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Ex-FIA-Chef Max Mosley über Murdoch, MI5 & die Formel 1

"Habe den Verdacht, er hat alles gewusst"

Max Mosley Foto: dpa

Der frühere FIA-Präsident Max Mosley meldet sich zu Wort. Zum ersten Mal erzählt über seinen Beitrag an der Aufdeckung des "News of the World"-Skandals in England, über die Politik in der Formel 1 und Probleme, auf die der GP-Zirkus blind zusteuert.

25.08.2011 Michael Schmidt
Die Zeitschrift News of the World hatte Sie 2008 ausspioniert und Ihr Privatleben in einer Titelstory publiziert. Wie groß ist die Genugtuung, dass News of the World nach dem Abhörskandal in England jetzt eingestellt wurde?

Mosley: Die Genugtuung ist sehr groß, diese Zeitschrift verschwinden zu sehen. Sie konnten mir nicht mehr antun als sie es damals getan haben. Aber jetzt ist sichergestellt, dass sie anderen Leuten nicht weiter Schaden anrichten können. Mir tun nur die Angestellten leid, die mit dem Abhörskandal nichts zu tun hatten.

Es heißt, Sie hätten den Fall ins Rollen gebracht. Stimmt das?

Mosley: Ich glaube, zwei Dinge spielen da eine Rolle. Mein Gerichtsstreit gegen News of the World hat vielen gezeigt, dass Leute in ähnlicher Lage mit der Aussicht auf Erfolg juristisch gegen die Zeitschrift vorgehen können. Vorher hatten viele das Gefühl, der Konzern sei zu mächtig, als dass man sich gegen ihn auflehnen könne. Mein zweiter Beitrag bestand darin, die Leute, die Verfahren gegen News of the World angestrengt hatten, darin zu bestärken. Viele haben einen Rückzieher gemacht, weil sie Angst hatten bei einer Niederlage vor Gericht auf den ganzen Kosten sitzenzubleiben. Selbst bei guten Gewinnaussichten und der Zusage einiger Anwälte, gebührenfrei zu arbeiten, war es zu riskant für sie. Die Kosten der Gegenseite hätten viele der Kläger erdrückt. Ich habe diesen Leuten gesagt: Wenn ihr verliert, übernehme ich die Kosten. So konnten sie weitermachen. Damit konnten die Gerichte die Polizei dazu zwingen, Dokumente herauszurücken, die seit 2006 unter Verschluss lagen. Und so kam der Stein ins Rollen.

Wie haben Sie diese Leute gefunden, die gegen die Zeitschrift prozessieren wollten?

Mosley: Durch meine Anwälte. Einer davon ist spezialisiert auf Prozesse, bei denen es um die Verletzung der Privatsphäre geht. Er kennt wiederum andere, die von ähnlichen Fällen wie meinem wussten.

Weiß Rupert Murdoch, dass Sie ihm ein Bein gestellt haben?

Mosley: Ich wäre überrascht, wenn er es nicht wüsste. Er wurde im Rahmen des Untersuchungsauschusses vor dem Parlament gefragt, warum er den Chefreporter meiner Geschichte nicht entlassen hat, als bekannt wurde, dass er zwei der Zeuginnen erpressen wollte. Murdoch hat behauptet, nie davon gehört zu haben. Das ist schwer vorstellbar. Ich habe ihm im März einen eingeschriebenen Brief und zwei e-mails geschickt und ihn darin gebeten, sich diesen Fall anzusehen. Wenn ich einen Brief an die Mafia schicke, dann erwarte ich nicht unbedingt eine Antwort. In diesem Fall aber handelt es sich um einen Weltkonzern, der an der Wall Street gehandelt wird. Da hat es mich schon überrascht, überhaupt keine Antwort zu bekommen. Weder von ihm, noch von jemandem anders. Ich habe den Verdacht, dass er alles gewusst hat.

Ist es möglich, dass Ihr eigener Fall am Ende gar nichts mit der Formel 1 zu tun hatte, dass Sie vielleicht nur einer von vielen waren, dessen Handy die Zeitung angezapft hatte?

