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Formel 1 ist zu teuer

112 Millionen Euro zum Überleben

Lotus - Formel 1 - GP England  - Silverstone - 4. Juli 2014 Foto: ams 83 Bilder

Nach dem Aufstand der kleinen Teams gegen die großen gehen die Diskussionen im Fahrerlager weiter. Lotus, Force India und Sauber versuchen den Druck auf Bernie Ecclestone, die FIA und die Top-Teams weiter aufrechtzuhalten. Sie argumentieren mit interessanten Zahlen.

02.11.2014 Michael Schmidt

Der Schuss war noch nicht laut genug. Das Fehlen von Caterham und Marussia hinterließ bei den großen Teams keine ernsthafte Spuren. Statt sich zu überlegen, wie die Krise der Königsklasse zu lösen ist, lenken die Drahtzieher vom Thema ab. Bernie Ecclestone beklagte sich erneut über den lauen Sound der Motoren, bevor er schließlich am Samstagnachmittag zu Krisensitzung bat und Alarm schlug. Mercedes, Ferrari und Renault streiten sich weiter um die Regeln für die Motorenentwicklung. Die Top-Teams entwickeln bereits Szenarien für ein drittes Auto. Es hat ganz offensichtlich immer noch nicht geklingelt.

Doch diesmal werden sich die Drahtzieher nicht damit retten, vom eigentlichen Thema abzulenken. Lotus, Force India und Sauber lassen nicht mehr locker. Es ist die goldene Gelegenheit, etwas am System Formel 1 zu ändern. Das Mittelfeld versucht FIA-Präsident Jean Todt mit in sein Boot zu ziehen. Der Franzose ist jetzt gezwungen zu handeln. Die Statuten lassen das zu, weil die FIA den Auftrag hat, für einen fairen Wettbewerb zu sorgen. Doch ist der Wettbewerb fair, wenn Ferrari für Platz 3 in der letztjährigen WM 171 Millionen Dollar bekommt und Lotus für Rang 4 nur 65 Millionen?

208 Millionen Euro zu wenig zum Gewinnen

Gerard Lopez, Vijay Mallya und Monisha Kaltenborn haben in Austin erstmals mit klaren Worten ihren Unmut über die Ignoranz der Herrschenden in dem Zirkus ausgedrückt. Und die Kampagne geht weiter. "Wir lassen sie nicht mehr von Haken", sagt Lopez. Der Besitzer von Lotus erklärt, was die Formel 1 wirklich kostet: "Du brauchst 70 Millionen Pfund zum Überleben, 100 Millionen um im Mittelfeld mitzufahren, über 200 Millionen um zu gewinnen." Das sind in Euro umgerechnet: 112 Millionen, 150 Millionen, 300 Millionen.

Lotus budgetiert mit 130 Millionen Pfund (208 Millionen Euro) und beschäftigt 476 Angestellte. Die Ingenieure lieferten in diesem Jahr 22 Ausbaustufen. Trotzdem hat Lotus keine Chance mehr zu gewinnen. Auch dann nicht, wenn das Auto kein Flop gewesen wäre. Das allein erklärt den Wahnsinn Formel 1. Die Formel 1-Rebellen haben auch einen Plan, wie man das Koordinatensystem wieder so einrichtet, dass elf Teams überleben können. Durch eine Kombination aus gerechterer Auszahlung und Ressourcenbeschränkungen.

Nur wer sparen will, bekommt Entwicklungszuschuss

Neben Windkanalzeit und Computerkapazitäten sollen zum Beispiel auch die Anzahl der Upgrades pro Jahr limitiert werden. Und der Preis für die Motoren muss runter. Die Top-Teams können bei diesem System weiter so viel Geld ausgeben wie sie wollen. "Wenn ein Team doppelt so viele Ingenieure hat, ist die Chance größer, dass auch bei einer begrenzten Anzahl von Upgrades etwas Besseres dabei herauskommt", sagt Lopez.

Auch auf der Einnahmenseite haben die drei Musketiere Vorschläge. Jedes Team soll zunächst von Ecclestone die Summe bekommen, die es zum Überleben braucht. Wer dann die Ressourcenbeschränkung unterschreibt, streicht einen zusätzlichen Entwicklungszuschuss von 20 Millionen Dollar ein. Die Teams, die sich nicht daran halten wollen, bekommen nichts. Das Establishment wird sich auf seiner Vogel-Strauss-Haltung ncht ausruhen können. Wenn der Leidensdruck am Ende des Feldes groß genug ist, könnte einer der Verzweifelten den aktuellen Auszahlungsmodus vor einem EU-Gericht anfechten. Er hält nämlich keinem Wettbewerbsgesetz stand.

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