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Die verpatzte Meisterschaftsfeier

Hamilton-Sieg mit Zittern

Lewis Hamilton - Mercedes - GP Russland 2015 - Sochi Foto: xpb 69 Bilder

Mercedes gewinnt weiter. Wenn auch mit ein bisschen Zittern. Doch beim Feiern ließen die neuen und alten Konstrukteurs-Weltmeister die gewohnte Perfektion vermissen. Die Teamleitung war schon auf dem Heimflug, und die Sieger T-Shirts blieben in der Kiste.

11.10.2015 Michael Schmidt

Es war eine improvisierte Meisterfeier. Um 17.24 Uhr Ortszeit war der WM-Titel der Konstrukteure für Mercedes perfekt. Zum zweiten Mal in Folge. Aber nicht auf der Rennstrecke, sondern am grünen Tisch. Das Rennen war zu diesem Zeitpunkt bereits 1.40 Stunden lang vorbei. Kimi Räikkönen bekam von den Sportkommissaren für eine vermeidbare Kollision 30 Strafsekunden aufgebrummt. Das warf ihn vom fünften auf den achten Platz und gab Mercedes genau den Vorsprung, der von Ferrari in den letzten vier Rennen nicht mehr eingeholt werden kann.

Wolff, Lauda und Weber schon im Flieger

Zu dem Zeitpunkt waren Teamchef Toto Wolff, Außenminister Niki Lauda und Technik-Vorstand Thomas Weber bereits am Flughafen in Sochi angelangt. Sie hatten die Strecke in der Ungewissheit verlassen, ob der Jubeltag um 14 Tage auf Austin verschoben werden muss. Letzter Mohikaner aus der Geschäftsleitung an der Strecke war Technikchef Paddy Lowe. Und der stieß mit seinen Männern von der Front mit einem Glas Champagner an.

"Ein bisschen doof, der Moment. Auch dass es durch eine Strafe passiert", befand Nico Rosberg, meinte aber auch: "Die richtige Feier wird morgen in der Fabrik nachgeholt." Dann auch mit den Sieger T-Shirts, die im Karton blieben. Sie waren eigentlich nicht dazu auserkoren, unbenutzt wieder die Heimreise nach England anzutreten. Sie dann nachträglich auszupacken, wollte dann aber auch keiner mehr. Es war eher eine stille Feier.

Hamilton phasenweise haushoch überlegen

Toto Wolff hatte wenigstens verbal mal für den Fall der Fälle vorbereitet: "Egal, ob grüner Tisch oder Rennstrecke: Wir freuen uns über den Titel." Weil Mercedes ihn sich verdient hat. Man war nicht auf Geschenke angwiesen. Der Silberpfeil war das überlegene Auto der Saison. Ob der Titel in Sochi oder Austin klargemacht wird, ist höchstens für Statistiker interessant.

Mercedes hatte auch in Sochi das beste Auto im Feld. Lewis Hamilton ließ es phasenweise durchblicken. In den Runden nach der zweiten Safety Car-Phase bis zu seinem Boxenstopp war der Engländer erschreckend schnell unterwegs. Er nahm seinen Verfolgern, egal ob Sebastian Vettel oder Valtteri Bottas zwischen einer und eineinhalb Sekunden pro Runde ab. Ferrari sollte das zu denken geben.

Dass der Vorsprung auf Vettel im Ziel auf 5,9 Sekunden schrumpfte, hatte nichts mit dem Speed des neuen WM-Zweiten zu tun. Auch wenn Vettel mit 1.40,071 Minuten seine erste schnellste Rennrunde des Jahres erzielte. Doch da fuhr Hamilton längst im Schongang. Kurz vor dem Boxenstopp schreckte den Weltmeister ein Problem beim Bremsen auf. Hin und wieder riss der Abtrieb im Heck ab.

Rosberg mit drittem Ausfall im vierten Rennen

Das Problem wurde mit zunehmender Renndauer schlimmer. Besonders im Verkehr. "Der Abtrieb schwankte von Runde zu Runde. Wenn er weg war, hatte das die gleichen Auswirkungen, als hätte er mit offenem DRS gebremst", verriet ein Ingenieur. Hamilton bekam die Anweisung früher zu bremsen und auf DRS beim Überrunden zu verzichten. "Es hätte das Problem lösen, aber auch dramatisch verschlimmern können. Das wollten wir nicht riskieren." Als Übeltäter vermuteten die Mercedes-Techniker Reifenschnipsel in der Spalte zwischen den Heckflügel-Elementen. Das würde ausreichen, die Strömung abreißen zu lassen.

Mercedes war vorgewarnt. Das Team hatte das andere Auto schon in der siebten Runde verloren. Ein klassischer Pfennigdefekt. Ein Feststellring im Gaspedalmechanismus sprang während der ersten SafetyCar-Phase aus der Führung. "Ich habe sofort gemerkt, dass da was nicht stimmt", berichtete Rosberg. Das Gaspedal kam ihm nicht mehr richtig entgegen, wenn er den rechten Fuß hob, weil die Rückholfeder versagte. "Der Pedalweg wurde länger und länger. So zu fahren war gefährlich, besonders in den Kurven, weil der Motor immer bis zu 20 Prozent Gas gab."

Es war der dritte Ausfall im vierten Rennen. Die weiße Weste ist schon längst nicht mehr weiß. "Gegen so ein Problem kannst du dich nicht schützen. Das passiert alle Jubeljahre einmal", meinte Wolff. Paddy Lowe bestätigte: "Ich kann mich nicht erinnern, dass es schon mal passiert wäre. Das Teil ist so simpel, dass es normalerweise eine ganze Rennsaison im Auto bleibt." Wolff fühlte mit dem moralischen Sieger Rosberg mit: "Es war Nicos Wochenende. Er hat alles richtig gemacht, war schnell, gepaart mit der richtigen Dosis Aggressivität. Hut ab, wie er diese Enttäuschung weggesteckt hat."

Wolffs Vermutung, Rosberg werde jetzt schon auf den 2016er Modus umschalten, wurde von seinem Fahrer nicht ganz geteilt: "Wir haben noch vier Rennen vor uns, und ich will einfach nur gewinnen. An alles andere denke ich gar nicht." Sein Fazit: "Ein echtes Seuchenjahr. Immer, wenn ich attackieren wollte, gab es Probleme."

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