Mosley: Das glaube ich nicht. Es wird mich noch zwei oder drei Jahre Arbeit kosten, um meinen Fall vollständig aufzuklären und Klarheit über die Hintermänner zu bekommen. Im Augenblick steht soviel fest: Eine der beteiligten Frauen hat den Film produziert. Ihr Mann arbeitete für den englischen Geheimdienst MI5. Er wusste, welcher Beschäftigung sie nachging. Auch viele seiner MI5-Kollegen wussten davon. Sie hat ihm erzählt, dass ich bei diesen Parties mitgemacht habe. Er erkannte die Tragweite und hat den Reporter von News of the World informiert und ihm die Geschichte verkauft. Was wir nicht wissen ist, ob irgendjemand den Geheimdienstmann dazu angestoßen hat. Wenn mich jemand aus dem GP-Zirkus hätte ausspionieren wollen, hätte er Leute benutzt, die gute Kontakte zum MI5 haben. Denn die wissen, wie man so etwas macht.

Wie denken Sie jetzt darüber, dass Bernie Ecclestone geraden einen TV-Vertrag mit dem Murdoch-Sender Sky unterzeichnet hat?

Mosley: Es wird interessant zu sehen sein, wie lange Murdoch noch an der Spitze von Sky stehen wird. Die Murdochs waren gerade dabei, 100 Prozent von dem Sender zu übernehmen, mussten aber nach Bekanntwerden des Abhörskandals davon ablassen. Jetzt wurde ein Schlichter eingesetzt. Der muss sicherstellen, dass Besitzer eines Fernsehkanals redliche und anständige Personen sind. Es wird gerade im Parlament diskutiert, ob die Murdochs oder ihre News Corporation diesen Ansprüchen genügen. Meine Quellen aus dem Parlament sagen mir, dass es diesbezüglich ernsthafte Zweifel gibt. Aber davon losgelöst, würde ich sagen, dass es für den normalen TV-Konsumenten in England ein guter Deal ist. Die Hardcore-Fans werden die Gebühren bei Sky bezahlen, um sich jedes Training, jedes Detail in voller Länge anschauen zu können. Für die am Rande interessierten Leute reichen die Highlights im frei zugänglichen Fernsehen. Und das wird am Abend in der BBC gezeigt. So geht es mir mit Fußball. Ich würde nie am Nachmittag eineinhalb Stunden für ein Fussballspiel am Fernseher verbringen, aber ich schaue mir abends gerne die Zusammenfassung an.

Sie haben also keine Angst, dass die Formel 1 Quote riskiert, nur um mehr Geld zu machen?

Mosley: Ich glaube, eher das Gegenteil tritt ein. Die am Rande interessierten Zuschauer würden nie den ganzen Nachmittag mit einer Live-Übertragung verbringen, wären also verloren. Sie können jetzt auf das Angebot der Highlights zurückgreifen.

Bernie Ecclestone muss in Deutschland möglicherweise vor Gericht. Könnte daraus ein Problem für die Formel 1 entstehen?

Mosley: Ich sehe keinen Grund dazu. Ohne die genauen Hintergründe zu kennen, wäre ich überrascht, wenn Bernie in die Sache mehr verstrickt wäre außer als Zeuge. Das würde nichts ausmachen. Aber selbst im schlimmsten Fall könnte es der Formel 1 nichts anhaben. Die Formel 1 ist heute ein internationales Geschäft, das davon keinen Schaden nehmen würde.

Macht der Vorwurf der Bankenseite, Ecclestone und Gribkowski hätten zu Lasten der Bayerischen Landesbank einen schnellen Abschluss mit CVC gesucht ohne nach Alternativen zu schauen, überhaupt Sinn? Die FIA hatte doch ein Vetorecht.

Mosley: Exakt. Wir haben dieses Recht die Don-King-Klausel genannt. Es ist außerdem ein Märchen, dass die Interessenten Schlange standen. Als die FIA die 100-jährigen Rechte an Bernie verkaufen wollte, da stand zwar auch Fiat-Chef Cantarella als Vorsitzender der Herstellervereinigung auf der Matte, aber er zog das Angebot zurück, bevor er im Detail eines gemacht hat. Wir sind der Sache natürlich nachgegangen, und ich habe Herrn Cantarella gesagt, dass er nur Bernies Angebot überbieten müsse, dann hätte er gute Chancen auf die Rechte. Die Hersteller konnten sich aber untereinander nicht darauf verständigen, soviel Geld für die Formel 1 auszugeben. Sie baten uns nach sechs Monaten Verhandlungen um einen weiteren Aufschub von drei Monaten. Wer glaubt, dass Bernie und Gribkowski sich vor Anfragen außer dem Angebot von CVC kaum retten konnten, hat zu viel Phantasie. Bernie hatte schon vor dem Abschluss mit CVC eine ganze Zeitlang nach Käufern gesucht, weil es mit den Banken immer Ärger gab.

