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Der tiefe Fall von Lotus

Von 315 auf 10 Punkte

Grosjean & Maldonado - Lotus - GP Deutschland 2014 Foto: Lotus

Zwei Jahre lang ärgerte Lotus die Topteams. Der Rennstall aus Enstone landete mit jeweils über 300 Punkten auf Platz 4 der Endabrechnung. In dieser Saison stürzte Lotus auf den achten Rang mit 10 Punkten ab. Was ist schiefgelaufen bei einem Rennstall, der als Hoffnungsträger galt?

17.12.2014 Michael Schmidt

Kein Team ist so abgestürzt wie Lotus. Von 315 auf 10 WM-Punkte. Die zwei Zähler von Pastor Maldonado in Austin wurden wie ein GP-Sieg gefeiert. In den beiden Formel 1-Jahren zuvor zählte Lotus selbst noch zu den Siegern. Kimi Räikkönen gewann die Grand Prix in Abu Dhabi 2012 und Melbourne 2013. Und Lotus war Ende 2013 das einzige Team, das halbwegs mit Red Bull mithalten konnte.

In dieser Saison waren die schwarzen Autos nicht wieder zu erkennen. Lotus schlug sich mit Sauber um Platz 9 und profitierte von einem kurzen Zwischenhoch in Barcelona und Monaco, wo Romain Grosjean 8 Punkte auf das Konto fuhr. Grosjean sieht die starke Vorstellung in Spanien im Rückblick als Problem: "Sie hat uns lange im Glauben gelassen, dass dieses Auto doch gute Anlagen hat. In Wahrheit haben wir nie richtig verstanden, warum es in Barcelona so gut lief." Zur Erinnerung: Grosjean kämpfte mit den Ferrari-Piloten um Platz 6, bis sein Renault-Motor einen Schluckauf bekam.

14 Defekte in einer Formel 1-Saison

Der Lotus E22 litt an vielen Kinderkrankheiten. Hauptübel war die hohe Defektanfälligkeit. Romain Grosjean und Pastor Maldonado blieben 14 Mal stehen. Davon 10 Mal mit Problemen im Motorumfeld. Auch in der Tabelle der gefahrenen Kilometer kommt Renault nur auf Platz 8. Spitzenreiter McLaren schaffte 11237 Kilometer, Lotus nur 9136. Kaum zu glauben: Es war nicht ein einziger Unfall dabei. Obwohl das Auto schwer zu fahren war und die beiden Piloten normalerweise gerne mitten drin sind, wenn es kracht.

Das Auto schleppte nach den vielen Modifikationen im Bereich der Motorinstallation die meiste Zeit der Saison zu viel Gewicht mit sich herum. Erst in Austin hatten die Ingenieure das Auto wieder so weit abgespeckt, dass es am Limit lag. Die Kühlung musste ständig nachgebessert werden. Der Renault-V6 reagierte heikel auf zu hohe Temperaturen. Damit wurde das Heck immer wuchtiger.

Die Aerodynamik funktionierte in einem zu kleinen Fenster, weil sie auf das hydraulisch vernetzte Fahrwerk zugeschnitten war, das den Lotus immer in Position gehalten hat. Wenn einer vom Fric-Verbot benachteiligt wurde, dann die Erfinder des Systems. Das Auto brauchte schnelle, flüssige Kurven. Stop and Go war Gift. Aber auch in der Aerodynamik steckt der Wurm. Sobald die Räder eingeschlagen waren, verlor das Auto bis zu 50 Prozent Abtrieb. Der Lotus E22 baute außerdem zu viel Luftwiderstand auf. "Deshalb mussten wir überall mit einem Minimum an Abtrieb fahren", regte sich Maldonado auf.

Säbelzahn-Nase doch keine gute Idee

Im Verlauf der Saison glaubten immer mehr Ingenieure im Team, dass die ungewöhnliche Säbelzahn-Nase eine Mitschuld an der Misere trug. Tenor: "Wenn du als einziger etwas anderes baust, dann ist es entweder extrem gut oder extrem schlecht. Da es nicht gut ist, kann es nur schlecht sein." Der nächstjährige Lotus wird deshalb ein konservatives Auto sein. Mit einem Mercedes-Motor im Heck macht das auch Sinn.

Dem E22 fehlte es auch an mechanischem Grip. "Das liegt zum Teil an der neuen Konstruktion der Pirelli-Reifen", glaubt Romain Grosjean. "Von den vier Reifentypen harmoniert nur einer mit unserem Auto, und das ist die Mischung soft", bestätigte Einsatzleiter Alan Permane. Schuld war aber auch das Fahrwerk. An der Vorderachse war ein Fehler eingebaut, der im Verlauf der Saison nicht korrigiert werden konnte.

Grosjean hat seinen ersten Frust überwunden. "Nach den Testfahrten und dem ersten Rennen in Australien war ich deprimiert. Die Windkanaldaten versprachen mir ein Siegerauto, und in Melbourne stand ich in der letzten Startreihe. Irgendwann habe ich mich mit der Situation abgefunden und habe versucht, das Beste aus ihr zu machen."

Jetzt winken den Fahrern Mercedes-Motoren für 2015. "Dadurch gewinnen wir gegenüber dem Renault 85 PS und 18 Kilogramm Gewicht", freut sich ein Ingenieur. Maldonado glaubt: "Das bringt uns automatisch eine halbe Sekunde. Das Ziel muss sein, 2015 auf Williams-Niveau zu fahren."

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