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Formel 1-Analyse mit Christian Danner

"Schumacher will zu viel vom Auto"

Christian Danner Foto: Grüner 18 Bilder

Ex-Formel 1-Pilot Christian Danner hat sich mit dem auto motor und sport-Reporter in Valencia an die Strecke begeben, um die Formel 1-Autos aus der Nähe zu betrachten. Nicht alle Piloten kommen in der Analyse des Experten gut weg.

26.06.2010 Tobias Grüner

Das zweite Training von Valencia ist in vollem Gange. Von oben brennt die Sonne. Nur wenige Meter hinter dem Fangzaun dröhnen die Formel 1-Boliden vorbei. Ex-Formel 1-Pilot Christian Danner hat sich einen Logenplatz in der Zielkurve gesichert. "Man muss die Autos von hinten betrachten, um zu erkennen, wie gut sie liegen. Von vorne sehen alle gleich aus", erklärt der TV-Experte.

Die enge Zielkurve ist ein guter Gradmesser für die Balance des Autos. In der Anbremsphase liegen die Boliden hier sehr unruhig. Die Piloten kommen aus einer schnellen Links-Rechts-Passage, bevor es in die ganz enge Haarnadel wieder linksherum geht. "Hier braucht das Auto richtig Biss", erklärt Danner das Erfolgsrezept.

Button fährt mit zwei Fingern

Als erster kommt Kamui Kobayashi mit seinem Sauber angeflogen. Der Japaner rumpelt mit dem ganzen Auto innen über die Kerbs. Ein Wunder, dass der Unterboden die raue Behandlung überlebt. Danner schüttelt nur den Kopf. "Ziemlich wild", drückt es der Ex-Pilot noch freundlich aus. "Kobayashi kann man nicht analysieren. Der fährt jede Runde eine andere Linie."

Aber auch bei den anderen Piloten lassen sich deutliche Unterschiede erkennen. "Achte mal auf den Button! Man hat das Gefühl, der rollt einfach nur durch die Kurve", analysiert Danner. Und tatsächlich. Als der Weltmeister mit seinem McLaren in einem weiten Bogen heranfährt, dauert es eine gefühlte Ewigkeit, bis er schließlich mit viel Gefühl aufs Gas steigt. Der Vergleich mit dem viel aggressiveren Teamkollegen Lewis Hamilton ist auch für den Laien erkenntlich. "Button fährt mit zwei Fingern, Hamilton mit zwei Händen", grinst der prominente Beobachter hinter dem Zaun.

Schumacher will mehr vom Auto als es hergibt

Als zweiten Punkt für seine Analyse wählt Danner Kurve 13. Mit über 315 km/h kommen die Piloten herangeschossen, um in eine Zweite-Gang Links-Rechts-Passage einzubiegen. Wieder ist es Kobayashi, der mit seinem zickigen Sauber die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich zieht. "Wenn man schon von außen sieht, dass sich das Auto so bewegt, ist es hoffnungslos", lautet der schonungslose Kommentar des Experten. "Als Fahrer spürst du das noch viel früher. Der Sauber ist von der Fahrbarkeit eines der schwierigsten Autos im Feld."

Dann schießt der Silberpfeil von Michael Schumacher heran. Auch er kämpft am Kurvenausgang mit dem Auto, kommt sogar leicht von der Linie ab, so dass es sichtbar hinter dem Mercedes staubt. "Er will einfach zu viel vom Auto. Mehr als es hergibt. Man sieht, dass er alles versucht." Ein Blick auf Teamkollege Nico Rosberg verrät: Der Youngster fährt einen sichtbar kontrollierteren Strich in der schwierigen Passage. "Ich erwarte Rosberg an diesem Wochenende stärker als Schumacher", so Danner. Der Blick auf den Zeitenmonitor bestätigt den Eindruck des Experten. Mehr als sechs Zehntel ist Rosberg im zweiten Training schneller.

Vettel aggressiver als Teamkollege Webber

Auch bei Red Bull sind die Unterschiede frappierend. "Webber fährt deutlich runder als Vettel", so die Analyse. "Man kann aber von außen nie genau sagen, was schneller ist", warnt Danner vor voreiligen Schlüssen. Das zu starke Räubern über die Kerbs hält Danner jedoch für "kontraproduktiv". Dann kommt Robert Kubica vorbei. "Die Renault liegen wirklich gut", erkennt der Ex-F1-Pilot mit geschultem Auge. "Die könnten im Rennen erneut für eine Überraschung sorgen."

Zusammen mit dem auto motor und sport-Reporter macht sich der Streckenkibiz weiter auf den Weg in den hinteren Streckenabteil. Die Sonne brennt heiß auf den Asphalt. Auf dem langen Geradeausstück pfeilen die Boliden mit mehr als 300 km/h vorbei. Aus der Nähe kommen einem die Autos noch viel schneller vor als im Fernsehen. Plötzlich rote Flaggen. Die Session ist gestoppt, weil sich Felipe Massa mit seinem Ferrari gedreht hat und mitten auf der Strecke stehengeblieben ist.

Mayländer bestätigt Danners Eindrücke

Auf dem Rückweg Richtung Boxengasse sieht Danner Safety-Car-Pilot Bernd Mayländer am Zaun. Der Rennfahrer hat sich ebenfalls Kurve 13 ausgesucht, um sich die Boliden aus der Nähe anzuschauen. "An dieser Ecke komme ich sogar im Safety-Car auf 250 km/h an. Da werden die Bremsen extrem gefordert."

Ohne sich abgesprochen zu haben, bestätigt Mayländer die Analysen von Danner. "Vettel fährt aggressiver als Webber. Die Red Bull liegen generell sehr gut. Auch der Renault gefällt mir. Die schönste Linie fährt in dieser Passage aber meiner Meinung nach Nico Rosberg." Am meisten Spaß macht ihm allerdings ein ganz anderes Auto: "Der HRT bietet dem Zuschauer die meiste Action. Der driftet in jeder Kurve."

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