Wie oft hätten Sie einen Interessenten ablehnen können?

Mosley: Unbegrenzt oft. Aber wir hätten gute Gründe dafür liefern und nachweisen müssen, dass der Kauf eines bestimmten Bieters die Interessen des Sports gefährde. Andernfalls hätte ein abgewiesener respektabler Interessent gegen uns klagen können. Wären damals die Murdochs gekommen, hätten wir mit dem Wissen von heute mit Sicherheit ein Veto eingelegt.

Es gibt Gerüchte, die besagen, dass Ihr Nachfolger Jean Todt gerade prüfen lässt, ob man den 100jährigen Vertrag mit CVC nicht auflösen könne, sollte Bernie Ecclestone in Deutschland angeklagt werden. Stimmt das, und käme er damit durch.

Mosley: Ich glaube, das ist ein Gerücht. Jean hat mir gegenüber nie so etwas erwähnt. Er hätte auch keine Chance. Der Vertrag der FIA wurde nicht mit Bernie, sondern den Rechteinhabern abgeschlossen. Die Leute von CVC sind über jeden Zweifel erhaben. 

Im Augenblick scheint zwischen Jean Todt und Bernie Ecclestone Krieg zu herrschen. Werden die Teams davon profitieren, wenn es um das neue Concorde Abkommen geht?

Mosley: Gut möglich. Es gab immer die drei Parteien: Die FIA, Bernie und die Teams. Jeder will seinen Vorteil daraus ziehen. Das geht in der klassischen Dreierkonstellation nur über eine Allianz von zwei der drei Parteien. Wenn die FIA und Bernie nicht zusammenspielen, haben die Teams die Chance sich mit dem zu verbünden, der ihnen das bessere Ergebnis liefert. Bernie hat aber in der Vergangenheit immer wieder bewiesen, dass er derjenige ist, der sich am besten der Situation anpassen kann. 

Die Teams scheinen stärker als je zuvor zu sein. Der Vorschlag mit dem V6-Turbo kam von ihnen.

Mosley: Jean Todt mag keine Konfrontation. Er geht lieber Kompromisse ein. Beim Motor ist er vielleicht einen Schritt zu weit gegangen. Aber das muss jeder selbst beurteilen. Vielleicht liegt Jean mit seiner Politik der ruhigen Hand richtiger als ich, der die Dinge aktiv angepackt und diktatorisch entschieden hat. Natürlich stärkt Jeans Ansatz die Teams. Auf der anderen Seite könnte man sagen: Auch ich habe die Teams zusammengeschweißt, weil ich zu sehr auf Konfrontation gegangen bin. Das war sicher 2009 der Fall. Bernie merkt natürlich, was sich da abspielt. Sein Führungsstil ‚Teile und herrsche‘ funktioniert nicht mehr so einfach wie füher, weil ihm die Teams auf die Schliche gekommen sind. Die Frage ist, ob sie sich noch so einig sind, wenn Bernie ein oder zwei Teams mit einem speziellen Angebot für das neue Concorde Abkommen ködert. Es macht Spaß, das von außen zu beobachten und nicht mehr selbst mittendrin zu sein.

Eine Chance, die Teams auseinanderzudividieren, könnte von den Teams selbst kommen. Einige versuchen gerade ihren eigenen Kostenreduzierungsplan aufzuweichen. Das kann den kleinen Teams nicht gefallen.

Mosley: Wenn ich Bernie wäre, würde ich die Einnahmen zu gleichen Teilen allen Teams außer den Top 4 anbieten und sie so auf meine Seite ziehen. Die vier Topteams können dann noch lange mit einer eigenen Meisterschaft drohen, sie würde sowieso nicht funktionieren. Wenn sie dann zu Bernie und der FIA zurückkehren, könnte beide sagen: Ihr seid willkommen, aber es ist kein Geld mehr für euch übrig. Sie müssten dann allein von ihren Sponsoreinnahmen leben. Das würde die kleinen Teams etwas näher an die großen heranbringen. Die kleinen hätten im Vergleich zu heute etwas mehr, die großen etwas weniger Geld. 

