisten davon überrascht." Der 25-Jährige aus Perth bestätigt. "Vor einem Jahr war ein Podiumsplatz noch so weit weg. Heute fühlt es sich schon wie Routine an. Ich habe meine eigenen Erwartungen übertroffen."

Ricciardo hat seine Aufnahmeprüfung in der Champion League der Formel 1 mit Glanz und Gloria bestanden. Dritter in der Weltmeisterschaft, drei Siege, acht Mal auf dem Podium, 238 Punkte. Eigentlich kommt noch ein zweiter Platz in Melbourne dazu. Dass er disqualifiziert wurde, geht auf die Kappe des Teams. "Daniel hat den dritten Platz verdient. Er hat nichts geschenkt bekommen, sich alles selbst erarbeitet. Und er ist der einzige im Feld, der sagen kann: Ich habe die Mercedes geschlagen", lobt Horner.

Red Bull drohte Ricciardo mit kurzen Flitterwochen

Ricciardo wurde der Weg zum Spitzenfahrer so schwer wie möglich gemacht. Er kam in ein Team, das nach vier WM-Titeln in Folge vom Erfolg verwöhnt war. Christian Horner und Teamberater Helmut Marko drohten dem Toro Rosso-Fahrer an: "Die Flitterwochen werden nicht zu lange dauern." Teamkollege Vettel war ein vierfacher Weltmeister. Bestens im Team integriert, mit jeder Menge Selbstvertrauen und Erfahrung im Rucksack.

Und dann das: Der Red Bull-Renault war plötzlich kein Siegerauto mehr. Renault hatte seine Hausaufgaben schlecht gemacht. Der Rennstall musste die schlechte Nachricht erst einmal verdauen und nach Wegen aus dem Dilemma suchen. Für Fahrerbetreuung war da wenig Zeit.

Im Rückblick war das Ricciardos große Chance. Der Australier kannte sich aus mit nicht ganz perfekten Rennautos. Bei Toro Rosso wurde er ständig mit der Aufgabe konfrontiert, aus Schwierigkeiten das Beste zu machen. Marko verglich: "Für Daniel war der Red Bull ein Spitzenauto. Er hat wahrscheinlich jeden Tag dem lieben Gott gedankt, dass er so ein Auto fahren darf. Vettel hat ihn wahrscheinlich genauso oft verflucht. Weil er etwas Besseres gewohnt war."

Ricciardos Trick - Angriff aus dem Hinterhalt

Ricciardo überraschte die Fachwelt nicht nur mit schnellen Rundenzeiten. Der WM-Dritte fuhr unheimlich konstant, machte nicht einen entscheidenden Fehler, schonte die Reifen, zeigte beim Abstimmen des Autos oft mehr Feingefühl als Vettel und überholte mit einer Schlitzohrigkeit, die ihm keiner zugetraut hatte. Marko hatte die Zweikampfstärke im Vorfeld noch als Schwäche ausgemacht. Nach Ricciardos erster Saison bei Red Bull trauen sich seine Chefs zu sagen: "Kaum einer im Feld überholt so gut wie Daniel."

Der große Trick des dreifachen Saisonsiegers ist der Angriff aus dem Hinterhalt. Er schert aus dem Windschatten oft so spät aus, dass der Vordermann gar nicht mehr damit rechnet. Und wenn es mal wie bei Jean-Eric Vergne in Abu Dhabi nicht im ersten Versuch klappt, ist Ricciardo abgeklärt genug, das Manöver ohne Feindkontakt abzubrechen.

Red Bulls neue Nummer eins fand sich mit den 2014er Autos und ihren V6-Turbos besser zurecht als Vettel. Dabei kam ihm seine unbekümmerte Einstellung und seine Null-Problem-Mentalität zu Hilfe. Der Sonnyboy aus Perth stand der neuen Technik von Anfang an positiv gegenüber, während Vettel seine Abneigung gegen die Sparformel nicht verbergen konnte. "Wer sich gegen etwas sträubt, verliert im Unterbewusstsein Zeit", urteilt Ex-Pilot Martin Brundle. Erst als Vettel sich mit seinem Auto arrangiert hatte, wurde die Luft für Ricciardo dünner. Nach der Sommerpause war das Duell nahezu ausgeglichen. Was allein schon ein Kompliment für Ricciardo ist.

Keine Anpassungsschwierigkeiten für Ricciardo

Vettels Probleme hatten mit den neuen Autos und ihren hochkomplexen Antriebseinheiten zu tun. Der Fahrer muss sich dem Auto anpassen und nicht umgekehrt. Es fehlen die Möglichkeiten wie früher, das Auto auf den Fahrstil maßzuschneidern, weil der Computer bestimmt, wie sich die Bremskraft verteilt, wann Energie geladen wird, wann die Elektrokraft einsetzt. Die Vorgänge sind zu kompliziert, als dass man als Fahrer der Technik seinen Stil aufzwingen kann.

Gerade beim Einlenken, also genau jenen Bereich, in dem Vettel in der Vergangenheit seine Zeit auf Mark Webber gut gemacht hatte, befindet er sich heute in der Hand der Technik. Die Bremsbalance richtet sich danach, ob die Batterie geladen wird oder nicht, und das richtet sich danach, welche Ladestrategie das Energie-Management gerade für die beste hält. Für eine Qualifikationsrunde ist das konstant, im Verlauf eines Rennens kann sich die Energieverteilung und damit auch die Bremsbalance ständig ändern.

Dazu kommt, dass der Zwischengas-Einsatz des Renault-Motors beim Runterschalten nicht immer präzise war. Das führte zu harschen Gangwechseln und zu Unruhe im Heck. Wieder in der Phase der Kurve, die für Vettel so wichtig ist.

"Langsamfahren" die schnellere Variante

Wer diese Eigenheiten mit zu aggressiver Fahrweise zu lösen versuchte, wurde bestraft. Das Auto begann zu rutschen, und das ging auf den Reifenverschleiß. Was Vettel im Vergleich zu Ricciardo ein paar Mal passiert ist. Ricciardo gibt zu, dass man sich gerade im Rennen öfter mal zum "Langsamfahren" zwingen musste. "Weil das am Ende schneller war."

Für Vettel war das neue Fahrverhalten ein Rückschritt. Für Ricciardo um Welten besser, als das was er gewohnt war. Vettel musste seine Instinkte erst neu kalibrieren. Ricciardo räumt ein, dass sein Fahrstil näher an dem lag, was die neuen Autos verlangen: "Ich hatte keine Anpassungsschwierigkeiten. Für mich war der Red Bull viel besser als das, was ich bis dahin kannte. Vielleicht lag es auch daran, dass ich vorne mitgefahren bin und mein Selbstvertrauen mit jedem guten Ergebnis gestiegen ist." Merke: Rennfahren findet auch im Kopf statt.

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