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Erste Runde in Austin

Kommen Sie mit auf die Texas-Achterbahn!

Circuit of the Americas - Austin - 2012 Foto: Grüner 56 Bilder

Der Circuit of the Americas ist für die Formel 1-Piloten Neuland. Für die auto motor und sport-Redakteure Tobias Grüner und Michael Schmidt nicht mehr. Wir haben für Sie die erste Runde zu Fuß zurückgelegt und unterwegs auch die beiden Ferrari-Piloten Fernando Alonso und Felipe Massa getroffen. Drehen Sie mit uns eine Runde in Austin.

14.11.2012 Michael Schmidt

Es war ein sportlicher Mittwoch für die auto motor und sport-Redakteure Tobias Grüner und Michael Schmidt: 5.516 Meter Rennstrecke. 20 Kurven, elf links, neun rechts. 414 Stufen. 41 Höhenmeter auf der Strecke und 77 auf dem VIP-Turm. Dazu jede Menge Fotos und eine Streckenbeschreibung von Felipe Massa, das alles verpackt in zwei Stunden und drei Minuten. Viel Spaß!

Um 13:14 Uhr beginnen wir bei strahlendem Sonnenschein und gefühlten 25 Grad unseren Streckenrundgang. Tatsächlich ist es höchstens 20 Grad warm. Es weht ein kühler Wind. Vor uns baut sich eine Wand auf. Nein, nicht die Eiger-Nordwand, sondern nur ein Stück Straße, das sich in den Himmel schraubt und hinter einer Kuppe verschwindet.

Von der Pole Position bis zum Einlenkpunkt von Turn 1 sind es 250 Meter. Ein Viertelkilometer, bei dem es nur bergauf geht. 41 Meter Höhenunterschied auf 250 Meter. Wir scherzen noch, dass die Red Bull da mit dem vorderen Teil ihres Unterbodens auf dem Asphalt aufsetzen werden, so stark wie die Autos nach vorne angestellt sind.
 
In der Steigung treffen wir Johnny Herbert, der für den englischen Privatsender Sky das Layout erklärt. Uns erzählt er: "Die Strecke ist hier so breit, dass da keiner der Versuchung widerstehen kann, nach innen reinzuziehen. Aber aufgepasst, Wenn du spät bremst und über die Kuppe schon drüber bist, wird dir das linke Vorderrad stehenbleiben. Das kann beim Start ganz eng werden."
 
Als wir den Hügel erklommen haben, bietet sich uns ein toller Blick auf die Boxengasse und das Fahrerlager. Am Horizont zeichnet sich die Skyline von Austin ab. Im Fünfminutentakt schweben Flugzeuge auf den nahegelegenen Flughafen der 13. größten Stadt der USA ein.

Startcrash in Austin?

Gleich nach dem Scheitelpunkt führt die Strecke wieder steil bergab. Wir sind uns einig, dass es hier am Sonntag krachen wird. Das Layout mit dem extrabreiten Kurveneingang schreit nach wilden Manövern. Aber Vorsicht. Alle werden versuchen, nach innen zu ziehen, und wer hier abkürzt, dem geht am Kurvenausgang möglicherweise die Straße aus. Vielleicht sollten sich die Fotografen lieber an den Kurvenausgang stellen, wenn sie auf Unfallfotos scharf sind.
 
In Kurve 2, die das Geschlängel einleitet, überholt uns Fernando Alonso. Er strampelt sich mit seinem Physio auf einem Mountainbike ab. Ganz langsam, um sich jeden Zentimeter Strecke einzuprägen. Von seinem WM-Gegner Sebastian Vettel ist nichts zu sehen.

Ab Kurve 3 eröffnet sich uns ein Blick über den ersten Teil der S-Kurven, die der ersten Passage von Suzuka nachempfunden sind. Im Gegensatz zu dem japanischen GP-Kurs stehen die Leitplanken meilenweit weg, und die Straße ist nicht von einem Grasstreifen eingerahmt, sondern von farbigen Asphaltflächen. Aus der Cockpitperspektive wird es unheimlich schwierig sein, in dem Meer aus Farben die Scheitelpunkte herauszufiltern.

Austin macht den Piloten Spaß

Die Kurven 2, 3, 4 und 5 sind ultraschnell. Wir können uns jetzt schon die Kommentare der Fahrer vorstellen. Sie lieben schnelle Kurven und werden ins Schwärmen geraten. Fehler werden im Gegensatz zu Suzuka nicht bestraft. Bevor das erste Kiesbett droht, sind erst einmal 50 Meter Asphalt auf beiden Seiten da, um Geschwindigkeit abzubauen.

