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Dreikampf in Zahlen

So gewann Hamilton am Nürburgring

Hamilton, Webber & Alonso Foto: xpb 58 Bilder

Bis zum zweiten Boxenstopp lagen Lewis Hamilton, Fernando Alonso und Mark Webber auf Schlagdistanz. Der GP Deutschland wurde in den Runden 30 bis 35 entschieden. Minimale Unterschiede bei den Boxenstopps, Auslaufrunden und Reifen machten den Unterschied.

27.07.2011 Michael Schmidt

Das sieht man ganz selten. Dass drei unterschiedliche Autos absolut gleichwertig sind. Bis zur 30. Runde lagen Lewis Hamilton im McLaren-Mercedes, Mark Webber im Red Bull-Renault und Fernando Alonso im Ferrari innerhalb von 1,6 Sekunden. Hamilton führte insgesamt 38 Runden, Webber 17 und Alonso fünf. Neun Führungswechsel zählten die Statistiker anhand der Rundentabelle.

Der erste Streckensektor, der die Mercedes-Arena beinhaltet, gehörte McLaren vor Red Bull und Ferrari. In der schnellen Streckensektion hatte Red Bull die Nase vor McLaren und Ferrari. Und im letzten Abschnitt, der nur aus einer Geraden, einer Schikane und der Zielkurve steht, bestimmte wieder McLaren das Tempo. Vor Ferrari und Red Bull.

Winzigkeiten zwischen drei Top-Piloten

Hamilton markierte die schnellste Rennrunde, Alonso fuhr am konstantesten. Ferrari hatte in Summe die schnellsten Reifenwechsel. Alonso nahm Hamilton bei drei Stopps 1,441 Sekunden ab. Webber verlor in den Boxen 1,623 Sekunden auf den Spanier. Man sieht: Es geht um Winzigkeiten.

Den besten Top-Speed der drei Männer auf dem Podest hatte Alonso mit 305,3 km/h. Hamilton wurde im Hatzenbachbogen nur mit 300,6 km/h, Webber gar nur mit 299,7 km/h gemessen. Man kann hier nicht mit Windschatten oder dem DRS-Vorteil argumentieren, denn den hatte im Verlauf des Rennens jeder der drei zur Genüge, so dicht wie sie in unterschiedlicher Reihenfolge über 30 Runden zusammenlagen.

Die Top-Speed-Werte sind ein guter Indikator dafür, wie stark Ferrari aufgeholt hat. Red Bull wird das Geschwindigkeitsdefizit von 5,6 km/h auf den Renault-Motor schieben. Das mag zum Teil stimmen. Doch ganz unschuldig sind auch das Auto beziehungsweise das gewählte Setup nicht. An der Messstelle 150 Meter hinter dem Scheitelpunkt der 165 km/h schnellen Bitkurve, die in den Hatzenbachbogen führt, spielt die Power noch keine entscheidende Rolle. Hier machen sich gute Traktion und der entsprechende Speed in der Bit-Kurve bemerkbar. Und davon hat der Red Bull eigentlich genug. KERS funktionierte bei allen drei Autos. Also auch keine Entschuldigung.

Ferrari hat in Kurven aufgeholt

Hamilton wurde an der Stelle mit 224,2 km/h, Alonso mit 224,0 km/h und Webber mit 223,0 km/h gemessen. Was zeigt, dass Ferrari in den Kurven stark aufgeholt hat, ohne dafür Top-Speed zu opfern. Anders bei McLaren. Das Siegerauto fuhr eindeutig mit der größten Flügeleinstellung. Das erklärt den relativ schwachen Top-Speed trotz des PS-Vorteils des Mercedes-Motors. Hamilton konnte auf der Geraden nicht mal Webber abhängen. Dafür war der Australier in der 250 km/h schnellen Schumacher-Schikane unschlagbar. "Mark ist mir dort immer davongefahren. Erst nachdem sich der Tank geleert hatte und ich ein paar Knöpfe am Lenkrad verstellte, konnte ich einigermaßen mithalten", gab Hamilton zu.

Von den Reifen her war das Trio an der Spitze auf den ersten Blick gleichwertig bestückt. Alle drei verwendeten je drei angefahrene Sätze der Mischung "soft", bevor sie am Ende des Rennens auf je einen frischen Satz der Marke "medium" wechselten. Vor dem letzten Turn hatten alle Angst. Denn im Training erwies sich der medium-Reifen als mindestens 1,5 Sekunden langsamer als die weichere Variante. Deshalb war klar, dass jeder seinen dritten Stopp so lange wie möglich herauszögern wollte.

