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Formel 1-Aerodynamik zu extrem

Weniger Überholmanöver als 2014

Mercedes - GP Ungarn 2015 Foto: xpb 66 Bilder

Die Halbzeit-Statistik spricht eine klare Sprache. Es gibt weniger Überholmanöver als im letzten Jahr. Die Rennen sind deshalb aber nicht automatisch langweiliger, wie der GP Ungarn gezeigt hat. Wir haben die Zahlen und die Gründe für die Probleme im direkten Zweikampf.

18.08.2015 Michael Schmidt

Die letzten beiden Grand Prix vor der Sommerpause haben Lust auf die Formel 1 gemacht. Silverstone und Budapest boten Rennsport pur. Beide Male legte der Start den Grundstein für spannende Rennen. Beide Male kamen die Mercedes schlecht aus den Blöcken. Und wenn die besten Autos im Feld mal im Verkehr stecken, ist das Gewinnen plötzlich kein Selbstläufer mehr. Weil das Überholen so schwer geworden ist.

In Silverstone konnten Lewis Hamilton und Nico Rosberg den Spieß noch umdrehen. Am Hungaroring reichte es nicht mehr. In diesen Fällen ist man fast geneigt zu sagen: Zum Glück ist Überholen kein Kinderspiel. Sonst hätten die Silberpfeile mit ihren Gegnern kurzen Prozess gemacht.

13,2 Überholmanöver weniger pro Rennen

Wir haben es hier schon ein paar Mal thematisiert. Es gibt weniger Überholmanöver, auch im Vergleich zum vergangenen Jahr. Zunächst war es nur ein Gefühl. Jetzt ist es mit Zahlen unterlegt. 2014 wurde in den ersten 10 Rennen im Schnitt 42,6 Mal überholt. Erste Runde ausgenommen. In dieser Saison liegt der Mittelwert bei nur noch 29,4 Positionswechseln auf der Rennstrecke. Spitzenreiter war 2014 der GP Bahrain mit 78 Überholmanövern. 2015 führt Malaysia mit 65 die Liste an.

Nur bei 3 Grands Prix lag die Zahl höher als in der Vorsaison. In Malaysia, Monaco und Kanada. Für Malaysia und Kanada gibt es gute Gründe. Die extreme Hitze in Sepang führte zu großen Unterschieden bei der Reifenabnutzung. Das ist immer noch die beste Basis für Überholmanöver. In Montreal sind Sebastian Vettel und Felipe Massa von ganz hinten gestartet. Die Aufholjagd der beiden produzierte allein 19 der 37 Überholvorgänge.

An den schlechteren Überholzahlen ist hauptsächlich die Aerodynamik schuld. Im zweiten Jahr der auf 165 Zentimeter geschrumpften Frontflügel haben die Ingenieure das Spiel mit dem Wind schon wieder so perfektioniert, dass geringste Störungen der Strömung den Anpressdruck des nachfolgenden Autos abreißen lassen.

Romain Grosjean spricht für seine Kollegen, wenn er sagt: "Es ist schwieriger geworden, am Vordermann dranzubleiben." Die Reifen sind das andere Ärgernis. Sie halten zwar länger, doch man darf sie nicht überfordern. Nach zwei, drei Runden am Limit brechen sie ein. Und sie erholen sich nicht mehr.

Hamilton König der Führungskilometer

An der Spitze des Feldes gibt es etwas mehr Bewegung als im Vorjahr. 30 Führungswechsel aus der Saison 2014 stehen 34 in diesem Jahr gegenüber. Trotz deutlich weniger Boxenstopps. Kein einziges Mal wechselte die Führung auf der Rennstrecke. Auch hier sind wieder die Aerodynamik und die Reifen schuld. Der Spitzenreiter genießt die Vorteile sauberer Luft und damit auch der perfekten Reifennutzung.

2014 teilten sich 7 Fahrer die Führungsposition, wobei der Löwenanteil auf die Mercedes-Piloten entfiel. Nico Rosberg lag mit 1.473 Kilometern knapp vor Lewis Hamilton mit 1.407 Kilometern. In dieser Saison ist das Bild ganz anders. Da liegt Hamilton mit 1.640 Führungskilometern einsam in Front.

Rosberg kommt mit seinen 653 Kilometern langsam unter Druck von Vettel, der es nach seiner Siegesfahrt in Ungarn auf 557 Kilometer bringt. Felipe Massa liegt mit 112 Kilometern schon weit zurück. Kimi Räikkönen und Valtteri Bottas komplettieren die Riege der Fahrer, die 2015 wenigstens einmal einen Grand Prix anführten.

RennenSaison 2014Saison 2015
Australien359
Malaysia4265
China4525
Bahrain7838
Spanien4329
Monaco910
Kanada3137
Österreich4320
England4321
Ungarn5740
Durchschnitt42,629,4
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