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Exklusive Trainings- und Rennanalyse

McLaren und Red Bull bis jetzt vorn

GP Kanada 2012 Foto: Wolfgang Wilhelm 25 Bilder

Die Formel 1-Teams liegen enger zusammen als je zuvor. Wir haben alle Trainingszeiten und die besten Rennrunden addiert und einen Durchschnittswert ermittelt. Das erstaunliche Ergebnis: Im Training führt McLaren vor Mercedes und Lotus. Im Rennen hat Red Bull vor Sauber und Lotus die Nase vorn.

18.06.2012 Michael Schmidt

Es hätte nicht sieben Sieger in sieben Grand Prix gebraucht, um zu der Erkenntnis zu gelangen, dass die Formel 1-Teams enger zusammen liegen als je zuvor. Zumindest die ersten neun. Caterham, Marussia und HRT F1 haben immer noch einen deutlichen Abstand zum Hauptfeld. Im Schnitt trennen die besten neun Teams 0,13 Sekunden pro Kilometer. Da wird jeder kleine Fehler zum großen Drama.

Ein Beispiel: Im letzten Jahr schafften es die McLaren-Piloten in den ersten sieben Rennen 14 Mal ins Top Ten-Finale der Qualifikation. 2012 nur zwölf Mal. Umgekehrt waren die Fahrer von Sauber 2011 nur drei Mal im Q3 vertreten. Diese Saison doppelt so oft.

Basis für den Mittelwert ist Q2

Eine bessere Aussage über die Ausgeglichenheit im Feld liefern die durchschnittlichen Rundenzeiten im Training und Rennen. auto motor und sport hat die jeweils schnellste Runde jedes Teams als Maßstab herausgefiltert, dann diese sieben Rundenzeiten addiert und durch sieben geteilt. So kam ein Mittelwert für Training und Rennen heraus. Die Basis für die Trainingszeiten war die zweite K.O.-Runde, im Fachjargon auch Q2 genannt. Sie liefert den ehrlichsten Vergleich. Die Zeiten, in denen sich die Topteams im Q2 spielen konnten und mit reduzierter Drehzahl und reichlich Benzin im Tank fuhren, sind passé. Wer sicherstellen will, dass er nicht rausfliegt, gibt schon im Q2 alles. Die Abstände sind zu gering, um da noch großartig zu pokern. Für die Teams, die kein Auto ins Q2 bringen, zählt die Q1-Zeit. Das betrifft ausschließlich Caterham, Marussia und HRT F1.

Auch die schnellste Rennrunde bietet in diesem Jahr eine gute Referenz. Auch wenn mit unterschiedlicher Taktik gefahren wird. Wer in der Schlussphase mit der weicheren Mischung ausrückt, steht mit seiner schnellsten Rennrunde besser da als das Gros des Feldes, das konventionell taktiert, also zunächst mit den weicheren Reifen und zum Schluss mit den harten. Bei der Durchsicht der Strategien fällt aber auf, dass alle Teams im Schnitt gleich oft mit der alternativen Taktik unterwegs waren, deshalb also auch gleich häufig von diesem Reifenvorteil im Schlussabschnitt des Rennens profitiert haben. Es gab auch kein Rennen, in dem beide Autos bereits in der Anfangsphase des Rennens ausgeschieden sind, was zu einer Verzerrung der schnellsten Rennrunde geführt hätte.

Platz eins und neun trennen im Training 0,752 Sekunden

Beim Vergleich der Zeiten im Training und Rennen wird zunächst eine Feststellung bestätigt: Das Feld ist unglaublich komprimiert. Platz eins (McLaren) und neun (ToroRosso) trennen im Training durchschnittlich 0,752 Sekunden. Im Rennen beträgt die Differenz 0,889 Sekunden. Die drei Nachzügler verlieren im Training auf den neunten Platz mindestens 1,361 Sekunden. Im Rennen etwas weniger. Da ist Caterham 0,926 Sekunden am Neunten dran.

Die Trainingstabelle führt McLaren an. Daran ist Lewis Hamilton mit fünf Platzierungen in der ersten Startreihe nicht ganz unschuldig. Red Bull ist in seiner einstigen Königsdisziplin starken Schwankungen unterworfen: Sebastian Vettel und Mark Webber standen zwar insgesamt drei Mal auf dem besten Startplatz, sie hatten aber auch schon Totalausfälle wie in China mit den Startplätzen 7 und 11. Da zählte dann die siebtbeste Zeit. Mercedes macht im Training eine starke Figur. Das dokumentieren auch die Trainingszeiten. Nico Rosberg und Michael Schumacher fehlen im Mittel nur 0,018 Sekunden auf das McLaren-Duo. Da das doppelte DRS nach Einschätzung der Erfinder zwei Zehntel bringen soll, hat es sich voll gelohnt. Ohne das System stünde Mercedes nur auf Platz vier der Trainingsrangliste.

