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Die Farce bei Ferrari

"Ich weiß nicht, ob er kommt"

Marco Mattiacci - Ferrari - GP China 2014 Foto: xpb 92 Bilder

Ferrari schickt einen neuen Rennleiter in die Schlacht. Marco Mattiacci war noch nicht vor Ort, da machte sich im Fahrerlager bereits Kritik und Unverständnis über Ferraris Panikreaktion breit. Fernando Alonso brachte am Donnerstag die Planlosigkeit in Maranello auf den Punkt: "Ich weiß nicht mal, ob er nach China kommt."

18.04.2014 Michael Schmidt

Die Formel 1-Welt suchte den neuen Ferrari-Rennleiter vergeblich. Bei jedem unbekannten Gesicht in roter Teamuniform fragte man sich unwillkürlich: "Ist das Marco Mattiacci?" Der neue Capo in Maranello ist so unbekannt wie seine Vita. Man muss sie googeln. Das hat offenbar auch Star-Pilot Fernando Alonso getan. "Ich habe gehört, dass er früher in China Autos verkauft hat."

Was genau hinter den Kulissen des berühmtesten Rennstalls der Formel 1 passiert, scheint auch Alonso nicht ganz klar zu sein. Dabei erzählen böse Zungen, der Spanier sei der wahre Chef im Haus. "Ich habe bis jetzt noch nicht mit ihm gesprochen. Ich weiß nicht einmal, ob er nach China kommt. Ich gehe aber davon aus. Das wäre eine gute Gelegenheit, ihn willkommen zu heißen. Viel mehr kann ich nicht sagen. Ich fahre das Auto. Er wird hoffentlich gut genug sein, die Stärken und Schwächen des Teams zu erkennen, und sie abzustellen. Kimis Beitrag und meiner kann nur sein, das Auto so schnell zu fahren wie möglich."

Alonso lobt Domenicali

Zwischen den Zeilen liest man das Unbehagen des Chefpiloten. Ein herzliches Willkommen sieht anders aus. Stattdessen lobt Alonso die Verdienste von Vorgänger Stefano Domenicali: "Er ist ein guter Typ und ein enger Freund. Wir sind an jedem ersten Januar in den italienischen Alpen zum Skifahren gegangen. Wir haben jede Woche miteinander gesprochen, und ich denke, dass wir das weiter tun werden, weil wir über all die Jahre so eng zusammengearbeitet haben."

"Stefano hat als Teamchef viele gute Entscheidungen getroffen. Ferrari hat 2008, 2010 und 2012 drei Titel-Chancen knapp verpasst. Mit etwas mehr Glück hätte er jetzt drei WM-Titel in der Tasche. Er hat Pat Fry gebracht, James Allison und Kimi Räikkönen. Ich glaube, er hat all das gemacht, was von ihm verlangt wurde. Leider zählen in diesem Sport nur die Resultate, und der Druck auf ihn war riesig. Deshalb haben wir seine Entscheidung zu respektieren. Er hat sie für Ferrari getroffen."

Zu viel Druck und zu wenig Rückendeckung für Domenicali

Ferrari fällt in alte schlechte Zeiten zurück. Als die Teamchefs und Technikdirektoren auf einem Schleudersitz saßen. Auch wenn Domenicali offiziell selbst die Reißleine gezogen hat, war es doch ein Rauswurf. Kein Teamchef verlässt freiwillig das Schiff nach drei Rennen, erst recht nicht, wenn es sinkt. Das ist nicht Domenicalis Art. Der interne Druck wurde so groß, dass ihm nur diese Entscheidung blieb.

Ein Druck, den auch Präsident Luca di Montezemolo ausgeübt hat. Nach der Pleite von Bahrain musste ein Bauernopfer her. Um von den eigenen Pannen abzulenken. Ferrari zählte zu den Teams, die das neue Motorenreglement forciert haben. Wegen Ferrari hat sich die FIA breitschlagen lassen, den Reihen-Vierzylinder durch einen V6-Motor zu ersetzen.

Domenicali musste jahrelang für seinen Präsidenten Politik im Sinne der Firma betreiben. Nur um vor dem GP Bahrain aus dem Mund des Präsidenten zu erfahren, dass alles Mist ist. In so einem Moment wünscht man sich von ganz oben mehr Rückendeckung.

Es musste ein Kopf rollen

Dummerweise wurde Montezemolos Kritik an der neuen Formel 1 durch eines der spannendsten Rennen der letzten Jahre widerlegt. Und dummerweise spielte Ferrari bei der Vergabe der großen Punkte keine Rolle. Da musste ein Kopf rollen, nur um von den Tatsachen abzulenken. Und die sagen ganz einfach, dass Ferrari einen schlechteren Motor als Mercedes gebaut hat. Nicht mehr und nicht weniger.

In den Jahren zuvor war die Aerodynamik der wunde Punkt. Deshalb sieht Alonso auch wenig Hoffnung, dass ein neuer Mann an der Spitze daran viel ändern kann: "Stefano hat nicht den Front- oder Heckflügel mit seinen eigenen Händen gebaut. Deshalb können wir nicht erwarten, dass gleich alles besser wird. Wir müssen dem neuen Mann die Zeit geben sich einzufügen. Es ist zu früh zu sagen, ob diese Entscheidung gut oder schlecht war. Wir können ihm nur helfen und ihm das Gefühl geben, sich von Tag eins an wohlzufühlen."

Fiat setzt Ferrari Mattiacci ins Nest

Im Fahrerlager fragt man sich, wie Ferrari einen Mann nominieren konnte, der keinerlei Vergangenheit im Motorsport vorweisen kann. Man erzählt sich, dass der 43-jährige Römer ein Mann sei, der Karriere machen will. Und der nicht die erste Wahl von Luca di Montezemolo war. Mattiacci soll von den Fiat-Bossen John Elkann und Sergio Marchionne in das Ferrari-Nest gesetzt worden sein. Um Montezemolo zu ärgern. Mit dem legt die Fiat-Spitze derzeit im Clinch.

Montezemolo ließ in einem ersten Statement wissen, dass er dem neuen Capo alle erdenkliche Hilfe zukommen lassen und sich selbst wieder mehr engagieren wolle. Man kann diese Aussage in zwei Richtungen deuten. Erstens: Montezemolo will allen weißmachen, dass der neue Mann seine Entscheidung war. Zweitens: Er traut dem Fiat-Zögling nicht viel zu, und will nun selbst mehr das Heft in die Hand nehmen. Eine Stimme aus dem Fahrerlager: "Etwas Schlimmeres hätte Ferrari gar nicht passieren können. Das ist ein Rückfall in die alte Hire-und Fire-Mentalität."

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