Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Der Zoff im Mercedes-Camp

Hamilton sieben Runden zu langsam

Rosberg & Hamilton - Formel 1 - GP China 2015 Foto: xpb 22 Bilder

Es hätte so ein schöner Doppelsieg von Mercedes sein können. Doch Lewis Hamilton und Nico Rosberg eröffneten nach dem GP China einen Nebenkriegsschauplatz, der tief in die Rennfahrerseele blicken ließ. Ob Absicht oder nicht: Hamilton fuhr sieben Runden lang deutlich zu langsam.

14.04.2015 Michael Schmidt

Auf der Strecke konnte Nico Rosberg seinem Teamkollegen Lewis Hamilton beim GP China nicht das Wasser reichen. Der Sieger kontrollierte sein Tempo und seine Gegner. "Lewis war hier einfach besser", urteilte Niki Lauda. Dafür eröffnete Rosberg nach dem Grand Prix das Feuer auf seinen Widersacher. Er warf ihm vor, absichtlich langsam gefahren zu sein, um ihn in die Fänge der Ferrari-Piloten zu treiben. Oder dieses Szenario aus Eigennutz zumindestens billigend in Kauf genommen zu haben.

Mercedes sah nur noch Gespenster

Hamilton gab natürlich sofort Kontra. Und hatte die Lacher auf seiner Seite. "Es ist nicht mein Job, auf Nico aufzupassen. Ich habe meine Reifen geschont, um für den Fall der Fälle gerüstet zu sein." Der Engländer gewann auch das Wortgefecht mit seinem Stallrivalen. "Ich hatte an der Spitze einen ruhigen Nachmittag. Es war fast ein bisschen langweilig. Wenn Nico im Rennen schneller hätte fahren können, warum hat er dann nicht überholt?" Antwort: "Weil du dir in Shanghai die Vorderreifen ruinierst, sobald du näher als eine Sekunde aufschließt."

Teamchef Toto Wolff zeigte Verständnis für beide Fahrer. Für den Frust des Unterlegenen und für die Angst von Hamilton, die weichen Reifen zu stark zu strapazieren und dann dafür wie in Malaysia zu bezahlen. Doch war diese Furcht wirklich berechtigt? Mercedes war trotz des eindeutigen Trainingssieges vom Verfolgungswahn geplagt. Die Strategen sahen 1.000 mögliche Fallen und hielten vor dem Start die längste Taktik-Besprechung der Teamgeschichte ab. "Sie dauerte eine geschlagene Stunde", amüsierte sich Wolff.

Die Angst ging um, dass Ferrari wieder seinen Reifenvorteil ausspielen könnte. Wolff bestätigte: "Räikkönens Longrun am Freitag auf den harten Reifen war besser als unserer. Und Ferrari hat erst 4 Runden später als wir auf den weichen Reifen Zeit im Vergleich zu den harten Gummis verloren." Die Strategen untermauerten das mit Zahlen. Bei Mercedes kam am Freitag der Einbruch ab Runde 10, bei Ferrari erst ab dem 14. Umlauf. Deshalb galt die Prämisse: Wir fahren soft-medium-medium.

Hamilton blieb vier Zehntel über Marschroute

Doch schon im ersten Stint zeigte sich, dass Mercedes auf den weichen Reifen trotz gestiegener Temperaturen Ferrari mindestens ebenbürtig war. Worauf spontan entschieden wurde, mit der Mischung "soft" weiterzufahren. Hamilton wechselte in der 14. Runde, Rosberg einen Umlauf später. "Lewis bekam gesagt, dass er mindestens bis Runde 31 aushalten muss, damit der letzte Stint nicht so lang wird", verrät Wolff.

Deshalb bummelte der Weltmeister. Das machte Sinn. Ob es aber gleich so extrem sein musste, wurde von Rosberg hinterfragt. Dadurch blieben ihm die Ferrari wie lästige Fliegen im Rückspiegel hängen. Hamilton berief sich darauf, dass er sein eigenes Rennen fahren müsse. Er müsse selbst entscheiden, was die Reifen hergeben, und was er ihnen zumuten könne.

Die Männer am Kommandostand waren damit nicht ganz einverstanden. Weil Hamilton gar nicht den Überblick hat, und weil er ohne Not zu viel des Guten tat. Als sich Rosberg in der 21. Runde über die gemächliche Gangart seines WM-Gegners beschwerte, bekam Hamilton umgehend den Befehl, das Tempo zu erhöhen und die Marschroute zu befolgen. Die Vorgabe  lag zunächst bei 1.43,7 Minuten pro Runde, wurde dann aber langsam gesteigert - auf 1:43,5 und 1:43,3 Minuten.

Hamilton hörte weg und blieb sieben Runden lang im Schnitt um vier Zehntel über dem vorgegebenen Plan. Bis ihm die Kommandobrücke drohte, Rosberg den früheren und damit besseren Boxenstopp zu geben. Prompt antwortete der Spitzenreiter mit Rundenzeiten von 1:43,239, 1:43,008 und 1:42,208 Minuten.  Das roch schon ein bisschen nach Provokation.

Warum Vettel drei WM-Punkte schenken?

Die Mercedes-Generäle hatten Angst, dass der Sieger mit seinen Spielchen Sebastian Vettel zum zweiten Platz verhelfen würde. "Es gibt Momente, da darf ein Fahrer nicht nur an sich denken, sondern muss das Teamergebnis im Auge halten." Deshalb wurde Rosberg gegen alle Regeln auch vor Hamilton zum zweiten Reifenwechsel an die Box geholt. Vettel hatte Mercedes mit seinem Risiko-Stopp in Runde 30 dazu gezwungen.

Wolff gab den Verschwörungstheoretikern zu bedenken: "Lewis hätte sich mit der Nummer ins eigene  Fleisch schneiden können. Wäre Nico näher an ihm dran gewesen, hätte er durch den späteren Boxenhalt vielleicht die Führung verloren." Wenn wirklich Absicht im Spiel war, dann hätte Hamilton auch ziemlich dumm gehandelt. Er hätte zwar einen psychologischen Sieg über Rosberg gefeiert, doch Vettel drei WM-Punkte geschenkt. Und es gibt nicht wenige, die glauben, dass der Ferrari-Pilot für Hamilton der gefährlichere WM-Gegner wird.

Was sagen Sie zu dem Mercedes-Stallduell? Schreiben Sie uns Ihre Meinung.

Umfrage
Wie sehen Sie die Hamilton-Handlungen beim GP China 2015?
Ergebnis anzeigen
Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden