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Ecclestones Weg aus der Krise

Doppelpass mit der EU

Jean Todt & Bernie Ecclestone - GP Bahrain 2016 Foto: sutton-images.com

Bernie Ecclestone und FIA-Präsident Jean Todt haben im Streit um das Qualifikationsformat schon wieder eine Schlacht gegen die Teams verloren. Schuld ist das Entscheidungsprocedere, das den Teams die Macht gibt. Da hilft nur eine Zerschlagung des Concorde Abkommens bis 2020.

10.04.2016 Michael Schmidt

Dieser Vertrag fällt Bernie Ecclestone und FIA-Präsident auf den Kopf. Immer öfter und immer schmerzhafter. Bernie Ecclestone verflucht schon längst den Tag, an dem er mit Red Bull, Ferrari, Williams, McLaren und schließlich Mercedes das sogenannte Financial Agreement abgeschlossen hat, das den großen Teams unverhältnismäßig mehr Geld zuspielt als den kleinen.

Doch die Teams wollten mehr. Sie kungelten mit Ecclestone eine Strategiegruppe aus, die allein bestimmt, welche Regeländerungen zur Abstimmung in der Formel 1-Kommission kommen. Das war eine schleichende Entmachtung von Ecclestone und der FIA. Jean Todt ließ sich darauf ein, weil er von den Rechteinhabern 40 Millionen Dollar dafür bekam.

Das Problem ist die Formel 1-Kommission

Ecclestone und Todt beruhigten sich damit, dass sie in der Strategiegruppe mit 12 von 18 Stimmen ein Übergewicht haben. Und sie haben darauf gesetzt, dass sich die Teams sowieso nie einigen können. Das Problem ist laut Ecclestone nicht so sehr die Strategiegruppe, sondern die Formel 1-Kommission selbst.

Es genügen acht Stimmen, um einen Vorschlag von Ecclestone und Todt abzuwürgen. "Und die Stimmen haben sich Mercedes und Ferrari gekauft. Wenn ihre Motorenkunden nicht so abstimmen wie sie wollen, heißt es bei der nächsten nicht pünktlich bezahlten Motorenrate: Ihr bekommt keine Motoren mehr." Da regiert vorauseilender Gehorsam.

Im Streit um das Qualifikationsformat haben die Drahtzieher eine weitere Schlacht gegen die Teams verloren. Obwohl sie da am längeren Hebel saßen. Ecclestone und Todt hätten den Wunsch der Teams, zum alten System von 2015 zurückzukehren, mit ihren 12 Stimmen in der Strategiegruppe blockieren können. Die von der FIA vorgeschlagenen Modifikationen des neuen Systems wäre zwar in der Formel 1-Kommission wegen der Einstimmigkeit der Teams durchgefallen, aber dann wäre es eben bei der Ur-Version des 2016er Modus geblieben.

Doch hier fiel Ecclestone und Todt der öffentliche Druck auf den Kopf. Sie wussten, dass weder die Fans noch die Medien den K.O.-Modus im 90-Sekunden-Rhythmus liebten. Sich stur dagegen zu stellen, hätte am Ende ihre Glaubwürdigkeit untergraben. So gaben sie am Ende klein bei und rangen den Teams das Versprechen ab, für 2017 konstruktiv ein neues Qualifikationsformat zu suchen. Was aber auch wieder nur mit Einstimmigkeit verabschiedet werden kann.

FIA sollte die Regeln schreiben

Für Bernie Ecclestone war die Qualifikation nur ein Nebenkriegsschauplatz. Ihm geht es um die Motoren. "Wenn wir nichts an den Regeln ändern, gewinnt Mercedes bis 2020. Das macht mir Sorgen. Die Fans haben diese Motoren nie geliebt. Meiner Meinung nach zerstören diese Motoren die Formel 1." Sein Problem: In dieser Frage fehlt ihm die Unterstützung der FIA. Jean Todt ist ein Verfechter der Hybrid-Technik, unter der Voraussetzung, dass sie billiger und für alle verfügbar wird.

Bei der Frage, wie man den Kopf aus der Schlinge ziehen soll, fährt Ecclestone zweigleisig. In einem ersten Schritt verbündet er sich mit der FIA, um in der Strategiegruppe ein Übergewicht zu bekommen. Sätze wie diese hörte man schon lange nicht mehr aus seinem Mund: "Die FIA sollte die Regeln schreiben und sie den Teams präsentieren. Nach dem Motto: Das sind die Regeln, und wem sie nicht gefallen, bleibt zuhause."

Bleibt die Hürde Formel 1-Kommission. Und die ist nur aus der Welt zu schaffen, wenn das bis 2020 laufende Concorde Abkommen vorzeitig aufgekündigt wird. Den meisten Teams wäre das Recht. Nur so besteht die Aussicht auf eine gerechtere Geldverteilung und eine Reform der Entscheidungsfindung. Dafür geben sie sogar ihre Macht auf. Selbst Red Bull-Teamchef Christian Horner sagt: "Die Regeln sollten allein von der FIA gemacht werden."

Bernies Trumpfkarte liegt in Brüssel

Ferrari würde einer vorzeitigen Vertragsauflösung nie zustimmen. Weil sie dann Angst haben müssten, dass ihre Sonderzahlungen und ihr Veto-Recht verloren gehen. "Wir könnten auch in einem neuen Vertrag verankern, dass Ferrari eine gewisse Sonderbehandlung zugestanden wird. Sie sind das Rückgrat der Formel 1", beschwichtigt Ecclestone.

Seine größte Trumpfkarte liegt in Brüssel. Force India und Sauber hatten im vergangenen Jahr Beschwerde bei der EU-Kommission eingereicht. Sie argumentieren mit Verletzung der Wettbewerbsgesetze, die am Ende dem Zuschauer schaden, weil immer die gleichen gewinnen. Das beschädigt das Produkt. Ecclestones Kommentar dazu lässt vermuten, dass ihm die Kampagne gelegen kommt: "Wenn die EU-Kommission wirklich an der Einhaltung der Wettbewerbsgesetze zweifelt, wäre das ein Weg den Vertrag vor 2020 zu zerreißen."

Die EU-Kommission hat sich inzwischen bei den Rechteinhabern gemeldet und Unterlagen angefordert. Jetzt liegt der Ball wieder bei Force India und Sauber. "Wir warten die Regelbeschlüsse am 30. April ab, danach geben wir der EU eine Antwort", verspricht Force India-Teamchef Bob Fernley. Und was, wenn sich Ecclestone und CVC gar nicht gegen die Vorwürfe wehren, weil es ihnen bei einem Neubeginn helfen würde? Auf diese Frage gibt es von Bernie nur ein verschmitztes Lächeln. Wer ihn kennt, weiß was das heißt.

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