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Effizienter als Red Bull

Force India bestes Team der Formel 1

Paul di Resta - Force India - Formel 1 - GP Kanada - 7. Juni 2013 Foto: xpb 33 Bilder

Alle reden von Red Bull, Ferrari oder Mercedes. Kaum einer von Force India. Dabei macht dieses Team mehr aus seinem Geld als der Rest. Nach sieben Rennen steht der Rennstall von Vijay Mallya auf Platz 5 der Rangliste. Gemessen am Entwicklungsetat macht Force India eine bessere Figur als Red Bull.

17.06.2013 Michael Schmidt

Dieses Team ist ein echter Underdog. So etwas wie der SC Freiburg in der Fußballball-Bundesliga. Gestatten, Force India, der Rennstall der beiden Inder Vijay Mallya und Subrata Roy. 320 Angestellte, 80 Millionen Euro Budget, Platz 5 in der Konstrukteurs-Wertung mit 51 Punkten.

Das Team der Namenlosen hat in diesem Jahr sogar McLaren abgehängt. Abgesehen von der Misere mit den Radmuttern beim GP Malayasia konnte Force India bei jedem Rennen punkten. Drei Mal sogar schon zweistellig. Und man wird das Gefühl nicht los, dass Adrian Sutil und Paul di Resta in diesem Jahr wenigstens noch ein Mal auf dem Podium stehen werden.

Gute Traktion als Markenzeichen

Der Force India VJM06 ist ein Auto ohne Schwächen. Die Ingenieure haben das einzige Manko des letzten Jahres abgestellt ohne dabei die starken Seiten beim Bremsen und bei der Traktion zu opfern. In den schnellen Kurven fehlte 2012 der Abtrieb. Jetzt ist man auch da bei der Musik. Di Resta wurde Siebter in Barcelona.

Die Domäne sind aber immer noch die Stop-and-Go-Kurse. Sutil fuhr in Monte Carlo aus eigener Kraft auf Platz 5. Di Resta kämpfte sich in Montreal von Startplatz 17 auf Rang 7 vor. Wenn der Schotte nur etwas weiter vorne gestartet wäre, hätte es vielleicht sogar für Nico Rosberg oder Mark Webber ungemütlich werden können.

Wie gutmütig das Auto ist, hat Sutil in Kanada demonstriert. Trotz eines schief stehenden Heckflügels verteidigte er sich tapfer gegen Felipe Massa und wurde am Ende noch Zehnter. Andere Autos wären mit so einem Handikap im Nirgendwo gelandet.

17 Mal weniger Entwicklungsetat als Red Bull

Force India zählt von seiner Größe her zu den Mittelfeld-Teams. Das Budget ist sogar kleiner als bei Sauber, Williams und Toro Rosso. Und höchstens die Hälfte dessen, was McLaren ausgibt. Red Bull setzt drei Mal so viel Geld ein.

Aber so darf man nicht rechnen, wenn man den finanziellen Aufwand mit den Punkten vergleicht. Die Kosten, das Auto zunächst einmal zu bauen und dann zu 19 Rennen zu bringen, sind für alle annähernd gleich. Red Bull darf auch nicht mehr als 60 Mitarbeiter an die Strecke mitbringen. Diese Einsatzkosten belaufen sich auf rund 70 Millionen Euro.

Der Rest ist Entwicklungsetat. Red Bull hat also 170 Millionen in der Hand, Force India 10. Demnach müsste Red Bull 17 Mal so viele Punkte auf dem Konto haben. Tatsächlich aber steht es nur 201:51. Der Faktor ist also 4.

Force India in Zahlen: 0, 13, 68, 69, 109

Seit dem Debüt des Rennstalls 2008 hat sich Force India ständig gesteigert. Von null auf 13 Punkte, dann 68, 69 und 109. Wetten, dass der Trend in diesem Jahr anhält? Wir haben noch nicht einmal die Hälfte der Saison rum, aber schon fast die Hälfte des letztjährigen Punktestandes.

Die Truppe um Technikchef Andy Green baut konstant unauffällige, aber schnelle Autos, die allesamt nett mit den Reifen umgehen. Deshalb zählt Force India-Sportchef Otmar Szafnauer auch zu den schärfsten Kritikern von Red Bulls Reifenpolitik. "Die haben im September 2012 die gleichen Reifenspezifikationen bekommen wie wir. Wenn sie jetzt für bestimmte Rennstrecken das falsche Auto haben, kann Pirelli nichts dafür. Dann hätten sie eben ein anderes Auto bauen müssen."

Force India macht aus wenig viel. Das Auto wird seltener als bei der Konkurrenz verändert, aber die Upgrades sind fast immer Volltreffer. "Wir kopieren viel, aber nur das was zu unserem Auto passt", sagt Szafnauer. Nicht, dass den eigenen Ingenieuren nichts einfallen würde. "Unser Budget zwingt uns dazu." Nichts passiert mit übertriebener Eile. Das vernetzte Fahrwerk befindet sich weiter in der Testphase. "Wir bringen es erst, wenn wir es voll beherrschen, und wenn es uns todsicher Vorteile bringt."

Fünf Jahre mit Mercedes

Auch strategisch trifft das Management meistens die richtigen Entscheidungen. Die Zusammenarbeit mit McLaren auf der Getriebe- und Hydraulikseite hat sich längst ausgezahlt. "Wir konnten uns auf die Aerodynamik konzentrieren. Das bringt Rundenzeit", doziert Szafnauer. In Zukunft kommt der komplette Antrieb von Mercedes. Force India hat sich für fünf Jahre abgesichert.

Die Mannschaft kennt sich seit langem. Es sind immer noch viele aus der alten Jordan-Zeit an Bord. Andy Green ist ein Mann der ersten Stunde. Er war einer von drei Ingenieuren, der 1991 den Jordan gebaut hat, mit dem Michael Schumacher sein Formel 1-Debüt feierte.

Es spricht nicht gerade für die großen Teams, dass sie auf der Jagd nach guten Ingenieuren immer bei ihresgleichen suchen. Vielleicht ist es auch Arroganz. Von abgeworbenen Force India-Ingenieuren liest man selten. Wahrscheinlich, weil das Team keiner Ernst nimmt.

In unserer Bildergalerie haben wir noch einmal die Highlights aus der F1-Geschichte von Force India.

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