Red Bull-Fehler beim letzten Reifenwechsel

Am Ende erwies sich die Sorge als unbegründet. Die härtere Gummimischung war am Renntag besser als erwartet. Hamilton, Alonso und Webber waren in der ersten fliegenden Runde mit dem "medium" im Vergleich zur letzten mit dem gebrauchten "soft" um 0,7 bis 1,1 Sekunden schneller. "Als wir die ersten Sektorbestzeiten auf dem Monitor sahen, wussten wir, dass wir das Rennen gewonnen haben", erklärte McLaren Teamchef Martin Whitmarsh anschließend.

Bei Red Bull gab man zu, den letzten Stopp etwas zu lange hinausgezögert zu haben aus Angst, die Probleme mit dem Aufwärmen der Reifen würden Webber beim Wechsel auf den härteren Gummi besonders stark treffen. Tatsächlich war Webbers erste volle Runde auf "medium" nur um 0,034 Sekunden langsamer als die von Hamilton.

In den ersten drei Abschnitten entschied jeweils die erste Runde aus dem Stand über die Position. Hamilton legte mit 1.41,425 Minuten die beste Startrunde hin und ging vor Webber und Alonso in Führung. Nach dem ersten Reifenwechsel kam Webber am schnellsten aus der Box. Mit 1.55,036 Minuten lag er knapp vor Alonso (1.55,061 min), aber deutlich vor Hamilton (1.55,745 min). Folgerichtig ging der Australier in Runde 17 in Führung.

Entscheidung in der zweiten Boxenstopp-Runde

Die Entscheidung fiel in den Runden 30 bis 35. Die Serie der zweiten Boxenstopps stand an. Spitzenreiter Webber eröffnete den Reigen der Reifenwechsel in Runde 30. Seine Boxenzeit von 21,299 Sekunden sollte die schlechteste der drei Sieganwärter werden. Auch in der ersten Runde mit seinem dritten weichen Reifensatz büßte der Red Bull-Pilot Zeit ein. Er war mit 1.54,195 Minuten der langsamste des Trios und fiel prompt von Platz eins auf drei zurück. Somit haben beide Schuld. Fahrer und Boxencrew.

Hamilton verbrachte in Runde 31 mit 20,496 Sekunden acht Zehntel weniger als Webber in der Boxengasse. Der McLaren-Pilot war aber in seiner Auslaufrunde deutlich der schnellste. Mit einer Zeit von 1.52,837 Minuten machte er weitere 1,3 Sekunden auf Webber gut und zog an dem Red Bull vorbei.

Ferrari ließ sich am längsten mit dem zweiten Reifenwechsel Zeit und taktierte eigentlich richtig. Alonso büßte von Boxeneinfahrt bis -ausfahrt nur 20,035 Sekunden ein und kam vor Hamilton und Webber auf die Strecke zurück. Die Führung währte allerdings nur zwei Kurven. Hamilton nutzte den Vorteil der schon warmen Reifen und zog in der Mercedes-Arena vorbei. Alonsos erste Runde nach dem Boxenstopp lag mit 1.53,237 Minuten zwischen der von Hamilton und Webber.

Reifen entscheiden Duell für Hamilton

Während bis zur Halbzeit des Rennens an der Spitze im Pulk gefahren wurde, riss plötzlich eine Lücke auf. Hamilton zog Alonso davon, und Alonso setzte sich von Webber ab. Das Rätsel wurde erst nach dem Rennen gelöst. Die Qualität des dritten Reifensatzes bestimmte das Tempo im dritten Turn. Bei Pirelli entscheidet das Vorleben der Reifen in ganz besonderem Maße, was im Rennen passiert. Jede zusätzliche Runde, jeder Verbremser oder Quersteher in der Qualifikation können sich später im Rennen rächen. "Da machen Nuancen einen Unterschied", bestätigte Webber.

Der Nürburgring gab ihm Recht. Hamilton hatte sich für den dritten Turn den besten Reifensatz reserviert. Er war weniger vorbelastet als die Reifengarnituren seiner Gegner. Was genau die drei Reifensätze im Abschlusstraining durchmachen mussten, bevor sie im Rennen zum Einsatz kamen, lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von auto motor und sport (Heft 17/2011, ab 28. Juli im Handel).

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