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Die große Start-Diskussion

Gibt es in Spa Pannenstarts?

Start - Formel 1 - GP Österreich 2015 Foto: xpb 102 Bilder

Beim GP Belgien haben die Regeln der Perfektionswut der Ingenieure beim Start Grenzen gesetzt. Der Druckpunkt der Kupplung darf ab der Boxenausfahrt nicht mehr verändert werden. Anweisungen per Funk sind untersagt. Die Fahrer glauben, dass die Suppe nicht so heiß gelöffelt wird, wie sie gekocht wurde.

21.08.2015 Michael Schmidt

Es ist die Frage aller Fragen: Gibt es am Sonntag Pannenstarts? Die FIA legt den Ingenieuren eine Zwangsjacke an. Wenn das Auto am Sonntag die Boxengasse verlässt, darf der Druckpunkt der Kupplung nicht mehr verändert werden. Und die Ingenieure dürfen ihren Fahrern am Funk auch keine Anweisungen mehr geben, wie sie darauf reagieren müssen.

Die Schwarzseher prophezeien der Formel 1 Chaos beim Start. Das sehen die Fahrer anders. Nico Hülkenberg glaubt nicht, dass sich deshalb alles auf den Kopf stellt: "Es wird wie bisher gute und schlechte Starts geben. Der Unterschied ist, dass wir am Sonntag mit dem leben müssen, was man uns gibt. Für mich ändert sich wenig. Ich habe weniger Arbeit. Ich muss den Druckpunkt auf dem Weg zum Start nicht mehr ändern, weil ich ihn nicht mehr ändern darf."

Sebastian Vettel versteht die ganze Aufregung nicht: "Ich frage mich, warum wir das ganze Spiel überhaupt machen. Vielleicht wird es hier in Spa und beim nächsten Rennen ein bisschen mehr Chaos beim Start geben, aber dann spielt sich alles wieder ein. Ab dann wird es wie immer sein." Jenson Button juxt: "Was sich ändert? Du weißt jetzt vor dem Rennen, ob du einen guten oder schlechten Start haben wirst."

Fahrer kann am Start kaum gegensteuern

Fernando Alonso hält die Angst vor schlechten Starts als Folge der neuen Regeln für übertrieben: "Wir haben in der Formationsrunde nur noch Feintuning betrieben. Und über das Kupplungsthema wurde am Funk kaum geredet."

Nico Rosberg fügt hinzu: "Am Funk wird immer noch viel gesprochen. Die Bremsen und Reifen müssen auf Temperatur gebracht werden. Der Motor darf dagegen nicht überhitzen. Das Kupplungsthema fällt weg. Ich habe das extra im Simulator geübt. Einführungsrunden am Simulator - das war ehrlich gesagt nicht besonders spannend."

Der Unterschied zu früher ist, dass die Fahrer nun ihrem Schicksal überlassen sind. "Der Druckpunkt hat ja nie zu 100 Prozent gepasst. Deshalb haben wir vor dem Start noch Feintuning betrieben. Das ist jetzt nicht mehr möglich. Du weißt jetzt, ob die Kupplung zu scharf oder zu lasch einrückt. In einem Fall werden die Räder zu stark durchdrehen, im anderen Fall hast du zu wenig Vortrieb", erklärt Hülkenberg.

Felipe Massa fügt hinzu: "Wenn der Druckpunkt nicht stimmt, wirst du auf den ersten Metern schlechter wegkommen. Die Frage ist, wie viel wir dann mit dem zweiten Kupplungshebel korrigieren können. Ich glaube, dass wir erst die Erfahrung machen müssen, um das zu beurteilen." Das sieht auch Hülkenberg so: "Ein bisschen kannst du mit dem zweiten Kupplungshebel und dem Gaspedal gegensteuern. Aber die Möglichkeiten sind begrenzt."

Lotus-Chefingenieur Alan Permane bestätigt: "Der Fahrer kann nur marginal gegensteuern. Wenn er weniger Gas oder mehr Kupplungsschlupf mit dem rechten Pedal gibt, rächt sich das später im Beschleunigungsvorgang. Die aktuelle Technik ist zu kompliziert, als dass es der Fahrer in der Hand hätte. Erst, wenn wir wie im nächsten Jahr nur noch ein Kupplungspedal haben, wird der Fahrer beim Start wieder die Hauptrolle spielen."

Fahrer-Coaching in der Startaufstellung

Für die Ingenieure ist das nicht genug. Obwohl ihnen untersagt ist, ihre Fahrer auf dem Weg in die Startaufstellung per Funk zu coachen, überlegen sie schon wieder, wie sie das umgehen können. Spitzfindige haben herausgefunden, dass das Funkverbot für die Boxendurchfahrt nicht gilt, weil die Boxengasse nicht Rennstrecke ist.

Deshalb werden wir auf den Runden in die Startaufstellung viele Anweisungen zum Thema Kupplungsdruckpunkt auf den 387 Metern durch die Boxengasse hören. Mercedes-Teammanager Ron Meadows warnt aber: "Wegen des hohen Spritverbrauchs können nicht zu viele Runden durch die Boxengasse drehen."

Dann gibt es natürlich auch noch die Möglichkeit, mit den Fahrern zu reden, wenn sie in der Startaufstellung ihre Autos verlassen. Aber auch diese Zeit ist begrenzt, weil die Fahrer TV-Interviews geben und sich für die Nationalhymne am Startplatz einfinden müssen.

Hülkenberg sieht im gestoppten Informationsfluss kein Problem: Ich merke ja selber, ob der Druckpunkt nicht stimmt. Bis jetzt habe ich mir beim Ingenieur nur eine Rückversicherung geholt. Wenn ich den Druckpunkt sowieso nicht verschieben darf, brauche ich auch keine Information." Button liefert wieder die Pointe: "Früher hat mich der Ingenieur 10 Sekunden vor dem Start daran erinnert, was ich zu tun habe. Jetzt muss ich es mir 10 Minuten lang merken."

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