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Duell mit Risiken

Gratwanderung für Mercedes

Rosberg & Hamilton - GP Österreich 2014 Foto: Monster 45 Bilder

Mercedes lässt Nico Rosberg und Lewis Hamilton gegeneinander fahren. Das ist schön für die Fans, birgt aber Risiken. Nicht nur die eines Unfalls. Viel gravierender ist, dass der Zweikampf die Technik ans Limit bringt. Und damit den Gegnern Chancen eröffnet.

01.07.2014 Michael Schmidt

Noch gibt es keine Stallregie. Mercedes hat versprochen, dass es die auch in Zukunft nicht geben soll. "Bis der erste Frontflügel fällt. Dann müssen wir unsere Regeln überdenken", warnt Teamchef Toto Wolff. Vielleicht passiert nicht einmal dann etwas. Die Kollision ist für Mercedes das geringere Problem, solange sie Nico Rosberg und Lewis Hamilton gegeneinander fahren lassen.

Niki Lauda hat seinen Fahrern eingeschärft: "Denkt daran, dass bei einer Kollision vielleicht einer von euch beiden weiterfahren kann. Der andere hat dann Punkte verschenkt." Mit anderen Worten: Die Fahrer werden erst die Brechstange auspacken, wenn es um alles oder nichts geht. Bis dahin sollte Mercedes so viel Vorsprung haben, dass der WM-Titel für das Team gesichert ist

Duell der Mercedes-Crews

Die Gefahr lauert anderswo. Rosberg und Hamilton treiben sich gegenseitig ans Limit. Und damit auch die Technik ihrer Autos. Sebastian Vettel konnte bei seiner Siegesserie 2013 in den meisten Fällen in der zweiten Rennhälfte schon Tempo rausnehmen. Renningenieur Guillaume Rocquelin warnte ihn immer wieder, nicht der Statistik wegen noch die schnellste Rennrunde zu erzwingen

Zwischen den Mercedes-Fahrern gibt es keine Zurückhaltung. Und damit auch nicht zwischen ihren Crews. Das Duell Hamilton gegen Rosberg findet nicht nur in den beiden Cockpits statt. Da hängen auch zwei getrennte Mannschaften dran. Ingenieure, Daten-Analysten, Reifenspezialisten, Strategen, Mechaniker.

Technikdirektor Paddy Lowe verrät: "Jeder Fahrer hat sechs Ingenieure auf seiner Seite. Je einer davon sitzt im Strategieraum daheim in der Fabrik. Jede Crew hat ihren eigenen Plan. Es ist aber unmöglich, etwas vor der anderen geheim zu halten. Die eine Gruppe macht einen Zug, und die andere überlegt sich sofort, wie sie dagegenhalten kann.

Team Rosberg vs. Team Hamilton

Die linke Seite der Garage will gegen die rechte gewinnen. Mercedes-Chef Dieter Zetsche stellte beim GP Spanien staunend fest: "Die versuchen sich mit allen Mitteln gegenseitig auszutricksen. Unglaublich, wie emotional das in unserer Box gut geht." Beim GP Kanada führte diese Konkurrenzsituation zur ersten Saisonniederlage. Die Ingenieure sahen, dass die Temperatur in den Steuergeräten für die MGU-K steigen, aber sie reagierten nicht.

Bis dahin war es immer gut gegangen, wenn die Elektronikbox mal um fünf bis sechs Grad über dem Grenzwert lag. Warum nicht diesmal auch? Und als die Temperatur weiter stieg, wollte keine der Crews ihren Fahrer benachteiligen. Er hätte dann den Elektromotor im Schonbetrieb fahren müssen, was dem anderen einen Vorteil in die Hand gespielt hätte.

Das schaukelte sich so weit hoch, bis nichts mehr ging. Dass beide Steuergeräte in einem Zeitraum von nur 20 Sekunden den Hitzetod starben, zeigt das keiner von außen in dieses Duell eingreifen wollte.

Fairplay mit neuen Grenzwerten

Für den GP Österreich galten strengere Grenzwerte. Mercedes agierte in Bezug auf die Steuergeräte übervorsichtig. Das erklärt, warum beide Fahrer einen Motormodus wählen mussten, bei dem man mit der Belastung für die Elektromaschine auf der sicheren Seite blieb. Erst in den letzten zwei Runden hieß es: Feuer frei.

Toto Wolff erklärt diese Gratwanderung, einerseits die Fahrer gleich zu behandeln, andererseits nicht weitere Schäden zum Nutzen der Konkurrenz zu provozieren: "Nach Montreal mussten wir sicherstellen, dass es die Ingenieure nicht übertreiben, dabei aber keiner der Fahrer benachteiligt wird. Wir haben den Fahrern erst erlaubt, den Überholmodus zu aktivieren, als wir wussten, dass der Vorsprung auf Bottas groß genug ist."

Solange die Konkurrenz nicht direkt im Windschatten liegt, lässt sich die Situation von der Boxenmauer einigermaßen komfortabel managen. Red Bull-Teamchef Christian Horner fordert deshalb von seinem Team: "Wir müssen in der Lage sein, Mercedes unter Druck zu setzen. Dann fällt ihnen das interne Duell zwischen Hamilton und Rosberg auf den Kopf."

Bremskühlung am Limit

Trotzdem wurde auch der GP Österreich zur Zitterpartie für die Strategen auf der Kommandobrücke. Diesmal waren die Bremsen am Limit. Was hauptsächlich damit zu tun hatte, dass Mercedes aus aerodynamischen Gründen mit der Kühlung an die Grenze gegangen war. "Jede größere Öffnung kostet dich ein paar Punkte Abtrieb. Die Williams waren so schnell auf der Geraden. Da konnten wir nichts herschenken", erklärte Nico Rosberg.

Prompt stiegen die Temperaturen in den roten Bereich. Bei Hamiltons zweiten Boxenstopp fing die vordere rechte Scheibe sogar kurz Feuer. Die Fahrer wurden von ihren Ingenieuren mit Kommandos bombardiert, die Bremsen zu schonen. Diesmal lag es an den Fahrern, es nicht zu übertreiben. Rosberg löste das Problem etwas besser als Hamilton. Und wie? "Viel lift and coast. Das spart nicht nur Sprit, sondern schont auch die Bremsen."

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