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Ecclestone

"Es gibt keinen Grund etwas zu ändern"

Foto: Wolfgang Wilhelm

FIA-Präsident Max Mosley und F1-Boss Bernie Ecclestone streiten sich um die Macht in der Formel 1. Aus Freunden sind erbitterte Gegner geworden. Jetzt reagierte Ecclestone auf Mosleys jüngste Attacken.

03.07.2008 Michael Schmidt

Den ersten Ball spielte die FIA bei ihrer Weltratsitzung am 25. Juni. Sie lud die Teams zu Gesprächen über künftige Reglements, über eine neue Führungsstruktur und eine höhere und gerechtere Verteilung der Einnahmen aus Startgeldern und TV-Rechten ein. Mosley spielt den Robin Hood der Enterbten, um die Teams auf seine Seite zu bringen. Außerdem kündigte er das Comeback der Formel 2 an. Die Billig-Formel soll Bernie Ecclestones GP2-Serie entwerten. Nach Mosleys Vorstellung darf der Einsatz eines Formel 2-Autos pro Saison nur 200.000 Euro kosten, ein Sechstel des Budgets für einen GP2-Renner. Die Formel 2 soll die Vorstufe zur Formel 1-Superlizenz werden.

Keine höhere Ausschüttung aus dem F1-Topf

Bernie Ecclestone ging zunächst nicht auf die jüngste Kampagne seines ehemaligen Kompagnons ein. Jetzt hat der Formel 1-Chef sein Schweigen gebrochen. Gegenüber auto motor und sport gibt Ecclestone Mosleys Feldzug für eine höhere Ausschüttung an die Teams keine Chance: "Wie will Max das hinkriegen? Um Geld zu verteilen, muss er es erst einmal haben." Der 77-jährige Engländer legt nach: "Das Geld von den Veranstaltern und TV-Anstalten fließt auf unser Konto. Wir haben Verträge mit allen Teams, die festlegen, wie viel sie davon bekommen. Wenn die FIA mehr Geld ausschütten will, muss sie es schon selbst finden."

Mosleys Forderung, die Einkünfte gerechter unter den Teams zu verteilen, die Zahlungen sogar von zehn auf zwölf Teams auszuweiten, ist für Ecclestone kein Problem. "Wenn die Teams uns geschlossen bitten, dass die Sieger etwas weniger oder die Verlierer etwas mehr bekommen oder dass zwölf Teams an der Ausschüttung partizipieren sollten, können wir darüber reden. Für uns ändert sich dadurch nichts." Eigentlich, so Ecclestone, gibt es aber keinen Grund, etwas zu ändern. "Wir haben Verträge mit allen Teams, in denen die Auszahlung geregelt ist."

FIA verweigert Concorde-Agreement

Was der Formel 1-Chef nicht hat, ist Mosleys Unterschrift unter ein neues Concorde Abkommen. Die FIA braucht den Stabilitätspakt nicht, die andere Seite schon. Also nutzt ihn Mosley als Verhandlungsmasse. Ecclestone wirft seinem Ex-Freund vor, dass er damit dem Sport schade. "Wir sollten uns darauf konzentrieren, den Sport besser zu machen, statt uns um etwas zu streiten, das 25 Jahre lang gut funktioniert hat. Wir wollen an den Verträgen mit der FIA und an den Abmachungen mit der EU-Kommission nichts ändern. Vor zwei Jahren haben sich alle Parteien darauf geeinigt, dass wir das Concorde Abkommen verlängern sollten. Also lasst es uns so weiterführen."

Auch das von der FIA angekündigte Comeback der Formel 2 zielt direkt gegen die Rechteinhaber und Bernie Ecclestone. CVC Capital Partners besitzt auch die Rechte an der GP2-Serie, die sich als Talentschuppen für die Formel 1 versteht. Ecclestone spottet: "Wenn Max es schafft, ein Formel 2-Auto für 200.000 Euro pro Jahr laufen zu lassen, gratuliere ich ihm. Eine Kartsaison kostet heute mehr. Er müsste schon Rasenmähermotoren einsetzen, aber wäre das die Vorstufe zur Formel 1?"

FIA will mehr Einfluss

Die Inhaber der kommerziellen Rechte haben den Verdacht, dass die FIA die Kontrolle über die Formel 1 komplett an sich reißen will. Der Weltverband gibt sich nicht damit mehr zufrieden, das Reglement zu bestimmen. Er fischt in fremdem Hoheitsgebiet, will die Ausgabe der Fahrerlagerpässe selbst in die Hand nehmen und die Geldflüsse in der Formel 1 neu ordnen. Immer wieder taucht das Gerücht auf, dass die FIA an einem Konzept arbeitet, dass es ihr im Rahmen der EU-Bestimmungen erlaubt, die TV-Rechte zurückzuerobern.

Das stößt Ecclestone sauer auf. "Die FIA verdient eine Menge Geld mit der Formel 1, hat aber nichts von ihrem eigenen Geld investiert. Aus dieser Position heraus ist es einfach, mutige Forderungen zu stellen. Wenn ich mich an einen Pokertisch setze und spiele mit Chips statt mit Geld, gehe ich kein Risiko ein. Gewinne ich, tausche ich die Chips in Geld um. Verliere ich, war es nur ein Stück Plastik."

Mosley kennt Identität seiner Feinde

Entscheidend in dem Machtkampf wird sein, wer die besseren Trumpfkarten in der Hinterhand hält. Mosley wird seinen Joker am 7. Juli ziehen, wenn das Verfahren gegen die Zeitschrift "News of the World" eröffnet wird, die den Sex-Skandal des Präsidenten ins Rollen gebracht hat. Mosley hat nicht nur Beweise dafür, dass er von Redakteuren der Zeitschrift bewusst in eine Falle gelockt worden ist, um ihn öffentlich bloßzustellen. Er weiß auch, wer die Observation in Auftrag gegeben hat, um ihn aus seinem FIA-Amt zu verdrängen.

Das Geheimnis um die Identität der Hintermänner soll vor Gericht gelüftet werden. Aber auch die andere Seite war nicht untätig. Es gehen Gerüchte um, dass weiteres belastendes Material gegen Mosley an die Öffentlichkeit gebracht werden soll. Oder wie soll man die Andeutung eines der Mosley-Gegner verstehen? "Die Zeit wird zeigen, was noch alles herauskommt."

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