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Drei Gründe für die Mercedes-Niederlage

"Ferrari war einfach besser"

GP Malaysia - Formel 1 - Rennen - Start - Sonntag - 29.3.2015 Foto: xpb 79 Bilder

Mercedes hat schon im zweiten Rennen des Jahres die erste Niederlage kassiert. Eine Überraschung nach der Dominanz in Melbourne. Doch es gab drei gute Gründe, warum Ferrari die Silberpfeile in der Hitze von Sepang in die Knie gezwungen hat. Die Hitze, das Setup und die Strategie.

29.03.2015 Michael Schmidt

Niki Lauda zog ohne Neid sein Kapperl. Teamchef Toto Wolff brachte es mit einem Satz schonungslos auf den Punkt: "Ferrari war heute einfach besser." Die Betonung liegt auf heute. Sebastian Vettel sah es im Prinzip genauso:"„Wir haben die Umstände hier zu unseren Gunsten genutzt." Was waren die Umstände? Eine große Hitze mit bis zu 60 Grad Asphalttemperatur, eine Strecke mit schnellen Kurven, die die Reifen an ihr Limit brachte und eine frühe SafetyCar-Phase, die es Vettel erlaubte an die Spitze zu gehen, ohne die Mercedes auf der Strecke überholen zu müssen.

Für Mercedes waren es die schlechtesten Faktoren, die man sich vorstellen konnten. Sie machten aus einem überirdischen Rennauto ein irdisches. "Und schon war Ferrari auf unserem Niveau", bilanzierte Wolff. Ferrari hatte die geringere Reifenabnutzung, den besseren Rennspeed und die bessere Taktik. Vettel war von Beginn an auf zwei Stopps disponiert. "Das war für uns nicht möglich", gab Lauda zu.

In Zukunft unpopuläre Strategie-Entscheidungen

Lauda verteidigt den frühen Boxenstopp seiner beiden Fahrer, ausgelöst durch eine SafetyCar-Phase. Toto Wolff ist sich da nicht so sicher. "Vielleicht hätten wir die Taktik splitten und einen der beiden Fahrer auf Sebastians Taktik fahren lassen sollen. Auch auf die Gefahr hin, dass es im Nachhinein aus Sicht eines der beiden Fahrer eine unpopuläre Entscheidung gewesen wäre." Doch das Fairplay, dem sich Mercedes verschrieben hat, ist möglicherweise bald Geschichte. "Die Gleichbehandlung macht Sinn, so lange wir nur gegeneinander fahren. Jetzt geht es gegen einen anderen Gegner. Da müssen wir wahrscheinlich bald entscheiden, was aus Sicht des Teams besser ist", kündigte Wolff an.

Der frühe Stopp der Mercedes brachte Vettel in Führung und Hamilton und Rosberg in den Verkehr. Bis sich Hamilton freigeschwommen hatte, fehlten ihm 9,9 Sekunden auf den Ferrari. Seit Mercedes den Topspeed nicht mehr hat, kommt man auch an Force India, Lotus und ToroRosso nicht mehr so leicht vorbei. Es dauerte sechs Runden, bis Hamilton von Platz 6 auf Rang 2 vorgestoßen war. Rosberg musste sich noch länger gedulden. Er parkte beim Boxenstopp hinter seinem Teamkollegen und verlor dadurch 7,6 Sekunden und zwei weitere Positionen an Daniel Ricciardo und Felipe Massa.

Mercedes traute dem weichen Reifen zu wenig zu

Die Fahrt im Verkehr setzte den Reifen noch mehr zu. Vettel konnte den Vorsprung auf Hamilton in seinem ersten Turn zwischen 9 und 10 Sekunden einfrieren. Die Mercedes-Piloten erholten sich nie mehr von diesem Rückstand. Wolff: "Ab da ist unsere Arithmetik nicht mehr aufgegangen." Weil Ferrari generell vier Runden länger mit einem Reifensatz fahren konnte, bevor der Gummi einbrach. "Wir haben die Gefahr nach Räikkönens Rennsimulation am Freitag auf uns zurollen sehen. Er war verdammt schnell auf den weichen Reifen", erklärte Wolff.

Trotzdem hatte sich Mercedes verkalkuliert. Nach den Longruns am Freitag gaben die Strategen in der Mercedes-Box dem härteren Reifen den Vorzug. Rückblickend ein Fehler. Der Mercedes-Plan deutete sich bereits in der Qualifikation an, und Ferrari blieb es nicht verborgen. Hamilton und Rosberg vergeudeten je zwei Garnituren "Medium" im Q1 und im Q2. Ferrari dagegen fühlte sich auf der weicheren Mischung wohler und reservierte sich zwei frische Satz davon für das Rennen.

Hamilton wunderte sich, dass er für den letzten Stint die harten Reifen mit auf die Reise bekam. "Wir hatten nur noch einen gebrauchten weichen. Der wäre nach 15 Runden eingebrochen", bedauerte Teammanager Ron Meadows. Nicht genug, wenn man noch 18 Runden fahren muss.

Ferrari-Sieg gut für das große Bild

Mercedes ist gewarnt, aber nicht nervös. Das Rennen in Malaysia war genau ein Ausreißer wie der Saisonauftakt in Melbourne. Die haushohe Überlegenheit der Silberpfeile in Australien ist genauso wenig repräsentativ wie der ehrlich erkämpfte Sieg von Ferrari in Malaysia. Und das dritte Rennen in Shanghai wird wieder keine eindeutige Antwort bringen. Der Kurs frisst wie kein anderer die Vorderreifen.

Wolff sieht den weiteren Duellen mit Ferrari gelassen entgegen: "Für das große Bild ist es gut, dass Ferrari gewonnen hat. Aber wir werden jetzt Ruhe bewahren, analysieren und mehr Speed für das nächste Rennen finden. Vielleicht war unsere Fahrzeug-Abstimmung zu aggressiv für die Reifen. Wir haben ein bisschen zu stark auf unsere Form auf eine Runde geschaut. Unser Auto ist mehr auf Abtrieb als auf Topspeed ausgelegt. Dem müssen wir in Zukunft mit unserer Strategie Rechnung tragen."

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