Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

F1-Analyse - Michael Schumacher-Comeback

Wie gut ist Michael Schumacher?

GP Bahrain 2010 Foto: xpb 153 Bilder

Das Comeback von Michael Schumacher war mit Spannung erwartet worden. Platz sieben im Training, Rang sechs im Rennen. Ein Einstand mit Anstand. Der siebenfache Weltmeister ist auf Anhieb bei der Musik, doch er hat in seinem 250. Grand Prix auch gemerkt, dass ihm der Wind schärfer ins Gesicht weht als vor drei Jahren.

16.03.2010 Michael Schmidt

Michael Schumacher ist selbst sein größter Kritiker. Er wird sich für sein erstes Formel 1-Rennen seit drei Jahren die Note "ausreichend" geben. Einen Podestplatz zu Beginn der zweiten Karriere ließ das Auto nicht zu.

Dass Teamkollege Nico Rosberg die Nase vorne hatte, ist ein Warnschuss für den siebenfachen Weltmeister: Die junge Garde hat Respekt vor dem Altmeister, aber keine Angst. Er motiviert sie höchstens noch. Sebastian Vettel stemmte sich mit Macht dagegen, dass er mit seinem technischen Gebrechen auch noch dem Mercedes-Duo in die Hände fällt. Vettel gab zu, dass die Namen in seinem Rücken Extrakräfte bei ihm freigemacht haben. Er wollte wenigstens noch als bester Deutscher aus dem ersten Saisonrennen gehen.

Schumacher mit sechsten Platz zufrieden

Michael Schumacher sah seine Leistung realistisch. "Mit dem sechsten Platz kann ich sehr gut leben. Er ist für mich und das Team eine Basis, auf der wir aufbauen können." Der 41-jährige Deutsche weiß, dass er mit dem MercedesGP W01 noch kein Siegerauto in den Händen hat. Red Bull und Ferrari sind eine Klasse besser, und auch McLaren ist im Moment außer Reichweite. Zumindest mit Lewis Hamilton am Steuer. Würden die modernen Formel 1-Autos Überholmanöver zulassen, wären am Ende vermutlich auch noch Jenson Button und Mark Webber vorbeigezogen. Sie holten innerhalb von neuen Runden vier Sekunden auf. Die schnellsten Rennrunden zeigten deutlich, wo es fehlt. Die Mercedes-Piloten landeten nur auf den Plätzen elf und 13. 

Der Silberpfeil muss sich noch entwickeln

Der Silberpfeil ist noch nicht dort, wo ihn seine Ingenieure und Fahrer haben wollen. Das Aerodynamikpaket, das in Bahrain debütierte, brachte eine kleine Annäherung an die Spitze, aber es war nicht genug. Das Auto geht immer noch zu hart mit den Reifen um. Je nach Strecke überhitzen mal die Reifen vorne, mal hinten. Um das abzustellen, brauchen die Ingenieure mehr Freiheiten bei der Gewichtsverteilung. Also muss abgespeckt werden.

Genügend Spielraum wird man erst beim Start der Europasaison in Barcelona haben. Schumacher hat diese Geduld. "Es dauert, bis wir unser Auto dorthin entwickelt haben, wo wir es haben wollen." Da vertraut er seinem alten Kumpel Ross Brawn. Der hatte mit seinen Korrekturmaßnahmen meistens Erfolg. Nur 2005 bei Ferrari war das Auto nicht gesundzubeten.

Schumacher muss sich mit den neuen Reifen noch anfreunden

In den ersten vier Rennen heißt Schumachers Gradmesser Nico Rosberg. Die Testfahrten hatten zwar bereits angedeutet, dass der jüngere Kollege etwas schneller ist, doch dass Rosberg jede Trainingssitzung gewann und auch im Rennen 49 Runden lang frech vor dem Superstar herfuhr, das wird dann doch Spuren bei dem Erfolgsmenschen Schumacher hinterlassen haben. "Als ich mit Michael bei Ferrari fuhr, hat er sich über jedes Rennen geärgert, das ich mal schneller war", stichelt Rubens Barrichello. Für Schumacher gab es am Wochenende nur einen Sieg: Er fuhr die schnellere Rennrunde als sein Stallrivale. Zwar nur um die Winzigkeit von 0,032 Sekunden, aber immerhin. Auch kleine Lichtblicke sind Lichtblicke.

Wer die Rennrunden miteinander vergleicht, versteht was Schumacher damit meinte, dass er erst noch seinen Rhythmus finden müsse. Im Training war Rosberg im Schnitt um drei Zehntel pro Runde schneller. Im Rennen waren es im Mittel nur 0,09 Sekunden pro Runde. Sobald sich Schumacher warmgefahren hat, ist er praktisch schon auf Augenhöhe mit seinem Landsmann.

Er verlor vor allem in den ersten Runden nach dem Start und dem Boxenstopp. Also immer dann, wenn man den Extragrip der frischen Reifen nutzen musste. Doch der fühlt sich nicht mehr so an wie 2006, als es zwar noch Rillenreifen gab, die aber an der Vorderachse stärker waren als hinten. Schumacher muss sich mit den Slicks des Jahrgangs 2010 noch anfreunden. Nico Rosberg kennt die Reifenphilosophie von Bridgestone schon aus dem letzten Jahr. Die Modifikationen über den Winter waren nicht so dramatisch, als dass er alles neu hätte lernen müssen.

Die Konkurrenz ist stärker als früher

Dass Schumacher ausgerechnet in der Disziplin eine Schwäche zeigt, die ihn früher so auszeichnete, überrascht. Wenn es einen Rennfahrer gab, der sich im Handumdrehen jeder Situation anpassen konnte, dann er. Der Unterschied heute ist: Seine durchwegs jüngeren Gegner können das auch. Weil sie sich rund um die Uhr mit dem Thema Formel 1 beschäftigen. Früher waren nur Schumacher und vielleicht noch Mika Häkkinen so kompromisslos. Heute ist es eine ganze Schar von Fahrern: Alonso, Massa, Hamilton, Rosberg, Vettel, Kubica. Auch Webber und Button haben im Wettbewerb mit den Jungen dazugelernt.

Die Altstars wie Niki Lauda, Mario Andretti, Alain Prost und Gerhard Berger sind überzeugt, dass Michael Schumacher mit ein bisschen Anlauf wieder ganz vorne mitfahren wird. Lauda glaubt schon ab dem dritten Rennen. Da muss er sich beeilen. Seine Freundschaft mit Ross Brawn hilft ihm nur bedingt weiter. Das Team schlägt sich immer auf die Seite des Schnelleren. Und die Mannschaft wird sich mit jedem gewonnen Teamduell von Rosberg ihre Gedanken machen.

Umfrage
Wer wird 2010 Formel 1-Weltmeister?
Ergebnis anzeigen
Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden