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Der neue Nico Rosberg

Ist Lewis Hamilton zu spät aufgewacht?

Hamilton vs. Rosberg - GP Mexiko 2016 Foto: sutton-images.com 110 Bilder

Die Formel 1-Saison 2016 erlebt den besten Nico Rosberg, den es je gab. Niki Lauda erzählt, was der WM-Favorit seiner Meinung nach über den Winter geändert hat. Und dass Lewis Hamilton diese Veränderung möglicherweise zu spät bemerkt hat.

09.11.2016 Michael Schmidt 12 Kommentare

Eigentlich könnte Nico Rosberg die Weltmeisterschaft ganz ruhig nach Hause schaukeln. Zwei zweite Plätze noch, und er ist durch. Sogar ein dritter Platz tut ihm nicht weh. Mit einem Mercedes eine lösbare Aufgabe. Doch Nico Rosberg will nicht rechnen. Er will gewinnen. Am besten gleich beim nächsten Grand Prix in Brasilien. Dann wäre er schon nach dem vorletzten Rennen Weltmeister.

Seine Chefs Toto Wolff und Niki Lauda bestätigen ihren Fahrer in seinem Plan. Es wäre eine schlechte Idee auf Platzierung zu fahren. „Weil auch bei 2 Rennen der Schuss noch nach hinten losgehen kann.“ In Mexiko bekam Rosberg eine Kostprobe davon. Wenn ihm Max Verstappen beim Start ein bisschen stärker gegen das Auto fährt, ist die Vorderradaufhängung ab. Wie schnell das geht, hat Nico Hülkenberg in Austin erlebt. Bei einem harmloseren Stoß.

Rosbergs Privatleben überträgt sich auf den Sport

Wenn Nico Rosberg diese Weltmeisterschaft gewinnt, dann hat er sich den Titel durch konstant gute Leistungen verdient. „Er hat eigentlich nur einen Fehler gemacht. Dass er in Monaco die Reifen und Bremsen nicht so auf Temperatur gebracht hat wie Lewis“, rechnen die Ingenieure vor. Die zwei schlechten Starts von Budapest und Hockenheim sind verzeihbar. Die hat jeder Fahrer im Verlauf einer Saison.

Wer Rosberg beobachtet, stellt fest, dass hier ein anderer Rosberg fährt und spricht als in den letzten Jahren. Er behauptet natürlich, er sei immer noch der gleiche. Um dann doch zuzugeben: „Das einzige, was sich geändert hat, ist mein Privatleben. Ich habe eine tolle Familie mit einer kleinen Tochter, die jetzt ein Jahr und zwei Monate alt ist. Dieses spezielle Gefühl überträgt sich auf den Sport. Ich komme mit einem Lachen im Gesicht an der Rennstrecke an.“

Der neue Rosberg ist auf und neben der Strecke härter geworden. Die Pressekonferenzen sind ein gutes Beispiel. Der 31-jährige Deutsche geht jeder möglichen Kontroverse aus dem Weg. Der Frage nach dem WM-Titel sowieso. Weil er sich damit nicht belasten will. Er verzichtet auch auf Details bei Fragen nach dem Setup, den Reifen, der Strategie. Alles nur ein Gedankenaustausch, der ihn Zeit kostet und ablenkt.

Aus seiner Sicht zieht jede verbale Auseinandersetzung nur eine unnötige Energieverschwendung nach sich. Nur selten lässt er sich aus der Reserve locken. Als ihm Sebastian Vettel beim Start in Malaysia ins Auto fuhr, kam immerhin der Spruch: „Ein vierfacher Weltmeister, der die Kontrolle verloren hatte, hat mich torpediert.“ Zu den Attacken von Max Verstappen gab Rosberg in Mexiko nur einen kurzen Kommentar: „Ich habe meine Meinung dazu vorher schon einmal gesagt. Dem ist nichts hinzuzufügen.“

Rosberg vs. Hamilton - GP Österreich 2016Foto: sutton-images.com
Nico Rosberg schreckt vor Rad-an-Rad-Duellen mit Lewis Hamilton nicht zurück. Wie beim GP Österreich.

Rosberg hat die einzige positive Bilanz gegen Verstappen

Rosberg hat 2014 und 2015 zwei WM-Chancen verpasst. Die Experten schrieben die Niederlagen gegen Lewis Hamilton zwei Faktoren zu. Ihm fehlt die Härte im Zweikampf und das letzte Stück Risikobereitschaft, wenn es um die schnelle Runde im Training geht. Sein Umfeld dagegen behauptet: „Nico hat auf der Strecke die gleiche Härte wie einst sein Vater, er verpackt sie nur freundlicher.“

Das war einmal. Der zweite verlorene Titelkampf hat bei Rosberg nach Meinung von Niki Lauda eine Kehrtwende ausgelöst. „Typisch Nico. Er hat sich hingesetzt und sich gefragt: Was kann der Hamilton besser als ich? Er hat den gleichen Speed, hat es aber mit all seiner Arbeit nicht geschafft, Lewis zu schlagen. Weil Nico wie ich früher immer das große Bild im Auge hatte, und deshalb lieber mal im Zweikampf zurückgesteckt hat. Lewis hat einfach draufgehalten, ist in jede Lücke reingefahren und kam damit immer durch.“

Lauda imponiert: „Nico hat schon Ende letzten Jahres seinen Ansatz geändert. Statt in Depressionen zu verfallen, hat er sich diese Härte antrainiert. Und jetzt merkt Lewis plötzlich, dass er gegen diesen Nico mit seinem Naturtalent allein nicht mehr ankommt.“ Dem dreifachen Ex-Weltmeister fällt auf, dass es auch für ihn schwierig ist, mit Nico über die Formel 1 zu diskutieren. „Der Nico lässt sich von niemandem reinreden, ich glaube, nicht mal von seinem Vater. Er macht ganz allein sein eigenes Ding.“

