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Mercedes GP

Die Leiden des Michael Schumacher

Michael Schumacher und Sebastian Vettel Foto: Daniel Reinhard 37 Bilder

Für Michael Schumacher war es ein Akt der Demütigung. Vitantonio Liuzzi und Adrian Sutil überholten den siebenfachen Weltmeister auf den letzten zwei Kilometern und raubten ihm zwei WM-Punkte. Schumacher bezahlte im Finale für eine Kollision, die bereits 58 Runden zurücklag.

15.06.2010 Michael Schmidt

Es war ein turbulenter GP Kanada für Michael Schumacher mit einem enttäuschenden Beginn und einem unbefriedigendem Ausgang. Wer sieben Mal in Montreal gewonnen hat, kann mit dem 13. Startplatz nicht zufrieden sein. Am Ende gab es für den elften Platz nicht einmal einen WM-Punkt. Dafür pflasterten Kollisionen und Zweikämpfe des Weg des Mannes, der bei 16 Starts in Montreal insgesamt 106 WM-Zähler gesammelt hat.

Montreal war nicht das ideale Terrain für Schumacher. Der Kurs bietet nur Geraden, Schikanen und Spitzkehren. Exakt der Kurventyp, mit dem der deutsche Superstar auf Kriegsfuß steht, seit er in den GP-Zirkus zurückgekehrt ist. Wer da die Reifen nicht zum Arbeiten bringt, ist in den langsamen Kurven, wo so viel am mechanischen Grip hängt, verloren.

Silberpfeil reagiert sensibel auf Reifen

Die Reifen sind bei Mercedes die große Unbekannte. Montreal bot in dieser Beziehung viele Fallen. Ein Asphalt mit wenig Grip. Starke Temperaturschwankungen. Kritische Reifentypen. Kein Auto reagiert so sensibel darauf wie der Mercedes. In den Momenten, in denen alles passte, war Schumacher bei der Musik. Fiel er aus dem Fenster heraus, in dem die Reifen optimal haften, stand er nirgendwo. Dann hat er tendenziell auch mehr Probleme auf Speed zu kommen als Teamkollege Nico Rosberg. Was sich im Trainingsresultat wiederspiegelt.

Das Rennen ließ sich gut an für Schumacher. Wieder einmal legte der Altmeister einen exzellenten Start auf die Bahn. Der 13. der Startaufstellung war nach zwei Kurven Achter. Unter dem Strich ist Schumacher der beste Starter im Feld. Fast in jedem Grand Prix machte er auf den ersten Metern Plätze gut.

Mercedes rätselt über gute Rennpace

Es ging zunächst auch gut weiter für den 257-fachen GP-Teilnehmer. Plötzlich funktionierten die Reifen wieder. Ob es an der Hitze oder dem hohen Startgewicht lag, darüber wird im Camp von Mercedes weiter gerätselt. Vermutlich an beidem. Das hohe Gewicht bringt den Reifen zum Walken, er kann sich von innen erwärmen. Asphalttemperaturen von bis zu 39 Grad waren ein Extrabonus.

Nach neun Runden tauchte Schumacher auf Platz drei auf. Im Gegensatz zu den anderen Piloten mit harten Reifen hatte er seine Sohlen in der Startphase geschont. Er konnte angreifen als die anderen bereits erste Anzeichen von Körnen spürten. Bis ihm Robert Kubica in die Quere kam. Das Duell Mercedes gegen Renault ging unentschieden aus. Man traf sich im Gras.

Schumacher nach Reifenschaden chancenlos

Kubica fuhr mit beschädigten Frontflügel weiter, Schumacher beklagte einen Reifenschaden rechts vorne. "Damit war mein Rennen gelaufen. Unsere gute Strategie ging nicht mehr auf." Der Extra-Boxenstopp kostete ihn 19 Sekunden. Und er bestimmte den Zeitpunkt der restlichen Boxenstopps.

Der Rest des Rennens konnte nur noch Schadensbegrenzung sein. Vorne war der Zug abgefahren. Schumacher schlug sich mit Toro Rossos, Force Indias und seinem alten Kumpel Felipe Massa herum. Ab der 33. Runde auch noch mit einem Handikap. Der Mercedes-Pilot musste 37 Runden lang mit seinem weichen Reifensatz durchhalten. Länger als jeder andere im Feld. Am Ende kämpfte er mit dem Rücken zur Wand. Mangels Grip musste Schumacher früher bremsen und konnte später auf Gas. Auf einer Strecke wie in Montreal sind solche Probleme das Todesurteil. Dass er in der letzten Runde innerhalb von fünf Kurven gleich zwei Plätze verlor, ist ihm in seiner langen Karriere vermutlich noch nie passiert.

Schumacher als Vorbild für neue F1-Generation

Früher hätte er vielleicht noch das ein oder andere Duell gewonnen, doch die Zeiten haben sich geändert. Schumachers berühmte Härte im Zweikampf wird heute mit gleichen Mitteln beantwortet. Kubica gab dem Heimkehrer einen Vorgeschmack. Nach dem Motto: Wenn du mich ins Gras schickst, kommst du mit mir ins Gras. Auch Sebastien Buemi, Jaime Alguersuari, Vitantonio Liuzzi und Adrian Sutil zeigten keinen Respekt.

Früher war der signalrote Helm für viele Fahrer das Zeichen zur Seite zu rücken. Heute ist er Motivation, erst recht Widerstand zu leisten. Dem Rekordsieger weht der Wind schärfer ins Gesicht, weil er auf andere Gegner trifft als in der ersten Phase seiner Karriere. "Heute ist die dritte Kart-Generation unterwegs", analysiert Schumacher-Kenner Franz Tost. "Die sind genauso fit, genauso gut ausgebildet und genauso fokussiert auf den Job wie Michael." Wen wundert es? Schumacher war ihr Vorbild.

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