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Endlich vor Ricciardo

Wende für Sebastian Vettel?

Sebastian Vettel - GP Singapur 2014 Foto: Wilhelm 24 Bilder

Sebastian Vettel atmet auf. Zum ersten Mal seit dem GP Deutschland kam er wieder vor Teamkollege Daniel Ricciardo ins Ziel. Und das auf einer Strecke, die Ricciardo eigentlich einer Trumpfkarte in die Hände spielen sollte. In Singapur spielt der Reifenverschleiß die entscheidende Rolle. War das schon die Wende?

23.09.2014 Michael Schmidt

Sebastian Vettel streckte bei der Zieldurchfahrt die Faust aus dem Cockpit. Was zeigt, wie gut ihm der zweite Platz von Singapur getan hat. Im letzten Jahr wäre ein zweiter Platz noch eine Niederlage gewesen. Jetzt fühlte er sich wie ein kleiner Sieg an. Weil es das beste Saisonergebnis war. Weil er endlich seine ersten Führungskilometer in diesem Jahr verbuchte. Und vor allem, weil er vor Daniel Ricciardo ins Ziel kam. Zum dritten Mal überhaupt, zum ersten Mal seit dem GP Deutschland.

Da ließ sich auch die Trainingsniederlage gegen den Australier verschmerzen. Obwohl sie besonders weh tat und Vettel sich auch besonders darüber ärgerte. Singapur ist seine Spezialstrecke. Da konnten es in der Vergangenheit eigentlich nur Fernando Alonso und Lewis Hamilton mit ihm aufnehmen.

In den 23 Kurven des Marina Bay Circuit fuhr er Ricciardos Vorgänger Mark Webber regelmäßig an die Wand. Vettel hatte für die 48 Tausendstel, die ihm auf Ricciardo fehlten, nur eine Erklärung: "Ich habe in meiner Runde zu viele Fehler gemacht." Der Weltmeister zählte sie alle auf. In sieben Kurven blieb Zeit liegen.

Vettel hinter Ricciardo gestartet, vor ihm ins Ziel

Der Grund war immer der gleiche. Zu viel attackiert. Das trieb die Oberflächentemperatur der Hinterreifen in die Höhe. Bezahlt wurde eine Kurve später mit reduziertem Grip. Das alte Lied also. Vettels Qualifikations-Problem ließ für das Rennen nichts Gutes ahnen. Da potenzieren sich solche Fehler in starkem Reifenabbau. Man musste aus Vettels Sicht fürchten, dass Ricciardo im Rennen erst recht seine Trumpfkarte ausspielt, die in dieser Saison schon sechs Mal gestochen hat: Der sanftere Umgang mit den Reifen.

Doch diesmal kehrte sich das Bild der letzten Rennen um. Da war Vettel immer vor Ricciardo gestartet und kam hinter ihm ins Ziel. Diesmal schaute er im Training in Ricciardos Getriebe und landete im Rennen vor ihm.

Schon beim Start hatte Vettel die Reihenfolge korrigiert. Dann tat ihm Alonso den Gefallen, sich als Puffer zwischen Vettel und Ricciardo zu schieben. Der Ferrari-Pilot war an allen vorbeigesegelt, hatte dabei aber die Auslaufzone der ersten Kurve benutzt und musste seinen zweiten Platz wieder herschenken, um einer Strafe zu entgehen.

Mit dem ersten Reifensatz fuhr der Weltmeister einen Vorsprung von 9,1 Sekunden auf den Stallrivalen heraus. So konnte Red Bull beide Fahrer in der gleichen Runde zum ersten Reifenwechsel an die Box holen. Im zweiten Stint deutete sich das alte Problem wieder an. Ricciardo fuhr zwei Runden länger. Und er hatte seinen Rückstand auf Vettel auf 5,9 Sekunden verkürzt.

Es gehört zu den vielen Rätseln, dass Vettel mit dem Reifenverschleiß größere Probleme bekommt, je weniger Benzin im Tank ist. Normalerweise sollte es umgekehrt sein. Mit einem schweren Auto ruiniert man sich leichter die Reifen, wenn man zu wild fährt.

Vettel ließ Hamilton ziehen. Der Reifen zuliebe

Die Safety-Car-Phase und Alonsos Boxenstopp in der Neutralisation brachte die beiden Red Bull wieder zusammen. Vettel und Ricciardo erfuhren von ihrem Kommandostand, dass sie mit ihren Reifen durchfahren müssten. "Als ich das hörte, konnte ich mir nicht vorstellen, wie das gehen soll", gab Vettel zu. In seinem Fall mussten die Reifen 35 Runden überstehen. Bei Ricciardo zwei Umläufe weniger. Das roch nach einer Wiederholung des Szenarios der letzten Rennen. Da machte der Australier dank frischerer Reifen Plätze und Zeit auf Vettel gut.

Nach dem Re-Start vergrößerte Vettel seinen Vorsprung auf seinen Teamkollegen bis auf 4,6 Sekunden in der 48 Runde. Es war die Phase, in der Ricciardo am meisten unter seinen Batterieproblemen litt. Zeitweise gab die Batterie keine Leistung frei. Wenn er aufs Gas stieg, wurde das Turboloch nicht richtig gefüllt. Das kostete bis zu vier Zehntelsekunden pro Runde. In den letzten 12 Runden begann der Sturmlauf des WM-Dritten. Immer mit Alonso im Nacken. In Runde 56 lagen die Red Bull-Piloten wieder direkt hintereinander.

Diesmal wusste sich Vettel zu verteidigen. Obwohl sein Verfolger DRS einsetzen konnte. Er hatte keinen Reifengummi geopfert, als ihn Lewis Hamilton von der Spitze verdrängte. "Es wäre sinnlos gewesen. Lewis war mit seinen frischen Reifen viel schneller." Für Vettel könnte Singapur der Wendepunkt gewesen sein. Nicht nur aus psychologischer Sicht. Die Lektionen auf einer Strecke, die kritisch für den Reifenverschleiß ist, können sich auch anderswo auszahlen. Und mit Suzuka folgt eine weitere Spezialstrecke für den Titelverteidiger.

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