Beispiele gefällig? Rosberg hat in Barcelona dagegen gehalten, als Hamilton seinen Leistungsverlust ausnutzen wollte. Er hat auch in Spielberg mit Feindkontakt um seinen Sieg gekämpft. „Da hätte er früher zurückgesteckt“, glaubt Lauda. Er hätte sich vielleicht auch nicht so rigoros gegen Kimi Räikkönen in Malaysia durchgesetzt. Rosberg ist auch der einzige, der gegen Verstappen eine positive Zweikampfbilanz aufweist. In Silverstone wurde Rosberg vom neuen Red Bull-Star überholt. Er hat aber später zurückgeschlagen. Und in Mexiko gingen beide Duelle zu Rosbergs Gunsten aus.

Keine Ablenkung im WM-Kampf: Berger verhandelt

Niederlagen sind kein Beinbruch mehr. Augen zu und durch. Rosberg hat kein Problem damit zuzugeben, dass Hamilton in Mexiko ein besseres Wochenende erwischt hat. In der Minute, in der er zu diesem Fazit gekommen ist, denkt sein Kopf schon wieder an Brasilien. Ohne sich ständig zu hinterfragen, was in Mexiko alles schiefgelaufen ist. Der Erfolg gibt dem WM-Spitzenreiter Recht. „Nico hält sich nicht mehr mit Dingen auf, die er nicht beeinflussen kann“, sagt sein Pressesprecher.

Der zweite Schritt der Wandlung fand nach Ansicht seiner engsten Begleiter zu Beginn des Jahres statt. Rosberg blendet alles aus, was nicht direkt mit seiner Mission WM-Titel zu tun hat. Seit dem dritten Saisonsieg beim GP China weicht Rosberg der Frage nach dem WM-Titel mit einer Standardantwort aus: „Ich lebe nur im Moment und schaue von Rennen zu Rennen. Der einfachste Weg, das nächste Rennen zu gewinnen ist, nur an das nächste Rennen zu denken.“

Die volle Konzentration auf die Titeljagd war auch der Grund dafür, dass der in Monaco lebende Deutsche Gerhard Berger als seinen Agenten für die Vertragsverhandlungen anheuerte. Beim letzten Mal hat Rosberg nicht ohne Stolz sein Schicksal noch selbst bestimmt. Diesmal war der WM-Titel wichtiger. „Nico wollte sich in dieser für ihn so entscheidenden Saison einfach nicht mit Vertragsverhandlungen belasten. Also hat er wieder ganz rational entschieden: Das macht ein anderer für mich. Toto und ich haben mit Nico vielleicht zwei Mal über den neuen Vertrag gesprochen, dafür 50 Mal mit Gerhard“, erzählt Lauda.

Hamilton Faktor allein recht nicht mehr zum Titel

Lewis Hamilton hat möglicherweise zu spät gemerkt, dass er dieses Jahr gegen einen anderen Rosberg kämpft. Zu Beginn des Jahres schob er seinen Punkterückstand ausschließlich auf die Motorprobleme. Seine Aufholjagd bis zur Sommerpause ließ ihn glauben, dass im Prinzip die alte Hackordnung herrscht. Erst nach der Sommerpause dämmerte ihm, dass der Hamilton-Faktor allein nicht mehr zum WM-Titel reicht.

Seit dem GP Malaysia hat der Titelverteidiger sein Programm umgestellt. Seitdem hört man immer weniger von wilden Parties, Celebrity-Selfies und Weltumrundungen in seinem Privatjet. Seitdem verblüfft der noch amtierende Champion sein Team mit einer Arbeitswut, die der von Rosberg um nichts nachsteht.

Nach Ansicht von Lauda kommt Hamiltons Generalmobilmachung möglicherweise zu spät. „Lewis hat verstanden, dass sein Naturtalent nicht mehr ausreicht, gegen diesen kompletten Rosberg zu bestehen. Deshalb investiert er jetzt viel mehr Zeit in das Auto, die Reifen und das Setup. Die Frage ist, ob Lewis noch genug Zeit bleibt, das umzusetzen.“

Mit den Siegen steigt auch das Selbstvertrauen. Als Bernie Ecclestone kürzlich Hamilton als den besseren Weltmeister bezeichnete, weil er die Formel 1 in die Welt tragen würde, traute sich Rosberg einen Konter: „Erstens glaube ich nicht, dass er sie so gesagt hat, wie sie wiedergegeben wurden. Und zweitens ist das nicht wichtig für mich. Ich bin hier, um Rennen zu gewinnen, nicht um anderen zu gefallen.“

Neuester Kommentar

Der Saboteur von Mercedes hat die Arbeit auf der ganze Linie gemacht.. So lange das Auto von Hamilton sabotieren bis er die WM aus eigener Kraft nicht mehr gewinnen konnte und dann plötzlich läuft sein Auto problemlos, der hat kein Problem mit den Starts...Sollte Hamilton die letzte 2 Rennen gewinnen , dann Hat er die meisten Siege , Pole-Positionen , Podien und Defekte (5 Defekte insgesamt) Trotz den 4 Quali die er wegen Defekte nicht fahren konnte..

Und die Leute die meinen dass Rosberg 2015 mehr Defekte als Hamilton hatte , stimmt auch . Rosberg hatte einen Defekt mehr als Hamilton aber als Hamilton 2015 WM wurde betrug der Abstand 76 Punkte... Der Defekt hat gar keine Rolle gespielt.

HammerTime 9. November 2016, 20:08 Uhr
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