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Die Entdeckungen der Formel 1-Saison 2014

Ricciardo von null auf 100

Ricciardo & Bottas - GP Spanien 2014 Foto: xpb 23 Bilder

Wer hätte gedacht, dass Daniel Ricciardo in seinem ersten Jahr bei Red Bull zwei Grand Prix gewinnt und Sebastian Vettel noch keinen? Wer hätte vorhergesagt, dass Valtteri Bottas regelmäßig auf das Podium fahren kann? Und wer hätte Daniil Kvyat ein solches Debütjahr zugetraut? Ricciardo, Bottas und Kvyat sind die Entdeckungen des Jahres.

16.08.2014 Michael Schmidt

Daniel Ricciardo konnte einem leid tun. Da kam einer nach zwei Jahren ToroRosso und einer halben Saison bei HRT ins Weltmeister-Team Red Bull und musste gleich gegen den vierfachen Champion Sebastian Vettel antreten. In seiner Vita standen vor Beginn der Saison 30 WM-Punkte. Sein bestes Resultat waren zwei siebte Plätze. Viele fürchteten, dass der 25-jährige Australier als Fallobst enden würde. Teamchef Christian Horner warnte seinen Neuzugang: "Die Flitterwochen bei Red Bull werden nicht lange dauern."

Elf Rennen später liegt Ricciardo auf Rang 3 der Fahrerwertung, hat zwei Siege und 131 Punkte auf dem Konto. Damit liegt er 43 Zähler vor Vettel, der immer noch auf seinen ersten Saisonsieg wartet. Im Trainingsduell steht es 7:4 für den Neuzugang. In den Rennen kam der Strahlemann aus Perth neun Mal vor seinem Teamkollegen ins Ziel. Zur Ehrenrettung von Vettel: Ricciardo wurde viel weniger von Defekten heimgesucht.

Ricciardo ein anderer Rennfahrer als vor einem Jahr

Ricciardo überzeugte aber nicht nur in den Zahlenspielen. Der frühere Toro Rosso-Pilot macht praktisch keine Fehler. Und er überrascht alle mit seiner Zweikampfstärke. Damit widerspricht er einer Einschätzung von Teamberater Helmut Marko, der Ricciardo im Vergleich mit seinem Ex-Teamkollegen Jean-Eric Vergne den höheren Speed, aber auch geringere Zweikampfstärke attestierte. Ricciardos Überholmanöver gegen Sergio Perez in Montreal, gegen Fernando Alonso und Lewis Hamilton am Hungaroring waren Extraklasse.

Ricciardo beginnt sich mittlerweile an seine neue Rolle zu gewöhnen. "Den zweiten Sieg konnte ich besser auskosten als den ersten. Weil ich wusste, was auf mich zukommen würde." Red Bulls neuer Superstar gibt auch zu: "Ich bin heute ein anderer Rennfahrer und ein anderer Mensch als noch vor einem Jahr. Ich glaube viel mehr an mich selbst, und das ist cool. Ich weiß jetzt, dass ich in dieses Team gehöre." Vettels Näherrücken hat der Aussie schon bemerkt: "Ich habe immer gewusst, dass Seb früher oder später mich herausfordern wird. Er ist nicht umsonst vierfacher Weltmeister."

Bottas muss sich nur einen Fehler ankreiden

Wie Daniel Ricciardo ist auch Valtteri Bottas kein echter Neuling. Der 24-jährige Finne hat bereits ein Lehrjahr bei Williams hinter sich. Es war eine Saison, die prägte. Williams ging 2013 durch ein Tief. Kein idealer Ort für eine Premierensaison. Erst im vorletzten Rennen schaffte Bottas den Sprung in die Punkteränge. Er wurde beim GP der USA Achter. Auch für ihn sollte 2014 die Stunde der Wahrheit schlagen. Mit Felipe Massa hat er einen Teamkollegen, gegen den er nicht verlieren darf. Massa zählt nach sechs Jahren ohne Sieg nicht mehr zu der Kategorie potenzieller Weltmeister.

