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Die Dreamteams der Formel 1

Nur sieben Weltmeister-Doppel

Ayrton Senna Alain Prost McLaren 1988 Foto: Wolfgang Wilhelm 22 Bilder

Mit Fernando Alonso und Kimi Räikkönen fahren 2014 zwei Weltmeister für Ferrari. Ob Sie es glauben oder nicht. Die Paarung Champion gegen Champion gab es erst sieben Mal in der 64-jährigen Formel 1-Geschichte. Wir sagen Ihnen, was daraus wurde.

16.09.2013 Michael Schmidt

Ist es das neue Dreamteam der Formel 1? Oder wird Ferrari noch Albträume bekommen mit seiner neuen Fahrerpaarung? Fernando Alonso gegen Kimi Räikkönen. Ein zweifacher gegen einen einfachen Weltmeister. Für uns Zuschauer ein sportliches Highlight. Ob Ferrari damit froh wird, wissen wir erst in einem Jahr. Fahrerpaarungen wie diese bergen immer Zündstoff. Das hat die Geschichte schon oft gezeigt. Doch wie viel Geschichte hat diese Konstellation eigentlich?

Wir haben die 64 Jahre Formel 1 durchgeforstet und sind zu einem überraschenden Ergebnis gekommen. Weltmeister gegen Weltmeister in einem Team, das gab es bis jetzt nur sechs Mal. Hierzu eine kurze Anmerkung. Wir reden hier von zwei Fahrern, die zum Zeitpunkt ihrer Verpflichtung schon Weltmeister waren. Das Duo Niki Lauda und Alain Prost zählt deshalb nicht. Weil Prost 1984 noch keinen WM-Titel hatte. Auch Nelson Piquet gegen Nigel Mansell fällt in diese Kategorie. Wer also sind die glorreichen Sieben?

Alberto Ascari gegen Nino Farina

Ferrari hat sich als erstes Team auf ein Weltmeister-Doppel eingelassen. Es liegt lange zurück. 1953 fuhren Nino Farina, Champion von 1950, und der gerade amtierende Weltmeister Alberto Ascari gegeneinander. Farina war ein promovierter Wirtschaftswissenschaftler, aber auf der Strecke ein Eisenfuß. Juan-Manuel Fangio sagte einmal: "Der einzige, mit dem ich nicht gerne im Rad-an-Rad-Duell fahre."

Farina besuchte angeblich nie verletzte Kollegen im Krankenhaus. Er hielt sich auch grundsätzlich nicht an Stallregie. Ascari war ein Ästhet am Lenkrad. Der einzige, der es fahrerisch mit Fangio aufnehmen konnte. Ein Feingeist, auch wenn er so nicht aussah. Die beiden kontroversen Rivalen vertrugen sich ganz gut miteinander. Ascari war eine Klasse besser als der damals schon 46-jährige Rivale. Er gewann den Tiel erneut. Farina wurde mit 8,5 Punkten Rückstand Dritter.

Graham Hill gegen Jim Clark

In England war das die ganz große Nummer, die sich Colin Chapman für 1967 da ausgedacht hatte. Er spannte Graham Hill, den Weltmeister von 1962 mit Jim Clark, dem Titelträger von 1963 und 1964 zusammen. Zwei total gegensätzliche Charaktere. Hill der extrovertierte Spaßvogel, Clark der in sich gekehrte Bauernsohn. Hill, der harte Arbeiter und glänzende Entwicklungsfahrer. Clark, das Naturtalent.

Die beiden vertrugen sich. Clark war keiner, mit dem man sich anlegen konnte. Er strahlte die gleiche stoische Ruhe aus wie Kimi Räikkönen. Und er war der Ausnahmekönner seiner Zeit, was alle akzeptierten. Auch Hill. Clark gewann das Duell mit 41:15 nach Punkten und 4:0 nach Siegen. Scheinbar deutlich. Zu Hills Ehrenrettung: Er hätte auch einige Rennen gewinnen können, fiel aber zu oft aus.

Emerson Fittipaldi gegen Denis Hulme

Dieses Duell entfachte keine Emotionen. McLaren hatte Emerson Fittipaldi 1974 nach vier Jahren bei Lotus als Nummer eins verpflichtet. Er traf dort auf einen alternden Denis Hulme, der bei McLaren zum Inventar gehörte. Der Weltmeister von 1972 traf auf den Weltmeister von 1967. Beide waren sich insofern ähnlich, dass sie ihre Rennen eher mit Köpfchen und Abwarten als mit Attacke gewannen. Deshalb haben beide auch ihre Formel 1-Karriere überlebt.

