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Dicke Luft bei Red Bull

Verlorener Tag für Vettel

Sebastian Vettel - Red Bull - Formel 1 - Bahrain - Test - 1. März 2014 Foto: xpb 19 Bilder

Die Hoffnung währte nur kurz. Nachdem Daniel Ricciardo am Vortag mit 66 Runden einen Distanz-Rekord für Red Bull aufgestellt hatte und dazu die schnellste Runde aller Renault-Teams gefahren war, erlebte Sebastian Vettel das andere Extrem. Er kam 1,5 Kilometer weit. Dann beendete ein Batteriewechsel seinen Tag.

01.03.2014 Michael Schmidt

Da braucht es starke Nerven. Sebastian Vettel schaffte am vorletzten Testtag von Bahrain nur eine Runde. Genaugenommen waren es nur 1,5 Kilometer. Dann stellte sich sein Renault-Motor einfach tot. "Ein Elektronikproblem", meinte Vettel. Eine halbe Stunde später startete er seinen zweiten Versuch. Er kam noch nicht einmal bis ans Ende der Boxengasse. Wieder der gleiche Defekt.

Nach Konsultation mit Renault-Einsatzleiter Remi Taffin wurde entschieden, die Batterie zu tauschen. Vermutlich war ein Kurzschluss schuld. Das sollte zuerst drei Stunden dauern, dann vier. Schließlich wurde entschieden, den Tag vorzeitig zu beenden. Weil Red Bull ein Fehler bei der Startprozedur des Motors unterlief.

Filmtag beschert Red Bull 100 Kilometer zusätzlich

Vettels Testpensum ist so klein wie bei keinem anderen Fahrer im Feld. 11 Runden in Jerez, 72 in Bahrain. Macht in Summe 457 Kilometer an fünf Testtagen. Gerade mal eineinhalb Renndistanzen. Jetzt bleibt noch das Testfinale am Sonntag und ein Flimtag am Montag in Bahrain, an dem aber nur 100 Kilometer erlaubt sind. Doch Red Bull klammert sich an jeden Strohhalm. "Über Nacht kommen neue Teile. Deshalb schreibe ich den Test noch nicht ab", macht sich Vettel Hoffnung.
 
Die Wünsche des Weltmeisters sind vorerst bescheiden geworden: "Ich will in Melbourne die Zielflagge sehen." Den Hinweis, dass Daniel Ricciardo am Vortag 66 Runden und eine respektable Zeit von 1.35,743 Minuten geschafft hat, lässt Vettel nicht gelten: "Ich meine eine Renndistanz. Also Runden am Stück. Nicht in Portionen."

Ein Problem gelöst, und ein neues kommt hinzu

Im Weltmeister-Team brannte der Baum. Offensichtlich ist Red Bull von der Renault-Krise stärker betroffen als alle anderen Kunden des französischen Herstellers. Selbst das zweite Sorgenkind Lotus fährt trotz vier Testtagen Defizit wenigstens 30 Runden am Tag. Hat aber ähnliche Problemzonen. Der Auspuff, die Elektromaschinen, das Getriebe, das Umfeld des Turboladers. "Wir lösen ein Problem hier, und dort kommt ein neues hinzu", verzweifelt Teamchef Christian Horner.
 
Nachdem Besserung nur phasenweise in Sicht ist, ist der Titelverteidiger mit dem Vorbereitungsprogramm massiv im Rückstand. Wegen der Standfestigkeitsprobleme kam Red Bull weder zu einer Renndistanz, noch zu Startübungen. Boxenstopps übte man mit Mechanikern im Auto. Einige Leute im Team sprechen von 100 PS Defizit, andere von 20.
 
Auf die Frage, ob ein Aufschub der Homologationsfrist geholfen hätte, meint einer. "Da gibt es so viele Baustellen, dass auch zwei Monate mehr nicht ausgereicht hätten." Vettel hält das für übertrieben und zweitrangig: "Wir müssen erst einmal fahren. Dann können wir schauen, wo sonst noch Defizite sind."

Drei Projekte statt eines

Offenbar sind bei der Vorbereitung von Renault gravierende Fehler passiert. Motor, Elektromaschinen und Energiespeicher wurden von drei Projektgruppen statt von einer entwickelt. Der V6-Turbo von Renault und APC, die MGU-K und MGU-H von Renault, früheren Lotus-Ingenieuren und Magneti Marelli, die Batterien von Red Bull selbst. Da bekommt die Aussage von Einsatzleiter Remi Taffin eine neue Bedeutung, wenn er sagt: "Die einzelnen Bausteine funktionieren isoliert betrachtet gut. Nur die Kommunikation untereinander stimmt nicht."
 
Horner bezeichnet die Probleme als lösbar. Weil sie hauptsächlich die Software betreffen. "Der Motor ist mechanisch gesund. Und wenn alle Bausteine zusammenpassen, dann sind wir auch gut dabei. Wir wissen, dass wir ein schnelles Auto haben." Mercedes-Ingenieure bestätigen: "Nach unseren GPS-Messungen ist der Red Bull in den Kurven eine Bombe." Vettel mit Galgenhumor: "Wäre ja auch schlimm, wenn wir mit dem Auto auch noch Probleme hätten."

Prüfstände von Renault nicht realitätsnah

Die Probleme, die jetzt auf der Rennstrecke auftauchen, hätte man schon im Winter am Prüfstand ausprobieren müssen. Doch die Prüfstände in Viry-Chatillon stellen nicht die Wirklichkeit dar. "Da ist uns Mercedes haushoch überlegen" sagt einer von Red Bull. So können auf den Renault-Prüfständen weder der Auspuff in der Konfiguration wie im Auto, noch die Kühlung nachgestellt werden. Alle Tests liefen virtuell ab.
 
Noch ein Problem: Renault hat bei der Installation der Bausteine zu großzügige Angaben gemacht. Deshalb sind manche Komponenten an Stellen, wo es zu heiß wird oder zu stark vibriert. Der Red Bull RB10 ist nach guter alter Tradition ein Maßanzug. Das ist auch ein Grund, warum Toro Rosso am elften Testtag 81 und Caterham 113 Runden fahren können, während Red Bull steht. Da ist unter der Außenhaut mehr Platz.

Red Bull versorgt Renault-Kunden mit Batterien

Die Batterie, die am Samstag gewechselt wurde, entstand bei Red Bull Technology. Man hat sich in Milton Keynes das Wissen in der KERS-Zeit angeeignet. Red Bull fuhr im Gegensatz zu den anderen Renault-Kunden eigene Batterien. Jetzt benutzen Lotus, Toro Rosso und Caterham Red Bull-Produkte.
 
"Die Batterie ist unser geringstes Problem", winkt Technikchef Adrian Newey ab. Auch die anhaltenden Kühlprobleme machen dem Technikguru keine Sorgen. Erneut mussten unschöne Löcher in die Verkleidung geschnitten werden. "Das haben wir bis Melbourne im Griff", verspricht Newey und ärgert sich: "Wir haben ein gutes Auto, können es aber nicht zeigen."

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