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FIA vs. Formel 1

Ecclestone erklärt Todt den Krieg

Todt und Ecclestone Foto: xpb 41 Bilder

Der Streit zwischen Bernie Ecclestone und FIA-Präsident Jean Todt eskaliert. Die beiden mächtigen Männer führen gleich auf mehreren Ebenen Krieg. Vordergründig geht es um GP-Standorte und Motoren. Tatsächlich geht es ums Geld.

25.03.2011 Michael Schmidt

Lange war es ein Scharmützel im Verborgenen. Bernie Ecclestone gegen FIA-Präsident Jean Todt. Jetzt brach der Krieg offen aus. Der Formel 1-Boss bezeichnete Todt in einem Interview mit der englischen Tageszeitung "Daily Express" als "Max Mosley im Kleinformat". Todts Vorgänger Max Mosley spielte über 16 Jahre mit Ecclestone Doppelpass. Todt verfährt nach anderen Richtlinien: "Meine Rolle gegenüber Bernie ist heute eine andere als früher. Als Präsident der FIA habe ich die Interessen unseres Verbandes zu vertreten. Dafür wurde ich gewählt."

Die beiden mächtigsten Männer des Motorsports führen gleich auf mehreren Ebenen Krieg. Den Kampf um die Reifen hatte Ecclestone gewonnen. Todt wollte Michelin, sein Gegenspieler Pirelli. Ecclestone setzte sich mit Hilfe der Teams durch. Ihnen war Michelin zu teuer.

Streit um Grand Prix von Australien

Jüngst ging der Disput auf einem Gebiet weiter, das eigentlich das Revier von Ecclestone ist. Der 80-jährige Pate der Formel 1 hatte die Fortsetzung des GP Australien in Frage gestellt. "Wenn sie sich unser Produkt nicht mehr leisten können, macht es wenig Sinn, den Vertrag zu verlängern."

Melbourne stöhnt schon lange unter den enormen Kosten und dem Antrittsgeld von geschätzten 20 Millionen Dollar. Die Formel 1 hat sich zu einem großen Verlustgeschäft für die Stadt am Yarra River entwickelt. Andererseits ist Australien ein Land mit Motorsport-Tradition. Und die Tribünen sind im Gegensatz zu einigen der neuen Schauplätze wie Abu Dhabi, Istanbul oder Shanghai immer gut gefüllt. Todt stichelte deshalb: "Australien ist ein wichtiger Bestandteil im Grand Prix-Kalender."

FIA nur noch als Regel-Polizei

Ecclestone will der FIA nur noch die Rolle der Polizei gönnen. "Die Teams sollten die Regeln machen, und die FIA sollte sie überprüfen. Für mich ist die FIA ein Witz." Um ein Exempel zu statuieren, versucht Ecclestone die neue Motorenformel zu kippen, die ab 2013 Vierzylinder-Turbos mit 1,6 Liter Hubraum in Verbindung mit einem leistungsstärkeren Hybridantrieb vorschreibt.

Todt findet die Einführung kleinerer Motoren und umweltfreundlicher Technologien als unerlässlich, "weil wir nicht an den Bedürfnissen der Automobilindustrie vorbeiplanen dürfen". Für Ecclestone ist die Motorenreform mit unnötigen Kosten verbunden. Außerdem fürchtet er um den Sound der Boliden. "Jeder Zuschauer sagt dir, dass der Motorenlärm ein wichtiger Bestandteil der Faszination der Formel 1 ist."

Motoren-Reform kaum noch zu stoppen

Ecclestone sucht bei den Teams Verbündete gegen die geplante Motorenreform für 2013. Der FIA-Welttrat hatte im Dezember 2010 einen Reglementsentwurf verabschiedet, doch die Teams könnten sich theoretisch noch bis zum 30. Juni dagegen auflehnen. Um das zu erreichen, müsste die Technische Arbeitsgruppe der Formel 1-Kommission mehrheitlich vorschlagen, das aktuelle Motorenreglement beizubehalten.