Haben die Teams überhaupt noch das Drohpotenzial einer eigenen Serie in der Hand? Bernie hat doch mit allen wichtigen Veranstaltern und TV-Stationen langfristige Verträge abgeschlossen.

Mosley: Das funktioniert nur bis zu einem gewissen Punkt. Bernie kann im Rahmen der europäischen Wettbewerbsgesetze seine Verträge nicht dazu nutzen, sich eine Monopolstellung zu sichern. Die FIA muss einer Konkurrenzserie ihren Segen geben. Das haben wir Brüssel 2000 versprochen. Bernie könnte also einer Rennstrecke niemals verbieten, dort auch ein Rennen der Konkurrenzserie zu veranstalten. Das gleiche gilt für die TV-Sender. Das Problem einer Piratenserie wäre nur, dass der Veranstalter gar keine Mittel hätte, ein Antrittsgeld zu bezahlen, weil er ja schon genug an Bernie entrichten muss. Ein realistischer Geschäftsplan einer Piratenserie müsste demnach beim Posten Einnahmen eine Null stehen haben. Alles müsste zunächst von Sponsoren getragen werden.

Die FIA wurde kürzlich heftig für ihre Entscheidungen kritisiert. Zum Beispiel der Wechsel des FIA-Motorenexperten Gilles Simon zu Pure.

Mosley: Ich frage mich dabei, wie viel Gilles Simon über die anderen Motoren wirklich weiß. Und inwieweit er die Pläne der künftigen V6-Motoren kennt, bei denen die Hersteller gerade erst mit der Entwicklung beginnen. Die aktuelle Motor-Technologie ist Allgemeingut. Da gibt es keine großen Geheimnisse. Sie wird beim Übergang zu Turbomotoren nicht viel helfen. Pure wird daraus keinen Vorteil ziehen. 

Sie sind kein Freund der neuen Motorregel?

Mosley: Der Fehler liegt darin, dass sich ein unabhängiger Motorhersteller wie Cosworth es praktisch nicht leisten kann, einen konkurrenzfähigen Motor zu bauen. Damit fällt alles in die Hände der Autokonzerne, und das gibt ihnen eine unerwünschte Macht. Ich hätte keinerlei Entwicklung auf dem Gebiet des Turboladers erlaubt. Außer die Entwicklung bringt etwas für die Serie. Aber generell hätte man darauf schauen müssen, dass sämtliche Technologie, die keinen Nutzen für Straßenautos abwirft, auf kleiner Flamme gekocht wird. So dass die Entwicklung möglichst wenig kostet. 

Was sagen Sie zum Fall Bahrain?

Mosley: Da hat man sich nicht mit Ruhm bekleckert. Aber das war nicht Jeans Fehler. Er wurde nur sehr schlecht beraten. Seine PR-Leute hätten ihn warnen sollen, dass es auf ein mediales Desaster hinausläuft. Wer auch immer die Entscheidung traf, den FIA-Delegierten Carlos Gracia nach Bahrain zu schicken um sich ein Bild der Lage zu machen, hat den Falschen geschickt. Selbst wenn Gracia in der Lage wäre, Englisch zu sprechen. Man hätte die Aufgabe an einen Experten für Menschenrechte und die Politik im Mittleren Osten delegieren sollen, der under cover in das Land reist. Man stelle sich vor, das Rennen hätte stattgefunden, und es hätte Proteste mit Toten gegeben. 

Wie würden Sie in Zukunft damit verfahren?

Mosley: Ich würde die Lage weiter beobachten und Bahrain eine Frist setzen, sagen wir den 1.März nächsten Jahres. Es wäre unhöflich, sie für immer auszusperren. Sie müssten aber beweisen, dass sich die Lage beruhigt hat. Im Augenblick gibt es da keine Anzeichen dafür.

Im Augenblick sind nur fünf der zwölf Teams gesund finanziert. Erwarten Sie einen Crash wie an der Börse?

Mosley: Ein Crash wäre zu viel gesagt. Aber die Rennen werden schlechter werden. Es muss mehr Gleichheit der Mittel geschaffen werden. Die FIA sollte realisieren, dass einer, der fünf Mal so viel Geld hat wie ein anderer, den gleichen Vorteil hat, wie einer der mit einem Motor mit mehr Hubraum antritt. Da gibt es keinen Unterschied. Wenn du echten Sport willst, musst du sicherstellen, dass jeder vergleichbare Ressourcen hat. Nicht die gleichen, aber vergleichbar.