Die letzten beiden Kurven des Geschlängels sind enger gezogen. Und die Strecke steigt in dem Bereich wieder stark an. Kurve 8 liegt in der Steigung und mündet auf der Kuppe in den Linksknick der Kurve 9.

An jetzt geht die Strecke wieder bergab zur Haarnadel, dem Punkt, der von den Boxen am weitesten entfernt ist. Daran schließt sich das längste Geradeausstück der Strecke an. Genau einen Kilometer lang, leicht ansteigend und leicht nach rechts gebogen. Die DRS-Zone ist hier 650 Meter lang und die Straße breit genug, dass drei Autos nebeneinander Platz haben.

Die beste Überholstelle der Strecke mündet in einer Art Motodrom. Kurve 12 bis Kurve 15 sind entweder erster oder zweiter Gang. Dagegen ist das Motodrom von Hockenheim richtig schnell. Der langsamste Teil des Circuit of the Americas geht nach einer 150 Meter kurzen Geraden in einen langen Rechtsbogen mit drei Scheitelpunkten über. Eine Kopie von Kurve 8 in Istanbul, nur anders herum.

414 Stufen, die sich lohnen

Am Kurvenausgang entdecken wir eine Öffnung in der Leitplanke, die uns zu einem Turm führt, der am GP-Wochenende für VIPs reserviert sein wird. Weil wir am Vorabend in San Antonio ein paar Bier im Pub vernichtet haben, beschließen wir zu laufen. Kollege Grüner zählt 414 Stufen, bis wir in luftiger Höhe angekommen sind.

Ein Mitarbeiter der Rennstrecke klärt uns auf, dass wir uns auf 250 Fuß Höhe befinden. Wir rechnen schnell nach: Das sind 77 Meter. Oben sehen wir, dass es auch einen Aufzug gegeben hätte. Kollege Grüner schaut mich etwas vorwurfsvoll an. Zwei Fotografenkollegen halten uns für verrückt. Egal. Oben werden wir mit einer gigantischen Aussicht belohnt. In der Fotoshow können Sie den Circuit of the Americas aus der Vogelperspektive bewundern.

Zu Fuß geht es wieder runter. Wir haben schon von oben gesehen, dass ein Ferrari FF in langsamer Fahrt den Kurs umrundet. Zuerst denken wir, Alonso habe vom Fahrrad auf das Auto umgesattelt. Doch als uns der Ferrari unten auf der Strecke überholt, sehen wir, dass Felipe Massa am Steuer sitzt. Weil kurzfristig unsere Kamera streikt, laufen wir in die vorletzte Kurve, ein 180 km/h schneller Linksknick, um Massa bei der nächsten Vorbeifahrt zu fotografieren.

Mit Massa wieder rauf auf den Turm

Doch dann sehen wir, dass der Ferrari genau an der Leitplankenöffnung abbiegt, die zu dem Turm führt. Damit ist klar. Massa und seine Begleiter wollen auch auf den Turm. Wir hetzen wieder zurück. Die Chance dürfen wir uns nicht entgehen lassen. Ich lasse mich von Kollege Grüner überreden, dass wir diesmal den Aufzug nehmen. Tatsächlich stehen oben Felipe Massa, sein Bruder, Renningenieur Rob Smedley und ein weiterer Ferrari-Mitarbeiter.

Massa erklärt sich sich sofort bereit, für uns aus der Vogelperspektive die Strecke zu analysieren, die er vorher schon drei Mal mit dem Auto umrundet hat. Was genau der Ferrari-Pilot erzählt hat, lesen Sie in Massas Austin-Analyse. Als Kollege Grüner den Brasilianer bittet, sich auf die Glasplatte im Boden der Plattform zu stellen, schreckt Massa zurück: "Nein, lieber nicht. Das Ding hier ist gerade gebaut worden. Wer weiß, ob das auch hält."

Als wir unten wieder angekommen sind, fehlen uns noch zwei Kurven, bis wir wieder auf die Zielgerade einbiegen. Bei unserer persönlichen Zieldurchfahrt malen Arbeiter gerade den Zielstrich auf den Asphalt. Wir stoppen eine Zeit von 2.03 Stunden. Zugegeben nicht gerade rekordverdächtig. Dafür haben wir viele gute Ausreden und Fotos.

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