Ob es bei einer Abstimmung dafür die erforderliche Mehrheit gibt, ist fraglich. "Renault wird für das neue Motorenreglement stimmen, weil es technisch Relevanz zu unseren Straßenautos zeigt", sagt Motorenchef Rob White. Renault glaubt außerdem, dass neue Hersteller nur kommen, wenn die Formel 1 Downsizing betreibt. "Auch für uns gibt es kein Zurück mehr", bekräftigen die Mercedes-Strategen Norbert Haug und Ross Brawn. "Die Entwicklung des Vierzylinder-Motors hat längst begonnen. Ein Zurück würde eine immense Geldverschwendung bedeuten."

Mit Renault und Mercedes hätten sich bereits sechs Formel 1-Teams für die neuen Motoren festgelegt. Also genau die Hälfte. Ferrari steht dem Vierzylinder eher reserviert gegenüber. Cosworth könnte mit beiden Varianten leben. Sollte es eine Mehrheit für den Achtzylinder-Motor geben, wird es für Todt gefährlich. Die Formel 1-Kommission ist unter Ecclestones Kontrolle. Außer den Teams sitzen noch die Veranstalter und Sponsorenvertreter in dem Gremium. Und die hören auf den Formel 1-Boss.

100-jähriger Vertrag sorgt für Streit

Die Motoren sind freilich nur ein Nebenkriegsschauplatz. Der eigentliche Zwist dreht sich um den hundertjährigen Vertrag, in dem die FIA die TV- und Namensrechte an Ecclestone und CVC abgetreten hat. Besagter Vertrag wartet immer noch auf eine Unterzeichnung durch die FIA. Man munkelt, dass der Verband die Hoheitsgebiete im Fahrerlager neu verteilen und für Zugeständnisse Geld einfordern will. Auf dem Ohr ist Ecclestone taub.

Todt hat bei diesem Vertrag, der im Winter 2000/2001 zwischen der FIA und Ecclestone vereinbart worden war, ein nicht unbedeutendes Druckmittel in der Hand. Die vereinbarten 314 Millionen Dollar hat Ecclestone zwar ordnungsgemäß bezahlt, aber trotzdem kam es nie zu einer endgültigen Unterschrift, weil sich die Parteien nie über sämtliche Details einigen konnten. Beide Parteien besserten das Vertragswerk immer wieder nach.

Das Abkommen sollte eigentlich am 1. Januar 2011 endgültig in Kraft treten, was aber offenbar nicht passiert ist. Todt: "Es gibt immer noch einige Streitfragen, die geklärt werden müssen. Dieser Vertrag ist ein komplexes Werk, was schon seine Dauer über 100 Jahre dokumentiert. Er dauert so lang, dass keiner von uns je sein Ende erleben wird."

FIA will Gegenleistung für Streichung der Klausel

Der Knackpunkt versteckt sich in einer Klausel, um die große Geheimhaltung betrieben wird. Trotzdem sickerte durch, dass die FIA vor zehn Jahren von Ecclestone verlangte, die Namensrechte und TV-Rechte in eine neue Firma zu übertragen. Die Sache hat nur einen Haken. Bei dem Transfer in eine neue Firma muss Ecclestone befürchten, dass der englische Fiskus die Hand aufhält.

Die FIA könnte auf diese Klausel verzichten. Sie könnte die Rechteinhaber aber auch juristisch dazu zwingen, besagte neue Firma mit all den finanziellen Konsequenzen zu gründen. Man munkelt, dass Todt dafür eine Gegenleistung will, weil er weiß, dass die ursprüngliche Vereinbarung Ecclestone teuer zu stehen kommen könnte.

Ein Szenekenner urteilt: "Todt versucht normalerweise einem offenen Streit aus dem Weg zu gehen. Aber wenn Jean davon überzeugt ist, dass es sich lohnt einen Angriff zu starten, dann wird er es tun. Und da könnte Bernie böse überrascht werden."

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