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Emerson Fittipaldi

Monza 1972 Fittipaldi, Champion du Monde

Emerson Fittipaldi Foto: Daniel Reinhard 11 Bilder

Motorsportlegenden erzählen für auto-motor-und-sport.de die Geschichte ihres besten Rennens: Emerson Fittipaldi erinnert sich an Monza 1972 - das Rennen, bei dem er trotz vieler Widrigkeiten den ersten seiner zwei WM-Titel gewann.

03.01.2012 Michael Schmidt

Mein Sieg in Zeltweg 1972 hatte mich in die Position gebracht, beim nächsten Rennen in Monza den WM-Titel für mich zu entscheiden. Am Mittwoch vor Monza hat mich unser Teammanager Peter Warr im Hotel in Mailand angerufen und gefragt, ob ich Italienisch spreche. Er erzählte mir, dass wir ein massives Problem hätten. Der Teamtransporter habe sich auf der Autobahn zwischen Turin und Mailand überschlagen und mein Rennauto liege in Einzelteilen im Gras. Das war um zehn Uhr abends.

Warr bat mich, zur Unfallstelle zu fahren, um die Angelegenheit mit der Polizei zu regeln. Ich bin sofort los, aber als ich ankam, bot sich mir ein Bild der totalen Zerstörung. Mein Lotus war ein Trümmerhaufen. So begann das wichtigste Rennwochenende meines Lebens. Das Rennen, bei dem ich die Weltmeisterschaft gewinnen oder verlieren konnte. Der Unfall brachte die ganze Einsatzplanung durcheinander. Lotus musste ein neues Auto nach Italien schicken, und ich wurde ins Ersatzauto gesetzt.

Keine guten Erinnerungen an Monza

Freitag und Samstag lief es ganz ordentlich, trotz der Anspannung, die im Team herrschte. Ich stand in der dritten Startreihe. Mein großer WM-Rivale Jackie Stewart nahm schräg vor mir Aufstellung. Unser Chef Colin Chapman war extrem nervös. Monza hielt für ihn keine guten Erinnerungen bereit. Zwei Jahre davor war Jochen Rindt in einem Lotus dort gestorben. Colin kam das erste Mal wieder seit dem Unfall nach Monza. 1971 war er zu Hause geblieben aus Angst, die Staatsanwaltschaft könnte ihn verhaften.

Auch ich hatte keine so tollen Erinnerungen an die Strecke. Einen Tag vor Jochens Tod überlebte ich mit sehr viel Glück einen unglaublichen Unfall. Ich musste ein brandneues Auto für Jochen einfahren. Vor der Parabolica schaute ich in den Spiegel und sah Jack Brabham näherkommen. Als ich wieder auf die Straße blickte, war ich schon 100 Meter jenseits meines Bremspunktes. Ich bin voll in die Eisen, die Vorderräder haben blockiert.

Dann bin ich an Ignazio Giuntis Ferrari aufgestiegen. Mein Auto hat sich in der Wiese überschlagen, ist auf die alte Steilkurve dahinter gekracht und dort auch noch drüber weg in die Bäume. Mir war nichts passiert. Ich bin zu Fuß zurück an die Boxen und habe Colin den Unfall gebeichtet.

Mit 315 km/h über die langen Geraden

1972 war das erste Rennen in Monza mit Schikanen. Zum Glück. Die alte Strecke war verrückt. Die Autos wurden immer schneller, man fuhr im Zentimeterabstand im Windschatten. Wir hatten keine Flügel drauf, damit praktisch null Abtrieb. In den Bremszonen wurden die Autos ganz leicht. Wir haben später anhand der Getriebeübersetzungen ausgerechnet, dass wir auf den Geraden damals schon 315 km/h erreicht haben. Die Schikanen haben Monza viel sicherer gemacht.

Dann kam der Sonntag und das Warmup. Als ich zu den Boxen zurückfuhr, spürte ich etwas Kaltes an meinem Rücken herunterlaufen. Der Tank hatte ein Leck, und Benzin lief ins Cockpit. Wir mussten erst das ganze Benzin abpumpen, bevor wir den Tank austauschen konnten. Dazu hatten wir zwei Stunden Zeit. Die Hektik war unbeschreiblich. Wir wussten lange nicht, ob ich überhaupt am Rennen teilnehmen können würde.

Ich saß im Motorhome und dachte: Was habe ich nur falsch gemacht? Erst der Crash mit dem Transporter, jetzt das Benzinleck: Was wird mich im Rennen erwarten? Der Druck war unglaublich. Die Mechaniker haben in der Hitze geschwitzt und ihre Arbeit in dem Augenblick beendet, als unsere Konkurrenten ihre Autos schon auf den Startplatz schoben. Auf dem Startplatz haben wir noch den Sprit eingefüllt. Es war das perfekte Timing. Eine Minute mehr, und ich wäre nicht gefahren.

Konkurrent Jackie Stewart im Pech

Ich versuchte, in dem ganzen Chaos cool zu bleiben und mich auf den Titelkampf zu konzentrieren. Dann kam der Start. Aus dem Augenwinkel sah ich, wie Jackie Stewart ganz langsam losrollte. Ihm war beim Start die Kupplung durchgebrannt. Es war ein Gefühl der Befreiung. Plötzlich spielte uns das Schicksal, das es bis dahin so schlecht mit uns meinte, ein Geschenk zu. Ich wusste: Ab jetzt kann dir nichts mehr passieren. Ich musste nur noch irgendwie ins Ziel kommen.

Das Auto lief gut - immer besser, je länger das Rennen dauerte. Dazu stand das Glück auf meiner Seite. Die Ferrari vor mir fielen aus, und als ich als Sieger abgewunken wurde, war es das unglaublichste Gefühl, das man sich vorstellen kann. In den letzten drei Runden lief vor meinen Augen noch einmal der Film meiner ganzen Karriere ab. Ich würde Weltmeister werden. In Monza. Mit einem Sieg.

Hauptsponsor schmeißt Fittipaldi-Party

Den Moment, als mir Colin Chapman die Kappe auf der Ziellinie entgegenschleuderte, habe ich heute noch im Gedächtnis, als wäre es gestern gewesen. Am Abend gab es eine große Party mit Leuten von der brasilianischen Regierung. Es war ja das erste Mal, dass ein Brasilianer Formel 1-Weltmeister wurde.

Ich hatte zu der Zeit einen persönlichen Werbevertrag mit Café do Brasil. Das Kaffeeinstitut mit seinem Hauptsitz Mailand hatte uns eingeladen. Um zehn Uhr abends ging es los. Um drei Uhr morgens bin ich ins Auto gestiegen und nach Hause gefahren. Ich lebte damals in Lausanne. Als ich im Morgengrauen dort ankam, musste ich an einer Ampel halten und sah an einem Zeitungsstand die große Schlagzeile auf Französisch: Fittipaldi, champion du monde. Da habe ich gewusst: Es stimmt. Du bist nicht aus einem Traum aufgewacht.

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