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Erste Runde im Sochi-Autodrom

Trackwalk durch die Rekord-Kurve

Streckenrundgang - Trackwalk - GP Russland - Sochi - Formel 1 2014 Foto: ams 79 Bilder

Das Sochi Autodrom ist die neueste Rennstrecke in Bernie Ecclestones GP-Kalender. auto motor und sport hat sie bereits 4 Tage vor dem ersten GP Russland aus der Nähe getestet. Natürlich zu Fuß. Nach 5.853 Metern kommen wir zu dem Urteil: Eine typische Strecke vom Reißbrett.

08.10.2014 Michael Schmidt

Alles beginnt um 13.03 Uhr Ortszeit. Kollege Tobias Grüner und ich stellen uns an der Zielgeraden auf und nehmen 5.853 Meter Asphaltband in Angriff. Fernando Alonso ist wieder mal schneller als wir. Er ist eine Viertelstunde vor uns losmarschiert.

Wenn wir wie die Fahrer beim Start nach vorne schauen, sehen wie rechts die Olympiabauten. Und links davon einen Nachbau der Basilius-Kathedrale vom roten Platz in Moskau. Ein Blick zurück zeigt uns den Kaukasus, der erstaunlich nahe liegt. Die Zielgerade macht auf der Hälfte des Weges einen Rechtsbogen, der uns an die Curva Grande in Monza erinnert. Zur Mauer nach links sind genau drei Meter Platz.

Auf der rechten Seite taucht plötzlich die Boxenausfahrt auf. Die Beschleunigungsspur ist gut 400 Meter lang durch eine weiße Linie von der Strecke abgetrennt, die deshalb aber nicht breiter wird. Wenn da drei Autos nebeneinander durch den blinden Rechtsbogen fliegen und gleichzeitig einer aus der Box kommt, muss einer zurückstecken. Sonst kracht es.

630 Meter Anlauf bis zum ersten Bremspunkt

Nach 1.050 Meter Vollgas beim GP Russland kommt der erste Bremspunkt. Vom Start bis dorthin sind es 630 Meter. Der längste Anlauf, den es im Kalender gibt. Wer da bei 330 km/h ein Problem bekommt, hat exakt 62 Meter Auslauf, bevor er auf eine fünflagige Tecpro-Barriere trifft. Wir haben es genau ausgemessen.

Hinter dem ersten Bremspunkt beginnt die 300 Meter lange Omega-Kurve, die in einem gleichbleibenden Radius um den Olympiavorplatz mit der großen Fackel herum führt. Am Scheitelpunkt ist die Kurve 280 km/h schnell. Sechs Sekunden lang liegen 3,4 g an. Wir als Fußgänger spüren nichts davon. An uns joggt Safety-Car-Fahrer Bernd Mayländer vorbei. Außen gibt es exakt zehn Meter Platz, dann wieder Tecpro. "Es ist genau der Auslauf, den die Simulationen zwingend vorschreiben", erklärt FIA-Rennleiter Charlie Whiting.

Wenn die Kurve die Autos ausspuckt, wartet eine scharfe Rechtskurve auf die Fahrer. Die Kerbs auf der Innenseite sind generell erstaunlich flach. Gut um drüberzuräubern. Dann führt die Strecke mit drei 400 Meter langen Geraden und drei 90 Grad-Kurven rechts um den imposanten Bolshoy-Eispalast herum. Er steht auf einem Erdwall über der Strecke. An den Grünflächen rundherum ergeben sich Zuschauerplätze mit einem guten Überblick. Die Fans können hier im Gras sitzen.

GP Russland mit 11 Kurven im 90-Grad-Winkel

Die zweite der drei kurzen Geraden führt parallel zum Schwarzmeer-Strand. Leider sieht man das Wasser nicht. Wie überhaupt die Sicht aus Fahrerperspektive immer die gleiche ist. Links Mauern, rechts Mauern und oben drauf immer der unvermeidliche FIA-Zaun. 11 Kurven weisen einen Winkel von 90 Grad auf. Vielfalt sieht anders aus. Doch Architekt Herman Tilke waren die Hände gebunden. Die Olympiabauten gaben ihm die Streckenführung vor.

Nach der Umrundung des Bolshoy-Eispalasts biegt die Strecke in einer Doppel-Linkskurve ab und dann noch einmal nach rechts bevor sie in die lange Gegengerade mündet. Sie führt nicht schnurgerade auf die Schikane zu, sondern in einem langen Rechtsbogen, gefolgt von einer ultraschnellen Linkskurve. Am Ende wird laut Brembo in 101 Metern und 1,86 Sekunden von 306 auf 116 km/h heruntergbremst. Die Verzögerung beträgt 5,1 g.

Maximal 2 Meter Höhenunterschied

Der Schikane folgt eine Mini-Gerade, die tatsächlich minimal bergaufführt. Wir schätzen: Zwei Meter Höhenunterschied. In einer Links-Rechts-Kombination geht es die gleiche Distanz wieder bergab. Hier führt die Strecke bereits um das Fahrerlager herum. Wieder mit ausschließlich rechtwinkligen Kurven.

Das Sochi Autodrom kann den Eindruck einer Retortenpiste nicht verscheuchen. Ein Mix aus Abu Dhabi, Valencia, Yeongam und Bahrain. Offenbar müssen Rennstrecken heute so aussehen. Nur noch Stadtkurse und die Dinosaurier Monza, Spa oder Suzuka fallen aus dem Rahmen.

Halten wir uns deshalb an die nackten Zahlen. Der Top-Speed beim GP Russland wurde mit 330 km/h berechnet, die langsamste Kurve (T13) mit 88 km/h. Lotus kalkuliert mit einer Rundenzeit von 1.42,5 Minuten. Es gibt 12 Bremspunkte. Die Fahrer stehen 10 Prozent der Rundenzeit auf der Bremse. Also kein Problem, mit der MGU-K Energie zu rekuperieren. 54 Prozent der Runde geben die Fahrer Vollgas. Die Simulation verspricht 72 Gangwechsel.

Sochi erwartet zur Premiere 55.000 Zuschauer

Auf den Tribünen finden 52.000 Besucher Platz. Dazu gibt es noch 3.000 Plätze auf den Grünflächen rund um das Stadion. Im Augenblick sind nur die 2,2 Kilometer rund um das Fahrerlager permanente Rennstrecke. Es laufen aber Verhandlungen dafür, die gesamten 5.853 Meter ganzjährig für Rennen zu sperren.

Auch ein Nachtrennen ist im Gespräch. Bernie Ecclestone will schon 2015 bei Nacht in Russlands Sommerfrische fahren. Berater Richard Cregan wäre begeistert: "Bei Nacht bekommt der Platz richtig Leben. Dann werden die Gebäude und die Stadien angestrahlt, was einen ganz besonderen Zauber ausmacht."

In unserer Bildergalerie nehmen wir Sie mit auf die erste Runde auf dem Sochi Autodrom. Wir zeigen Ihnen die längste Kurve im Rennkalender und verraten, wo das einzige Kiesbett auf der Strecke versteckt ist.

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