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Deshalb gewann Lewis Hamilton

50:50 Chance im Regenpoker

Lewis Hamilton - Mercedes - GP England - Silverstone - Rennen - Sonntag - 5.7.2015 Foto: Wolfgang Wilhelm 63 Bilder

Lewis Hamilton war ganz besonders stolz auf seinen dritten Silverstone-Sieg. Weil er in der zweiten Regenphase den richtigen Riecher bewies. Aber es war auch viel Glück dabei, wie die Mercedes-Strategen erklärten. Der Sieger hätte auch Nico Rosberg heißen können.

05.07.2015 Michael Schmidt

Für Lewis Hamilton war es der dritte Sieg bei seinem neunten Start in Silverstone. 2008 gewann der Engländer sein Heimspiel in einem Wechselspiel zwischen Regen und Trocken. Im letzten Jahr, weil Nico Rosberg ein Getriebeschaden ereilte. Und diesmal standen die Zeichen gleich zwei Mal zugunsten von Rosberg. Im Training zauberte Hamilton nach einer Achterbahnfahrt mit der Fahrzeugabstimmung in letzter Minute die Pole Position aus dem Hut. Mit dem Rosberg-Setup.

Das Rennen teilte sich für Hamilton in vier Phasen ein. Die erste verbrachte er hinter den beiden Williams. Mercedes brachte ihn mit einem frühen Boxenstopp an Valtteri Bottas und Felipe Massa vorbei. In Teil zwei sah Hamilton wie der sichere Sieger aus. Rosberg war hinter den Williams eingeklemmt. Im dritten Akt des Dramas schwang das Pendel Richtung Rosberg um. Auf teilweise nasser Strecke holte der Deutsche mit Riesenschritten auf. Eine Runde mehr, und er wäre vorbeigekommen.

Dann kam der zweite Regen. Diesmal stärker. Hamilton pokerte mit einem Boxenstopp, und er zog die Trumpfkarte. Rosberg blieb draußen. Eine Runde zu lang. Der Abstand wuchs vom Sichtkontakt bis auf 9,1 Sekunden an. Das war die Vorentscheidung. Hatte Hamilton mit seiner Entscheidung das bessere Näschen? Einen Heimvorteil? Oder einfach nur Glück? Wir geben ihnen die Antworten.

Turbulenzen stören die Mercedes

Doch zuerst einmal zurück zu Phase eins. Die Williams waren für die Mercedes eine unüberwindbare Hürde. Obwohl die Silberpfeile auf freier Strecke eine halbe Sekunde schneller fahren konnten. DRS brachte weder Hamilton noch Rosberg einen Vorteil. Weil auch Valtteri Bottas seinen Heckflügel flach stellen konnte. Und in den schnellen Kurven von Silverstone kamen die Mercedes nie in den Windschatten der Williams. "Keine Chance, sie anzugreifen", bedauerte Hamilton. Das gleiche sagte Rosberg im zweiten Stint. Mercedes-Teamchef Toto Wolff resümierte. "In den Turbulenzen ist alles, was wir im Windkanal entwickeln, nichts mehr wert."

Damit war klar: Nur ein früher Boxenstopp konnte den Engländer an den beiden weißen Autos vor ihm vorbeibringen. Leichter gesagt, als getan. "Wir durften nicht zu früh reinkommen, weil wir sonst mit dem zweiten Satz über die Restdistanz gekommen wären. Die 19. Runde für Lewis war für uns eigentlich schon am Limit. Aber wir hatten nichts zu verlieren, nur Positionen zu gewinnen", gaben die Strategen zu bedenken. Hätte Williams dem vorgreifen sollen? "Das ist leichter gesagt als getan. Ihr Reifenverschleiß ist normalerweise etwas höher als unserer. Damit auch das Risiko größer, später Probleme mit den Reifen zu bekommen", warf Wolff ein.

Hamilton bezahlte für seine erste Runde

Ein perfekter Reifenwechsel in 2,4 Sekunden, ein schlechter von Felipe Massa mit 3,8 Sekunden, ein mittelprächtiger von Valtteri Bottas mit 3,2 Sekunden und eine unglaubliche erste Runde von Hamilton besiegelten den Führungswechsel. "Doch Lewis hätte dafür später fast bitter bezahlt", erklärte Strategiechef James Vowles. Pirelli-Reifen verzeihen nicht. In dieser erste Runde entschied sich ihr späteres Leben. Als der erste Regen kam, war die Gummischicht schon so weit runtergerubbelt, dass sich in den Vorderreifen keine Hitze mehr entwickelte. Damit fehlte der Grip.

Weil es nur im Bereich Luffield und Woodcote regnete, bat Mercedes seine Fahrer auf der Strecke zu bleiben. Das Risiko, zu früh seine Intermediates ins Feuer zu werfen und auf den trockenen Streckenteilen zu ruinieren, war zu groß. Trotz der Probleme, die Hamilton bremsten, war es besser abzuwarten.

Rosberg konnte seine Reifen hinter den Williams schonen. Als die Bahn abkühlte und stellenweise immer nasser wurde, brachte er noch Temperatur in seine Vorderreifen. Teilweise holte er zwei Sekunden pro Runde auf Hamilton auf. Am Ende des 43. Umlaufs konnte er Hamilton vor sich schon sehen. "Ich war voll auf Attacke und habe mich schon darauf gefreut, Lewis zu überholen."

Hamilton entschied sich für Boxenstopp

Dann kam die 43. Runde und mit ihr die zweite Regenwelle. "Unser Race Support in Brackley hat uns gewarnt: Hier schüttet es in Strömen", erzählte Wolff. Brackley liegt nur 15 Kilometer von Silverstone entfernt. Wieder brach der Regen nur partiell über Silverstone herein. Vom Streckenabschnitt Becketts bis zu den Boxen. Zwischen der Mercedes-Box und Hamilton entspann sich eifriger Funkverkehr. Die Box warnte seinen Fahrer: "Der Regen wird stärker." Der gab zurück: "Meine Reifen werden schlechter. Ich komme besser an die Box."

Die Kombination beider Informationen mündete in dem Funkspruch: "Okay. Wir sind bereit" Mercedes hätte vermutlich auch so entschieden, wenn Hamiltons Reifen noch in Ordnung gewesen wären. Einfach um die Taktik zu splitten. Damit stand für Rosberg die Entscheidung fest. Er musste auf der Strecke bleiben. "Ich musste etwas anderes tun, wenn ich gewinnen wollte. Und ich war mir sicher, dass ich richtig lag. Die Strecke war noch trocken genug für Slicks."

Rosberg fühlte sich bereits als Sieger. "Als Lewis in die Boxen abbog, habe ich gejubelt. Ich war mir sicher, dass ich das Ding jetzt gewinne. Da habe ich sogar noch gezweifelt, ob ich überhaupt reinkommen soll."  Bis auf der Hangar-Geraden der Regen die Fahrbahn überschwemmte "Ich konnte nicht mal mehr Vollgas fahren. In den letzten zwei Kurven vor der Boxeneinfahrt ist dann der ganze Vorsprung verloren gegangen", beschreibt Rosberg die entscheidenden Szenen. Der Kommandostand macht ihm keinen Vorwurf: "Es ging um 15 Sekunden. Kommt der Regen um diese Zeitspanne später, gewinnt Nico. Die Chance alles richtig oder falsch zu machen, stand bei 50 zu 50."

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