Die großen Teams sehen das anders. Sie träumen schon wieder von mehr Testfahrten und mehr Personal an der Strecke.

Mosley: Das ist typisch Formel 1. Keiner schaut über den eigenen Tellerrand hinaus. An der Spitze herrscht immer noch die Meinung vor: Solange ich alle Rennen gewinnen kann, kümmert mich der Rest nicht. Deshalb konnte Bernie in der Vergangenheit die Teams immer wieder gegeneinander aufwiegeln. Vielleicht muss er das bald gar nicht mehr, weil es die Teams für ihn selbst erledigen.

Komisch ist, dass sich diese Einstellung gehalten hat, obwohl viele Hersteller verschwunden sind.

Mosley: Wir haben immer noch genügend Hersteller an Bord. Red Bull gibt so viel Geld aus, dass sie für mich ein Hersteller sind. Mercedes ist noch da, Ferrari auch. Renault ist ein Grenzfall. Ich möchte jetzt nicht in der Haut von Daimler-Chef Dieter Zetsche stecken. Ich glaube ihm, dass er die Kosten in der Formel 1 unter Kontrolle halten will. Andererseits muss er gerade feststellen, dass er mehr Geld braucht, um gegen Red Bull und Ferrari anzutreten. Er steckt in der Zwickmühle. Soll er zu seinen Leuten sagen: Ihr kriegt nicht mehr Geld. Es interessiert mich nicht, ob wir hinterherfahren? Er müsste eigentlich Lobbyarbeit betreiben, die Regeln dahingehend zu ändern, dass nicht mehr als 100 Millionen Dollar pro Jahr ausgegeben werden können. Doch dazu fehlt ihm die Zeit, außer er droht, sich aus der Formel 1 zurückzuziehen. So bleibt den Leuten im Team nichts anderes übrig, als um mehr Geld zu betteln und hoffen, dass es bewilligt wird. 

Wie gefallen Ihnen die Rennen in diesem Jahr?

Mosley: Sehr gut. Ich lag falsch mit meiner Prognose, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass die getroffenen Maßnahmen ausreichen würden, die Rennen wieder spannend zu machen. Wir hatten natürlich auch viel Glück mit dem Wetter. 

Gibt es nicht zu viele Regeländerungen, viele mit dem Ziel, die Rennen noch besser zu machen? Ist das nicht ein Armutszeugnis?

Mosley: Gut möglich, dass die Rennen auch ohne die Regeländerungen gut gewesen wären. Wegen glücklicher Umstände, wegen des Wetters. Ich sehe ein großes Problem darin, ständig die Regeln zu ändern. Selbst die Hardcore-Fans blicken nicht mehr durch. Als in Monte Carlo das Rennen kurz vor Schluss unterbrochen wurde, konnten ihnen nicht mal die Experten sagen, ob Reifenwechsel erlaubt sind oder nicht. Was soll dann ein ganz normaler Zuschauer davon halten? In Fußball gibt es höchstens mal Diskussionen über die Abseitsregel. 

Wir scheinen uns für jedes langweilige Rennen entschuldigen zu müssen. Im Fußball ist das nicht so.

Mosley: Absolut. Es ist unsinnig von einem Sport zu verlangen, nie langweilig sein zu dürfen. Wäre Sport immer spannend, läuft er Gefahr, dass es zur Gewohnheit wird. Und man unterstellt ihm dann, die Spannung künstlich zu erzeugen. 

Michael Schumacher tut sich in seiner zweiten Karriere schwer. Ist er zu alt?

Mosley: Vielleicht liegt es daran, dass ich auch schon ein bestimmtes Alter erreicht habe, aber ich bin absolut davon überzeugt, dass Michael noch Rennen gewinnen kann, wenn er im richtigen Auto sitzt. Ich kann mir vorstellen, dass es in seinem Alter schwierig ist, sich für etwas zu motivieren, von dem er weiß, dass er im Augenblick nicht gewinnen kann. Wenn Michael und Rosberg in einem Siegerauto sitzen würden, täte sich Rosberg schwer, gegen Michael zu fahren. 

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