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Ecclestone zu Reformen bereit

Hilferuf von Bernie Ecclestone

Bernie Ecclestone - Formel 1 - GP Singapur - 18. September 2014 Foto: xpb 20 Bilder

Bernie Ecclestone will die Formel 1 retten. Er hat ein Konzept, doch er bringt es nicht durch. Der mächtigste Mann der Formel 1 sendet in der größten Krise des Sports einen Hilferuf an die Öffentlichkeit: "Was können wir tun, um die Probleme zu lösen?"

01.11.2014 Michael Schmidt

Das hat es in der Formel 1-Geschichte noch nie gegeben. Bernie Ecclestone hat acht Medienvertreter zu einem Krisengespräch eingeladen. auto motor und sport war dabei. Der mächtigste Mann des Motorsports ließ die Hosen herunter: "Die Formel 1 ist in der Krise. Das war sie aus eurer Sicht schon immer. Wenn keine Krise da war, habt ihr eine herbeigeschrieben. Doch diesmal schreibt ihr die Wahrheit."

Ecclestone räumt Fehler ein

Der 84-jährige Engländer wirkte wie ein Mann, der sein Lebenswerk bedroht sieht. "Ich suche gerade nach dem besten Weg, um das Problem zu lösen, das wir haben. Ich weiß, was falsch ist, aber ich weiß nicht, wie ich es anpacken soll." Der Reformstau ist hausgemacht. Die Teams haben nur ihre eigene Agenda im Kopf. Und sie haben etwas zu sagen. In den alten Zeit haben Ecclestone und sein Kompagnon Max Mosley die Probleme im Alleingang aus der Welt geschafft. Jetzt braucht Ecclestone für schnelle Änderungen Einstimmigkeit.

Bernie Ecclestone sieht ein, dass die Fixkosten zu hoch geworden sind. Die neuen Motoren sind zu teuer. Gleichzeitig streiten sich die Motorhersteller darum, ob es mehr Freiheiten bei der Entwicklung geben soll. Die großen Teams haben bis zu 800 Leute an Bord. Sie modifizieren ihre Autos im Zweiwochentakt, was einem Team wie Lotus die Summe von 35 Millionen Dollar kostet. Mercedes, Ferrari und Red Bull liegen noch weit darüber.

Doch das zu ändern, verlangt Einstimmigkeit. Ecclestone ist das Opfer seines eigenen Systems: "Ich will etwas tun, aber die Regeln lassen es mich nicht tun." Dabei wäre es so einfach. "Wir müssen uns nur einmal fragen, was es ein Team kostet, um konkurrenzfähig zu sein. Für die armeselige Show, die wir am Sonntag mit 18 Autos hier bieten, ist das viel zu viel Geld. Mir tut der Promoter hier in Austin leid. Er hat eine tolle Strecke gebaut, hat alles gegegeben, um Eintrittskarten zu verkaufen, und dann kommen wir mit unserem Gerade über die Krise daher. Wie soll er da nächstes Jahr Tickets an den Mann bringen?“

Ecclestone würde alle Verträge zerreißen

Auf der anderen Seite sind die Gelder ungerecht verteilt. Die Großen bekommen das Dreifache oder das Doppelte von den Kleinen. Bernie Ecclestone ist bereit, den Verteilungsschlüssel schon morgen zu ändern. "Es ist wahrscheinlich mein Fehler, dass die Einnahmen schlecht verteilt sind. Ich hätte viele Dinge sicher anders gemacht, wenn mir die Formel 1 noch gehören würde. Aber heute arbeite ich für Leute, die mit dem Sport Geld verdienen wollen."

Dann macht der kleine Mann aus London einen sensationellen Vorschlag: "Ich zerreisse alle Verträge, die ich mit den Teams habe. Und ich wäre bereit, von den Einnahmen dieses Jahres alle Schulden der Teams zu tilgen, soweit sie Lieferanten betreffen. Das Restgeld, würde ich im nächsten Jahr nach einem neuen, gerechteren Schlüssel verteilen. Ab dem übernächsten Jahr würde dann dieser Schlüssel gelten."

Der Formel 1-Boss gibt seiner Idee wenig Chancen: "Die großen Teams werden mich daran erinnern, dass es Verträge gibt. Viele der Teamchefs kümmert das Morgen nicht, weil ihnen die Teams nicht gehören. Herr Mattiacci weiß nicht, wie lange er bei Ferrari diesen Job machen wird. Welches Interesse hat er an Entscheidungen, die die nächsten drei Jahre betreffen."

