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EU-Kommission als Formel 1-Retter

Nie mehr eine Piratenserie

Vettel & Räikkönen - GP Bahrain 2015 Foto: xpb 18 Bilder

Der frühere FIA-Präsident Max Mosley wurde für seine Forderung, die aktuellen Formel 1-Verträge zu zerreissen und bei Null zu beginnen, von den Topteams kritisiert. Ferrari drohte sogar damit, dass man in diesem Fall eigene Wege gehen würde. Nach Meinung von Mosley ein unrealistisches Szenario.

29.04.2015 Michael Schmidt

Im Vorfeld des GP Bahrain hatte der frühere FIA-Präsident Max Mosley in der englischen Tageszeitung "The Telegraph" gefordert: "Die Formel 1 muss ihre Verträge zerreissen und bei Null beginnen, wenn sie nicht implodieren will. Sie braucht eine gerechtere Geldverteilung und eine Senkung der Kosten." Der Spruch des gelernten Rechtsanwaltes kam bei den Topteams nicht gut an.

Ferrari und Mercedes gegen Mosley-Forderung

Mercedes-Teamchef Toto Wolff antwortete im Rahmen der FIA-Pressekonferenz in Bahrain auf Mosleys Rettungsvorschlag: "Das ist ein unrealistisches Szenario. Der Vertrag existiert. Du kannst glücklich oder unglücklich darüber sein, aber wenn du etwas Besseres willst, musst du bis zum nächsten Mal warten." Also 2020, dem Ablaufdatum des Finanzvertrages zwischen den Teams und Bernie Ecclestone.

Ferrari-Rennleiter Maurizio Arrivabene ging sogar noch einen Schritt weiter: "Wenn Max den Vertrag brechen möchte, dann frage ich ihn, was er dann ohne Teams wie Mercedes und Ferrari tun will. Er könnte eine komische Meisterschaft ohne uns organisieren und das Geld so verteilen wie er will." Mit anderen Worten. Ferrari droht beim Verlust seiner Sonderrechte damit, auszusteigen oder in einer eigenen Meisterschaft zu fahren.

FIA könnte die Rennstrecken sperren

Max Mosley hält das für eine leere Drohung. "Ein Wunschdenken, das nie eintreten wird." Tatsächlich ist der augenblickliche Vertrag mit den Sonderkonditionen für die privilegierten Rennställe aus der Angst heraus entstanden, dass die großen Teams sich abspalten und eine Piratenserie starten. Inzwischen hat auch Bernie Ecclestone gemerkt, dass dieser Fall nie eintreten wird.

Er merkt es bei jeder Sitzung der Strategiegruppe. Ferrari, Mercedes, Red Bull, McLaren, Williams und Force India sind nicht einmal in der Lage, sich auf die Größe einer Schraube zu einigen. Wie will man dann eigene Regeln aufstellen, die allen gefallen? Und warum sollten die kleinen Teams da mitmachen? Sie wären noch mehr Kanonenfutter, als sie es jetzt schon sind. Die großen Teams müssten vier oder fünf Autos an den Start bringen, was den Einsatz so teuer machen würde, dass er selbst für sie nicht mehr tragbar wäre. Das größte Problem aber ist: Es wird auch da Verlierer geben. Mit der Konsequenz, dass die Niederlage eine Viertelmilliarde Euro kostet.

Mosley nennt noch einen anderen Grund, warum eine Piratenserie im Ansatz scheitern würde. Die FIA könnte alle Rennstrecken für eine nicht von ihr abgesegneten Serie sperren lassen. FIA-Präsident Jean-Marie Balestre hatte 1981 den Rebellen Ecclestone und Mosley damit gedroht, als sie versucht hatten, sich mit ihren getreuen Teams vom Weltverband loszusagen. "Nicht einmal wir hatten damals eine Chance. Wie sollen es da andere können?", kommentierte Ecclestone einst den Krieg zwischen FIA und seiner Fraktion im Rückblick.

Dass sich Ferrari aus Trotz Richtung Le Mans verabschiedet, hat auch kein Drohpotential. Zunächst gibt es dort nicht ansatzweise so viel Geld zu verteilen wie in der Formel 1. Und die Platzhirsche Audi, Porsche, Toyota und Nissan würden sicher nicht freiwillig auf Einnahmen verzichten, nur um Ferrari Bonuszahlungen einzuräumen.

Ferrari wäre der Sieger einer Budgetdeckelung

Das Mittelfeld hofft, dass die EU-Kommission den Vertrag zwischen den Teams und den Rechteinhabern wegen Verletzung des Wettbewerbsrechts für ungültig erklärt. Hinter den Kulissen hört man, die Kampagne sei auf einem guten Weg. Die großen Teams würden bei einer Auflösung der Verträge vermutlich vor Gericht ziehen, aber nach Einschätzung von Mosley damit scheitern. Wenn es überhaupt so weit kommt. Die Rechteinhaber geben lieber klein bei, bevor EU-Kommissare in ihren Geschäften herumschnüffeln. "Wer will schon die Polizei im Haus?"

So weit müsste es aber gar nicht kommen. Sowohl die FIA und Ecclestone haben begriffen, dass sie mit der festgefahrenen Situation an die Wand fahren. Teams, FIA und Rechteinhaber neutralisieren sich in der Strategiegruppe. Weil jeder nur auf den eigenen Vorteil schaut. Deshalb kommt es zu keinen Entscheidungen. Dabei wäre dieser gordische Konoten einfach aufzulösen. Wenn sich die FIA und Ecclestone ausnahmsweise einig wären. Da gäbe 12 Stimmen. Dann hätten die Teams mit ihren 6 Stimmen keine Chance.

Max Mosley kann nicht verstehen, warum sich gerade Ferrari so gegen eine Kostenbremse und eine gerechtere Verteilung des Geldes sträubt. Der Traditionsrennstall aus Maranello hätte auch so das meiste Geld in der Kasse. Weil Ferrari mehr Sponsoren anlockt als jedes andere Team. "Und das überschüssige Geld wäre Gewinn. Damit wäre Ferrari noch attraktiver bei einem Börsengang." Und genau darum geht es dem neuen Präsidenten Sergio Marchionne.

Die großen Teams sollten nach Ansicht von Mosley genug Selbstvertrauen haben, auch mit beschränkten Mitteln die Besten zu sein. "Ich glaube, sie sträuben sich nur gegen die Vorstellung, dass sie plötzlich 10 statt nur 2 Gegner haben." Als Anreiz für eine Kostenbremse müssten die technischen Regeln gelockert werden. "Die Autos wären trotz eines Budegets von 100 Millionen Dollar so schnell wie die aktuellen, die mit 300 Millionen Dollar gebaut werden. Und der Zuschauer hätte keinen Nachteil davon." Im Gegenteil: Offene Regeln bringen spektakulärere Technik.

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