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Auspuffkrieg: Red Bull vs. McLaren

Red Bull bekommt Spezialbehandlung

Red Bull - GP England Foto: dpa 24 Bilder

Update ++ Der Auspuffkrieg geht weiter. Die FIA gestattet Renault und damit auch Red Bull eine Sonderregelung beim Auspufftrick. Renault darf die Drosselklappen zu 50 Prozent öffnen. Davon profitiert auch die Aerodynamik. Die Mercedes-Teams wurden mit der kurzfristigen Ankündigung ins kalte Wasser geworfen.

08.07.2011 Michael Schmidt

Bis zum Donnerstag (7.7.) blieb die FIA hart. Trotz intensiver Lobbyarbeit der Teams und Motorhersteller machte der Weltverband den Motorenbauern nur kleine Zugeständnisse bei der Frage, welche Einstellungen in der Phase erlaubt sind, wenn der Fahrer vom Gas geht. Das waren zehn Prozent Öffnung der Drosselklappen (Renault, Ferrari) beziehungsweise der Walzenschieber (Mercedes, Cosworth) und das Zünden von vier der acht Zylinder.

Damit war ausgeschlossen, dass der Unterboden bei null Gaspedalstellung aktiv angeblasen werden kann. Die Motorkonstrukteure argumentierten mit Standfestigkeitsproblemen, sollte im Schleppbetrieb gar nichts erlaubt sein.

Zur besseren Einschätzung der Lage forderte die FIA die Motorkennfelder der Saison 2009 an. Diese Werte sollten die Basis für eine Neueinstufung sein. Renault kramte Daten hervor, die zeigten, dass damals schon die Drosselklappen bis zu 50 Prozent geöffnet blieben und dass man auf sechs statt vier Zylinder eingespritzt und gezündet hat. Das wurde jedoch nur ganz selten praktiziert. In der Regel lag das Öffnen unter 20 Prozent.

FIA informiert Teams über Sonderregel

Am Freitagmorgen spitzte sich die Lage in Silverstone zu. Red Bull und Renault hatten alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die FIA umzustimmen. Es soll sogar Präsident Jean Todt kontaktiert worden sein. "Wir haben es vor Trainingsbeginn nur als Gerücht gehört, dass Red Bull und Renault die Drosselklappen um 50 Prozent öffnen und mehr als vier Zylinder zünden dürfen", berichtet McLaren-Chef Martin Whitmarsh.

Um 9.17 Uhr war es offiziell. "Mitten im Training kam die offizielle Mitteilung der FIA, dass man Renault erlaubt, was sie gefordert haben." Der McLaren-Chef spricht von Wettbewerbsverzerrung. "Wir sind nie mit einer derartigen Öffnung gefahren. Bei uns wird der Gaswechsel über Walzenschieber gesteuert. Selbst wenn wir jetzt 50 Prozent öffnen dürfen, hätten wir keinerlei Erfahrungswerte damit. Wir würden ins kalte Wasser geworfen."

Das Zugeständnis an die Renault-Kunden wäre ein klarer Wettbewerbsvorteil für Red Bull, Lotus und den ehemaligen Werksrennstall. "Ab 30 Prozent Öffnung der Drosselklappen im Schleppbetrieb bringen die Auspuffgase auch einen aerodynamischen Vorteil", bestätigt Williams-Technikchef Sam Michael. Das hieße: Red Bull hätte ihn, Konkurrent McLaren nicht. "Da sind wir ja schlechter dran als vorher", schimpft Whitmarsh. "Red Bull profitiert substanziell von der neuen FIA-Direktive."

Horner kontert McLaren-Vorwürfe

Red Bull-Teamchef Christian Horner sieht die Sache verständlicherweise etwas anders. Er argumentiert, dass der Renault-Motor die strittigen Drosselklappeneinstellung für die Zuverlässigkeit braucht. Schon vor der Einführung des angeblasenen Diffusors sei man mit diesem Einstellungen unterwegs gewesen.

"Die Interpretation von McLaren ist interessant", so Horner. "Mercedes hat in der Vergangenheit ähnlich argumentiert, wenn es um Motorfragen ging. Die Daten von 2009 und 2010 sind offen verfügbar. Es gibt zwei Gründe für die Öffnung der Drosselklappe. Einmal hilft es beim Runterschalten und zweitens nützt es der Haltbarkeit. Wir erwarten, dass die FIA so etwas fair regelt. Mercedes wurden schon gewissen Zugeständnisse gemacht. Jetzt eben auch Renault. Wir sind auch nicht komplett zufrieden mit den Regeln, die wir jetzt haben."

Direkter Schlagabtausch bei der FIA-Pressekonferenz

Auf dem Podium der FIA-Pressekonferenz gingen die beiden Teamchefs auf Konfrontationskurs. Whitmarsh hielt seinem Konkurrenten vor, dass die Ausnahmeregel ein zu großer Vorteil sei und von der FIA zu kurzfristig eingeführt wurde. Horner hielt dagegen, dass die FIA den Mercedes-Teams mit dem so genannten "Fired-Over-Run" - dem Nachzünden des Motors beim Gaswegnehmen - ebenfalls entgegengekommen sei.

Die ganze Diskussion, bei der die Beteiligten mit vielen technischen Fachbegriffen um sich warfen, sorgte bei den Zuhörern für Ernüchterung. "Was ein Chaos. Ich habe kein Wort von dem verstanden, was die beiden da geredet haben", grinste der ebenfalls anwesenende Lotus-Teamchef Tony Fernandes. "Den Fans geht es wohl genauso. Wir müssen die Grauzonen aus dem Sport eliminieren. Es muss klare Regeln - schwarz oder weiß - geben."

Unnötiger Streit während der Saison

Einig waren sich die drei Teamchefs nur in einem Punkt. "Man hätte die ganze Diskussion nach dem Ende der Saison führen müssen. Die Regeländerung während der Saison ist unglücklich", übten die Teamchefs Kritik an der Regelwut der FIA. Über den aktuellen Sinneswandel des Sportverbands können auch Experten nur spekulieren. Eine offizielle Stellungnahme gibt es noch nicht. Es ist gut möglich, dass Red Bull und Renault mit einer Klage vor Gericht gedroht haben.

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