Für Hulme war es die Abschiedssaison. Der "Bär", wie er genannt wurde, begann das Jahr zwar mit einem Überraschungssieg in Buenos Aires, verlegte sich dann aber aufs Punktesammeln. Emerson Fittipaldi holte für McLaren den ersten WM-Titel. Und zwar genau in dem Rennen, das Hulme vorzeitig in einem Helikopter mit den Worten verließ: "Stellt mir keine Fragen mehr. Ab heute bin ich Rentner."

Wer ganz genau in die Statistik schaut, wird einwerfen, dass Hulme 1970 bereits vier Rennen zusammen mit John Surtees bei McLaren fuhr. Streng genommen eine Weltmeister-Paarung. Allerdings war von vornherein klar, dass Surtees nur so lange einen McLaren fahren würde, bis sein Eigenbau fertig war. Das war beim GP England der Fall.

Alain Prost gegen Keke Rosberg

Alain Prost war starke Teamkollegen gewohnt. René Arnoux bei Renault, Niki Lauda bei McLaren. 1986 bekam er mit Keke Rosberg den Weltmeister von 1982 vorgesetzt. Prost selbst war in dem Jahr Titelverteidiger. Es war eigentlich die Saison der Williams-Piloten. Doch Nelson Piquet und Nigel Mansell nahmen sich gegenseitig Punkte weg. Und Prost profitierte davon.

Der Franzose hatte Rosberg meistens im Griff. Aus zwei Gründen. Erstens ging er sensibler mit dem Gasfuß um, was in Zeiten einer Verbrauchsformel eine echte Trumpfkarte war. Zweitens war der McLaren für seinen Fahrstil gebaut. Prost hat früh gebremst, weich eingelenkt und stand schon am Scheitelpunkt am Gas.

Rosberg war ein Spätbremser, immer quer, und ein Zauberer am Kurvenausgang. Trotz ihrer Gegensätze vertrugen sich beide. Rosberg lobte Prost als den besten Rennfahrer seiner Zeit. Prost verteidigte seinen Titel. Rosberg trat am Ende des Jahres zurück.

Ayrton Senna gegen Alain Prost

Alain Prost hatte McLaren-Chef Ron Dennis geraten Ayrton Senna für 1988 ins Team zu holen. Ein Jahr später verfluchte er diese Tat. 1989 fuhr Senna als Weltmeister gegen den zweifachen Champion Prost. Der war nach Sennas Titelgewinn 1988 nicht mehr uneingeschränkt Platzhirsch im Team. Nach einem gebrochenen Nichtangriffspakt beim Start in Imola kam es zum offenen Krieg.

Ron Dennis hatte Mühe, seine Stars unter Kontrolle zu halten. Es hagelte Boshaftigkeiten und verbale Attacken. Zwischendurch immer wieder halbherzige Entschuldigungen. Kaum war ein Scheinfriede verkündet, brach die Feindschaft erneut aus. Beim GP Japan kam es zum Eklat. Prost ließ Senna in die Falle laufen. Die McLaren-Fahrer kollidierten. Senna wurde angeschoben, fuhr weiter, gewann und verlor den Sieg am grünen Tisch. FIA-Präsident Jean-Marie Balestre machte seinen Freund Prost damit zum Weltmeister.

Senna witterte eine Verschwörung, schoss scharf auf den Verband und bekam eine Sperre und 100.000 Dollar Strafe angedroht. Prost verließ das Team Richtung Ferrari, doch die Feindseligkeiten gingen weiter. Ein Jahr später kanonierte Senna den Erzrivalen in Suzuka von der Strecke. Mit voller Absicht.

Lewis Hamilton gegen Jenson Button

Die englische Skandalpresse rieb sich die Hände. Ihr Darling Lewis Hamilton bekam es 2010 bei McLaren mit dem amtierenden Weltmeister Jenson Button zu tun. Viele wunderten sich über Buttons Mut. Der musste unfreundliche Schlagzeilen lesen wie: "Das ist Selbstmord." Doch die Kombination der beiden Engländer funktionierte. Weil Button seinem Landsmann keine Angriffsfläche bot. Er wusste, dass Hamilton auf eine Runde schneller war und ließ ihn gewähren.

Probleme hatte höchstens sein Gegner. Als Hamilton in Spa 2012 eine deutliche Trainingsniederlage kassierte, twitterte er die Telemetriedaten, um zu zeigen, dass der Unterschied nur an der unterschiedlichen Fahrzeugabstimmung lag. Buttons Stunde schlug im Rennen. In den komplizierten Rennen, die man lesen können muss. Nach Punkten gewann Button nach drei Jahren Vergleich mit 672:659. Hamilton lag nach Siegen mit 10:8 vorne. Also unentschieden.

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