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Die Schwachstelle von Mercedes

Speed Platz 1, Zuverlässigkeit Platz 4

Nico Rosberg - GP Singapur 2014 Foto: ams 63 Bilder

Mercedes hat das schnellste Auto im Feld. Doch es kommt zu selten an. Nico Rosbergs Lenkrad-Drama war bereits der fünfte Ausfall in diesem Jahr. Vier davon gingen auf das Konto der Technik. Trotz einer Qualitäts-Offensive ist Mercedes in der Zuverlässigkeitstabelle auf Platz 4 abgesackt.

22.09.2014 Michael Schmidt

Ab der 14.Runde war Nico Rosberg Zuschauer. 46 Runden später war er auch noch seine WM-Führung los. Der Defektteufel hatte zugeschlagen. Wieder einmal. Bei Mercedes wird das langsam zur Seuche. "Unser Auto ist vom Speed her die Messlatte. Mit der Qualität haben wir ein Problem“, zog Teamchef Toto Wolff ernüchtert Bilanz. Niki Lauda schüttelt den Kopf: "Jedes Mal geht etwas anderes kaputt. Das darf nicht sein.“

Mercedes ist nach dem fünften Ausfall in dieser Saison in der Zuverlässigkeits-Statistik auf Platz 4 abgerutscht. Das schnellste Auto im Feld steht mit 7.639 Rennkilometern hinter McLaren (8.277 km), Ferrari (7.989 km) und Red Bull (7.729 km). Knapp vor den beiden anderen Mercedes-Kunden Williams (7.448 km) und Force India (7.404 km). Vier der fünf Ausfälle von Mercedes waren technisch bedingt. Rosberg stellte mit seiner Lenkrad-Misere den Gleichstand mit Lewis Hamilton her. Der Engländer scheiterte in Melbourne an einer defekten Zündkerze und in Montreal an überhitzten Bremsen. Für Rosberg war es nach dem Getriebeschaden der zweite Defekt.

Seit sechs Monaten läuft eine Qualitätsoffensive

Was in der Nacht von Singapur genau passiert ist, wird man erst Mitte der Woche erfahren. Dann wird im Werk das Kabel untersucht, dass die Multifunktions-Konsole auf dem Lenkrad mit der Elektronik-Box verbindet. Erste Vermutungen gingen in zwei Richtungen. Ein Kabelbruch oder ein defekter Stecker. Feuchtigkeitseinbruch in das System halten die Mercedes-Ingenieure für ausgeschlossen. Die beiden Autos standen bei dem Dauerregen in der Nacht von Samstag auf Sonntag im Trockenen in der Boxengarage.

Die Logik sagt, dass sich ein Kabelbruch in der Auslaufrunde der Qualifikation angebahnt hat. Danach wurde der Mercedes mit der Startnummer 6 nicht mehr bewegt. "Es wurden auch keinerlei Arbeiten an der Lenksäule durchgeführt“, bestätigte Technikchef Paddy Lowe. Bei den fünf Testläufen des Motors nach dem Parc fermé war kein Problem zu erkennen. Erst als Rosberg nach dem Einsteigen die Funktaste drückte, bahnte sich das Unheil an. Der Funk war tot.

Bis zu seinem Ausfall wurde die beiden Lenkräder insgesamt vier Mal getauscht. In der Startaufstellung untersuchte ein Ingenieur mit einer Lampe die Steckverbindungen. Weil an beiden Enden nichts zu erkennen war, vermutet man den Defektherd irgendwo dazwischen. "Das Kabel ist hoch belastet, weil es die ganzen Bewegungen der Lenkung mitmachen muss.“

Der Kabelstrang, der durch die Lenksäule läuft, wird bei Mercedes alle fünf Rennen getauscht. Er war erst zwei Rennen alt. "Wir haben die Lebenszyklen bei allen Teilen des Autos verkürzt“, verrät Toto Wolff. Seit sechs Monaten läuft bei Mercedes eine Qualitätsoffensive. "Wir haben die besten Leute eingekauft, alle Prozesse auf den Prüfstand gestellt. Dass es immer noch passiert, kann ich mir nur so erklären, dass die Maßnahmen noch nicht greifen“, mutmaßt Wolff.

Kundenteams mit weniger Pannen

Die Pannenstatistik zeigt nicht das ganze Bild. Die Fehler im Training und Beinahe-Ausfälle tauchen dort nicht auf. Rosberg fuhr in der Qualifikation von Melbourne ohne Fric und verlor in Shanghai ein Training wegen eines Hydraulikdefekts. Am Red Bull-Ring streikte die Ers-Kühlpumpe. In Monza schaute er wegen eines Getriebeproblems das dritte Training zu. Er rettete sich mit in Kanada ohne die MGU-K über die Distanz, hatte in Malaysia Glück mit einer lockeren Radmutter und in Ungarn Ärger mit einem Fahrwerksschaden wegen überhitzter Hinterradbremsen. Vor dem Rennen in Budapest wurde gerade noch ein Leck im dritten Dämpfer der Hinterachse entdeckt.

Lewis Hamilton blieb auch nicht von Pannen verschont. In Silverstone stieg ihm im zweiten Training der Motor aus. In Hockenheim explodierte in der Qualifikation eine Bremsscheibe, und in Budapest fackelte ihm wegen eines Benzinlecks das halbe Auto ab. In Monza verlor er im zweiten Training eine Stunde, weil der Motor nicht anspringen wollte. Beim Start zum GP Italien ließ sich der Start-Modus nicht einlegen. Schuld waren Software-Probleme.

Die Standfestigkeit der Mercedes war in den letzten vier Jahren ein Auf und Ab. 2010 landete man mit fünf Ausfällen hinter Ferrari und Red Bull auf Rang 3. 2011 rutschten die Silberpfeile mit sieben Nullrunden auf den siebten Platz ab. Nico Rosberg und Michael Schumacher spulten 1.000 Rennkilometer weniger ab als Spitzenreiter Ferrari. 2012 kam es noch schlimmer. Mercedes landete mit elf Nullern nur auf dem vorletzten Platz. Auf Klassenprimus Red Bull fehlten 1.500 Rennkilometer. 2013 erholte sich das Team. Vier Ausfälle bedeuteten Rang 3 hinter McLaren und Red Bull. Von der Spitze trennten Mercedes nur noch 500 Kilometer.

Interessanterweise sind die Mercedes-Kundenteams viel weniger von der Technikseuche betroffen als der Werks-Rennstall. Williams fiel zwar fünf Mal aus, aber nur ein Mal mit einem Defekt. In Monte Carlo ereilte Valtteri Bottas ein Motorschaden. Auch Force India scheiterte bei fünf Nullrunden lediglich ein Mal an der Technik. Sergio Perez hielt ein Hydraulikschaden in den Boxen fest. McLaren beklagte zwei Kupplungsschäden in Bahrain und einen Elektronik-Blackput in Singapur.

TeamRennkilometerAusfälle
1. McLaren-Mercedes8.277 km3
2. Ferrari7.989 km1
3. Red Bull-Renault7.729 km5
4. Mercedes7.639 km5
5. Williams-Mercedes7.448 km5
6. Force India-Mercedes7.404 km5
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