Lotus überraschend auf Platz drei

Überraschend ist der dritte Platz von Lotus. Das Training ist der Schwachpunkt der schwarzen Autos. Aber einer der beiden, meistens Romain Grosjean, schafft es immer irgendwie in die ersten drei Startreihen.

Ferrari liegt auf Platz fünf. Das war nicht immer so. Die Roten haben sich in den letzten drei Rennen mit den Startplätzen 2, 5 und 3 enorm gesteigert. Williams und Sauber hinken im Training den Rennergebnissen hinterher. Dabei fehlen Williams im Schnitt 0,387 Sekunden auf Klassenprimus McLaren und Sauber 0,451 Sekunden. Force India liegt im Training gar nicht einmal so weit weg von Sauber - weniger als ein Zehntel. Dagegen fällt ToroRosso schon deutlicher ab. Der Rückstand auf Williams in den Trainingszeiten beläuft sich auf stolze 0,365 Sekunden - also fast so viel, wie Williams auf McLaren fehlt.

Im Rennen sieht die Hackordnung anders aus. Nur Lotus, Force India und die drei kleinen Teams belegen die gleichen Plätze. Nummer eins im Rennen ist Red Bull. Das überrascht auf den ersten Blick. Auf den zweiten nicht. Red Bull liegt in der Konstrukteurs-WM mit 164 Punkten klar vor McLaren (133) und Lotus (108). Der Titelverteidiger hatte mit Ausnahme des GP Spanien immer wenigstens einen seiner Piloten in den Top 4. Da musste McLaren größere Ausreißer verzeichnen. Deshalb liegt das Siegerteam von Australien und Kanada in der Reihung der schnellsten Rennrunden auch nur auf Platz fünf. Das ist ein Indiz dafür, dass Lewis Hamilton und Jenson Button im Rennen oft unerklärliche Reifenprobleme haben.

Stunde der Sauber schlägt in der zweiten Hälfte

Die Überraschung ist Sauber auf Rang 2. Das erklärt sich aber schnell aus dem Ablauf der Rennen. Die Stunde der Sauber schlägt meistens erst in der zweiten Hälfte der Grand Prix, dann wenn Sergio Perez und Kamui Kobayashi den geringen Verschleiß der Reifen ausnützen können. Das gleiche trifft im Prinzip auf Lotus zu. ToroRosso ist vielen ein Rätsel: Bei keinem anderen Team unterscheidet sich die Leistung im Training und Rennen derart signifikant.

Ferrari liegt wie im Training im guten Mittelfeld, jedoch auch hier mit steigender Tendenz. Bei Williams vergeigen meistens die Fahrer bessere Rundenzeiten. Entweder sie stecken in den letzten Rennrunden im Verkehr, oder sie haben sich schon vorher von der Strecke gedreht. Force India ist auf Platz acht konstant. Mercedes dagegen macht im Renntrim keine überzeugende Figur. Die Silberpfeile brechen im Vergleich zum Training oft ein. Das lässt sich nicht nur mit Verkehr und den vielen Defekten von Michael Schumacher erklären. In Montreal hatte Nico Rosberg in den letzten Runden freie Fahrt. Es reichte trotzdem nur zur siebtschnellsten Rennrunde. Der Grund liegt möglicherweise woanders. Aus Angst vor zu hohem Reifenverschleiß werden die Autos zu konservativ abgestimmt. Nicht der Speed, sondern das Leben der Reifen hat Priorität.

Legt man beide Mittelwerte der Teams übereinander, gewinnt Red Bull mit einer Zeit von 1.28,150 Minuten vor Lotus mit 1.28,286 Minuten und McLaren mit 1.28,356 Minuten. Auf Platz vier folgt bereits Sauber mit 1.28,364 Minuten. In Valencia und Silverstone bringen fast alle Teams größere Ausbaustufen. Es wird interessant zu beobachten, ob sich die Reihenfolge in den folgenden vier Rennen bis zur Sommerpause noch dramatisch verschiebt.

TeamZeit Q2TeamZeit Rennen
1. McLaren1.26,238 min1. Red Bull1.29,947 min
2. Mercedes1.26,256 min2. Sauber1.30,039 min
3. Lotus1.26,317 min3. Lotus1.30,255 min
4. Red Bull1.26,353 min4. ToroRosso1.30,430 min
5. Ferrari1.26,477 min5. McLaren1.30,475 min
6. Williams1.26,625 min6. Ferrari1.30,523 min
7. Sauber1.26,689 min7. Williams1.30,687 min
8. Force India1.26,743 min8. Force India1.30,807 min
9. Toro Rosso1.26,990 min9. Mercedes1.30,836 min
10. Caterham1.28,351 min10. Caterham1.31,762 min
11. Marussia1.30,174 min11. Marussia1.33,112 min
12. HRT F11.31,120 min12. HRT F11.33,635 min
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