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Die neuen Fahrerlager-Paläste

Foto: Wolfgang Wilhelm 6 Bilder

Klotzen, nicht kleckern lautet die Devise im Fahrerlager. Das, was Ende der Siebziger Jahre Einzug in die Formel 1 hielt und jahrelang unter dem heute geradezu als spartanischen Begriff "Motorhome“ verstanden wurde, sind nunmehr wahre Hospitality-Burgen.

21.04.2006

Selbst finanzschwache Formel 1-Hinterbänkler wie das Midland-Team lassen sich beim wichtigen Auftritt hinter den Boxen nicht lumpen: mehrgeschossige Bauten sind Pflicht. Und mancher Rennstall erweckt den Eindruck, er wolle einen Architekturwettbewerb gewinnen. "So schlecht kann es der Formel 1 nicht gehen, wenn solche Bauten realisiert werden“, betont ein Beobachter. Einzig das neue Team Super Aguri sowie die Reifenhersteller Michelin und Bridgestone geben sich noch eingeschossig bescheiden.

Ganz anders hingegen die neuen Zeltstädte von Red Bull und BMW: Beide Teams haben mit ihren neuen Fluchtburgen neue Maßstäbe gesetzt. "Endlich mal ein Büro, in dem ich auch stehen kann“, scherzt BMW-Pressemann Jörg Kottmeier. Der 2,04 Meter-Hüne ließe angesichts seiner jeden im Fahrerlager überragenden Körpergröße den Schluss zu: Bei BMW könnte demnächst ein Indoor-Basketball-Turnier austragen werden. Gäbe es da nicht die zentral platzierte, lauschige Bar mit 16 Metern Frontfläche mittendrin.

400 Quadratmeter Grundfläche besetzt BMW. "Das ist auch nicht mehr, als den anderen Teams an Platz zur Verfügung steht“, stapelt BMW-Marketing-Mann Guido Stalmann tief. Was BMW so voluminös erscheinen lässt, ist das 8,20 Meter hohe Zeltdach. Auch deswegen hat die BMW-Hospitality ihren ersten Spitznamen weg: "Der Superdome". Eine andere Assoziation als Basketball hat Red Bull-Fahrer Christian Klien: "Damit würde BMW auch auf dem Münchner Oktoberfest einen guten Eindruck machen.“

Gefahr, sich zu verlaufen

Zwölf Mann schuften 36 Stunden, um den neuen Fahrerlager-Tempel aufzubauen, der außen wie innen so strahlend weiß ist, dass bei Sonnenschein eigentlich Gletscherbrillen ausgeteilt werden müssten. Sieben LKW transportieren die Aufbauten von Rennen zu Rennen, zu denen auch 37 randlose Plasmabildschirme gehören.

Einziges Haar in der Suppe in Imola ist der unmittelbare Nachbar. Beim Midland-Team kam der Aufbautrupp mit der neuen Hospitality – vorrangige Designmerkmale: grauer Stahl, dunkelgetöntes Plexiglas, schachtelige Aufbauten, aber schöne Sonnenterrasse – mit dem Aufbau in Verzug. "Unsere Hospi ist so neu, wir hatten vorher keine Möglichkeit für einen Probeaufbau“, versucht ein nass geschwitzter Messebauer zu entschuldigen.

Was BMW errichtet hat, ist aber doch noch gar nichts gegen das, was Red Bull aufstellt. Im Vorjahr hat der Softdrink-Gigant aus Österreich erstmals seine so genannte Energy-Station präsentiert. Dank der Zugehörigkeit seines zweiten Teams Toro Rosso darf Red Bull nun doppelt so viel Raum im Fahrerlager einnehmen. Eines steht jetzt schon fest: Nie zuvor konnte man sich im Formel 1-Fahrerlager derart verlaufen wie in der aufwändigen Aluminiumträger-Konstruktion von Dietrich Mateschitz.

"Wie die chinesische Mauer"

31 Meter lang ist seine mobile Hausfront, das Gebäude ist 14 Meter breit und sechs Meter hoch. "Wie auch die Chinesische Mauer kann man unsere Energy Station bestimmt auch aus dem Weltall sehen“, flachst die Red Bull-Presseabteilung. Auf drei Ebenen und insgesamt 1.100 Quadratmetern (450 im Erdgeschoss, 550 im ersten Stock und noch mal 100 im zweiten Stock – die ausladende Sonnenterrasse jetzt mal nicht mitgerechnet) hat man viel Platz, sich auszubreiten. Um das Catering kümmert sich die wohl bekannte Truppe von Feinkost Käfer aus München. 16 Servicekräfte reichen dar, was acht Köche in zwei Küchen zelebriert haben.

50 Mann brauchen zweieinhalb Tage, bis das steht, was auf 37 Aufliegern herantransportiert wurde. Dazu zählen wie selbstverständlich Toiletten und Duschen. Obendrein müssen die Zeltbauer neuerdings noch zwei so genannte Baumhäuser zusammenmontieren: Waren im Vorjahr die Büros der Red Bull-Renningenieure noch in der Energy Station untergebracht, wurden diese nun in ähnliche Aluminiumträger-Konstruktionen untergebracht, die noch über den Renntransportern aufgebaut wurden.

Vor Jahren setzte Mercedes mit dem sogenannten "Team Communikation Center" (kurz TLC) in Imola Maßstäbe. Früher hätte sich der gemeine Fahrerlagerbesucher nicht gewundert, wenn unter dem TLC auch noch ein Weinkeller zu finden gewesen wäre. Heute marschieren die Besucher an dem blechernen Blockhaus achtlos vorbei, um bei Red Bull einen trinken zu gehen. Der fehlenden Aufmerksamkeit treten McLaren und Mercedes neuerdings mit einem Schild am Eingang entgegen. "Willkommen!" ist darauf zu lesen.

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