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Bernie Ecclestone

"Nur Bahrain kann Rennen absagen"

Bernie Ecclestone GP China 2012 Foto: xpb 15 Bilder

Bernie Ecclestone ist der Boss der Formel 1. Doch diesmal fühlt sich der große Zampano machtlos. Zehn Tage vor dem GP Bahrain gibt es seiner Meinung nach nur noch eine Partei, die die Austragung des Rennens absagen kann: die nationale Sportbehörde. "Würde ich es tun, würde ich vertragsbrüchig", sagte der Engländer im Gespräch mit auto motor und sport.

12.04.2012 Michael Schmidt

Bernie Ecclestone hat die ersten beiden Grand Prix in Australien und Malaysia ausgelassen. In China tauchte er zum ersten Mal auf. Und in Bahrain wird er persönlich vor Ort sein, sollte das Rennen wie geplant stattfinden. "Ich komme persönlich", lächelt der 81-jährige Engländer. "Manchmal schicke ich nur meinen Geist."

Keine Probleme mit der Sicherheit?

In Bahrain muss Ecclestone Flagge zeigen. Auch wenn er selbst vielleicht lieber auf das Rennen verzichten würde. Den Eindruck kann man bekommen, wenn man seine Aussagen zwischen den Zeilen liest. In die TV-Kameras sprach Ecclestone nur den Satz: "Nach heutigem Stand fahren wir in Bahrain. Es gibt keine Probleme mit der Sicherheit."

Auf die Frage, warum die amerikanische Regierung Bahrains Hauptstadt Manama als eine gefährliche Zone eingestuft habe, meinte Ecclestone: "Dann wissen die mehr als wir. Oder weniger." Die Sicherheit ist vermutlich nicht das große Problem, wenn der GP-Tross nach dem Rennen in Shanghai seine Reise in das Land am Arabischen Golf antritt. Bahrain wird alles dafür tun, dass es rund um die Strecke und auf den Zufahrten keine Probleme gibt. Und wenn sie dafür das Militär einsetzen muss.

Doch jede kleine Nachricht über Unruhen oder Gewaltausbrüche könnte auf dem Rücken der Formel 1 ausgetragen werden. Man wird sich fragen, ob es sinnvoll war, in diesem Land zu dieser Zeit ein Rennen fahren zu müssen. Das weiß auch Ecclestone. Der Zirkusdirektor wägt ab: "Wissen wir in jedem Land, in dem wir fahren, ob die Menschenrechte eingehalten oder verletzt werden?" Andererseits will er auch nicht, dass die Formel 1 die Interessen anderer befriedigt. "Es sollte nicht sein, dass wir für politische Zwecke gleich welcher Art benutzt werden."

Teams spielen Ball der FIA zu

Normalerweise hat der kleine Mann aus London fast uneingeschränkte Macht. Diesmal muss er passen. "Wir haben mit dem Grand Prix von Bahrain einen kommerziellen Vertrag. Würde ich das Rennen absagen, würde ich vertragsbrüchig." Mit anderen Worten. Ecclestone könnte das Rennen nur von sich absagen, wenn Bahrain die geforderte Antrittssumme nicht bezahlt. Davon darf man nicht ausgehen.

Die Teams würden den Ball am liebsten der FIA zuspielen. Lewis Hamiltons Meinung zu dem umstrittenen Rennen steht für alle. "Es ist nicht die Sache der Fahrer über die Austragung des Rennens zu entscheiden. Wir folgen der Entscheidung der FIA." Nico Hülkenberg schlägt in die gleiche Kerbe, benutzt aber andere Worte dafür. "Ich habe nicht genügend Informationen um abzuschätzen, was in Bahrain passiert. Deshalb müssen wir uns auf das Urteil der FIA verlassen."

FIA-Präsident Jean Todt spielt den Steilpass locker zurück. Er sieht die Teams in der Pflicht. Bernie Ecclestone gibt dem Franzosen ausnahmsweise mal Rückendeckung: "Der FIA sind die Hände gebunden. Sie kann das Rennen nicht einfach so vom Kalender nehmen. Sie hat auch nicht die Macht den einzelnen Ländern vorzuschreiben, was sie auf ihrem eigenen Territorium zu tun haben und was nicht. Der Verband hat einen Vertrag mit der Nationalen Sportbehörde von Bahrain. Deshalb kann ein Ja oder ein Nein zu dem Grand Prix nur von dieser Nationalen Sportbehörde kommen."

Fahrer drucksen herum

Während Michael Schumacher keine Angst hat nach Bahrain zu reisen, Sebastian Vettel über das Thema nicht sprechen will, traut sich Jenson Button wenigstens etwas aus der Reserve, obwohl er als McLaren-Fahrer vorsichtig sein muss, da 50 Prozent des Rennstalls dem Königreich Bahrain gehören. "Einige von uns können mehr darüber sprechen, andere weniger. Die FIA kennt als einzige von uns die Fakten. Wir können nur hoffen, dass sie die richtige Entscheidung trifft. Wenn diese getroffen ist, sollte die Formel 1 als Einheit auftreten."

Mark Webber möchte nicht in der Haut der Entscheidungsträger stecken, wer auch immer dafür am Ende verantwortlich ist. "Es ist eine massive Verantwortung. Kein Mensch kann absolute Sicherheit garantieren. Im Januar wäre diese Entscheidung noch einfacher zu treffen gewesen. Jetzt wird es mit jedem Tag schwieriger. Lasst uns hoffen, dass die Leute in Bahrain die Lage richtig einschätzen und dass das Rennen ganz ruhig über die Bühne geht."

Webber spricht Klartext

Der Australier ist der einzige, der der Frage nach Bahrain nicht auswich. Die Presserunde im Red Bull-Pavillon hatte noch nicht richtig begonnen, da ergriff Webber das Mikrophon und meinte: "Ihr wollt mich sicher über Bahrain ausfragen. Es bringt nichts, wenn wir Fahrer das Thema untereinander diskutieren. Jeder hat seine Agenda, und die beeinflusst die jeweilige Meinung."

Eine Weigerung kommt auch für den kritischen Webber nicht in Frage. "Ich bin ein Rennfahrer und habe einen Vertrag mit meinem Team. Mein Team hat einen Vertrag mit der FIA. Das Rennen steht im Kalender, und wenn es stattfindet, muss ich meinen Vertrag erfüllen. Letztes Jahr war es richtig, das Rennen abzusagen. Keiner von uns weiß aber, ob die gleichen Gründe dafür immer noch vorherrschen. Es ist sehr schwierig, sich eine objektive Meinung zu diesem Thema zu bilden."

Die Chancen, dass der Grand Prix von Bahrain am 22. April in letzter Minute abgesagt wird, schwinden also mit jedem Tag, den man länger wartet. Am Sonntag läuft die Frist aus. Bahrain wird das Rennen von sich aus kaum absagen. Das käme aus Sicht der Machthaber zu einem so späten Zeitpunkt der totalen Kapitulation gleich.

Viel zu viel ist über diesen Fall bereits geschrieben worden. Auch auf eine Reisewarnung der Auswärtigen Ämter hat man bis jetzt vergeblich gewartet. Würde diese erfolgen, hätten die Teams einen Hebel. Sie könnten dann von der FIA eine Versicherung fordern. Kaum vorstellbar, dass Paris dieses Risiko eingehen würde.

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