Und Mercedes will seinen technischen Vorsprung nicht aufgeben. Womit Ecclestone durchaus sympathisiert: "Mercedes verdient den Titel. Sie haben einen super Job gemacht. Ich verstehe, dass sie sagen: Wenn Red Bull vier Mal Weltmeister geworden ist, haben wir das Recht, es auch vier Mal zu werden." Trotzdem appelliert der ehemalige Gebrauchtwagenhändler an die Vernunft: "So können wir nicht weitermachen."

Boykott des GP USA unrealistisch

Früher habe es auch schwere Zeiten gewesen. "Es ging nur um weniger Geld", vergleicht Ecclestone und erzählt dabei aus dem Nähkästchen: "Früher kam Frank Williams zu mir und hat mich gefragt: Kannst du mir fünf Millionen Dollar leihen. Du kriegst sie in zehn Tagen zurück. Nach zehn Tagen kam er, gab mir das Geld und fragte: Hast du vielleicht zehn Millionen für mich? Frank hat immer pünktlich zurückgezahlt. Ich hatte nie einen Vertrag mit ihm." Dieses Vertrauen würde Ecclestone kaum noch jemand in seinem Zirkus entgegenbringen.

Teams wie Minardi oder Ligier hat Ecclestone mit eigenem Geld gerettet. Andere, die gehen mussten, wurden durch neue ersetzt. Doch das Kommen und gehen funktioniert jedoch nicht mehr wie früher. Weil der Einstiegspreis so hoch geworden ist, dass normale Geschäftsleute zurückschrecken. Ecclestone sieht angesichts der Uneinigkeit der Teams nur einen Ausweg: "Ich muss mit den großen Bossen der Hersteller reden. Vielleicht verstehen sie, dass sich etwas ändern muss, bevor es zu spät ist." Gerüchte über einen Boykott des GP USA von seiten Lotus, Force India und Sauber als Drohgebärde gegen den Reformstau hält Ecclestone für unrealistisch: "Das wird nicht passieren. Ich wette, sie fahren am Sonntag. Ich habe eher die Sorge, ob sie nächstes Jahr um diese Zeit noch dabei sind."

"Ich bin nicht ratlos, aber auch nicht glücklich"

Ecclestone setzt auf den Druck der Öffentlichkeit. Deshalb trommelt der sonst so leise Zampano diesmal ungewöhnlich laut. Überraschend ließ er die Vertreter der Motorenhersteller vor das Gremium der Journalisten treten, um auf die wichtigsten Fragen zu antworten. Die hitzige Diskussion brachte genau das Ergebnis, das Ecclestone an die Wand gemalt hatte.

Ferrari-Boss Marco Mattiacci will am Verteilungsschlüssel nichts ändern. Er fordert höhere Einkünfte. Niki Lauda will die Motorenraten für die Kunden nicht senken, weil die Entwicklung des Motors Mercedes 100 Millionen Euro gekostet hat und jedes Jahr weitere 60 Millionen kostet, um die Kundschaft zu beliefern: "Wir können unsere Motoren nicht für fünf Millionen Euro verkaufen." Ecclestone Wunsch, zu den alten Motoren zurückzukehren, wird ungehört verhallen: "Obwohl 80 Prozent der Teams wahrscheinlich dafür wären. Aber die Hersteller nicht. Sie haben zu viel investiert."

Bernie Ecclestone hat es sich zu seiner Aufgabe gemacht, den Sport zu retten, den er auf die Bühne der Welt brachte, und der sich gerade selbst zerfleischt: "Ich bin nicht ratlos, aber auch nicht glücklich. Es ist Zeit, etwas zu tun. Wir können uns nicht zurücklehnen und hoffen, dass die Probleme von alleine verschwinden wie ein Schnupfen. Ich glaube, dass Jean Todt mitmachen würde. Auch wenn er sich im Moment nicht aktiv einmischt." Dann fordert er die Uneinsichtigen auf, das große Bild zu sehen: "Wenn genügend Leute eine Lösung wollen, werden wir eine Lösung bekommen. Es muss nur jeder bereit sein, Opfer zu bringen."

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