Der Brasilianer hätte Bottas beerdigen können. Weil Williams für Massa ein Neubeginn ist. Endlich trat er aus dem Schatten von Fernando Alonso. Um gleich in einen neuen einzutauchen. Bottas liegt mit 95 Punkten auf Rang 5 des Gesamtklassements. Massa ist Neunter mit 40 Zählern. Im Trainingsduell steht es 7:4 für den Skandinavier. Sieben Mal sah Bottas vor Massa die Zielflagge. Der vierschrötige Blondschopf muss sich nur einen gravierenden Fehler ankreiden. Den Mauerkuss von Melbourne. Massa war insgesamt vier Mal in Unfälle verwickelt. Dem Vize-Weltmeister von 2008 klebte aber auch mehr Pech an den Fersen. Strategiefehler und verpatzte Boxenstopps trafen meistens ihn.

Bottas wie der Alonso von 2003

Auch Bottas geht mit viel breiterer Brust in die Rennen als im letzten Jahr. "Ich habe ein Auto, von dem ich weiß, dass ich damit auf das Podium fahren kann. Im letzten Jahr waren Punkte ein kleines Wunder." In Finnland beginnt er bereits am Heiligenschein von Kimi Räikkönen zu kratzen.

Der Schützling von Mercedes-Chef Toto Wolff genießt die neue Aufmerksamkeit. "Ich muss meine Ziele neu definieren. Unser Ziel sind jetzt Red Bull und Ferrari." Auch Bottas redet seinen teaminternen Gegner stark: "Felipe hat viel Pech gehabt. Das Blatt wird sich wenden, weil es selten ist, dass ein Fahrer eine ganze Saison lang eine Pechsträhne hat."

Hinter Bottas werden spätestens nächstes Jahr die Hälfte aller Formel 1-Teams her sein. Es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn Williams die Option auf sein Juwel nicht einlöst. Zumal Technikchef Pat Symonds erklärt: "Valtteri erinnert mich an den Alonso von 2003."

Daniil Kvyat ist unverkäuflich. Er gehört zur Red Bull-Familie. Bei dem Russen aus Ufa sollte es nur eine Frage der Zeit sein, wann er den Aufstieg ins Senior-Team schafft. Doch gerade das könnte für Kvyat das größte Problem werden. Sollte Vettel über das Jahr 2015 hinaus verlängern, ist Red Bull mittelfristig dicht.

Tost sieht Parallelen zum jungen Vettel

Kvyat ist einer von drei Neulingen im Geschäft. Und keiner hat seine Sache so gut gemacht wie der amtierende GP3-Meister. Gemessen an seinem Alter und seiner Motorsport-Erfahrung. Als der Russe in Melbourne auf Anhieb auf Platz 9 fuhr, war er 19 Jahre und 324 Tage alt und damit der jüngste Formel 1-Pilot, der je WM-Punkte holte. Die beiden anderen Newcomer Kevin Magnussen und Marcus Ericsson kamen wesentlich besser vorbereitet in die Formel 1.

Kvyats Bilanz gegen Teamkollege Vergne liest sich nicht schlecht. Im Trainingsduell führt der Franzose, der immerhin schon seine dritte volle Formel 1-Saison fährt, knapp mit 6:5. Nach Punkten steht es 11:6 für Vergne. Die hohe Ausfallquote verhinderte mehr Punkte für Red Bulls-Junioren. Die Fehlerquote ist erstaunlich gering für den mittlerweile 20-Jährigen.

Teamchef Franz Tost sieht sogar Parallelen zum jungen Sebastian Vettel: "Daniil hat die DNA eines Siegers. Er hat einen unheimlich hohen Grundspeed, er ist an der technischen Seite des Sports sehr interessiert, stellt die richtigen Fragen, ist diszipliniert und hat die Fähigkeit aus eigenem Antrieb sich zu verbessern."

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