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F1-Architekt Hermann Tilke über Mexiko

"Stadion mit 40.000 Menschen wird geil"

Hermann Tilke - 2015 Foto: xpb 53 Bilder

Formel 1-Architekt Hermann Tilke kann sich über mangelnde Arbeit nicht beschweren. Im Interview spricht der Aachener über die aktuellen Strecken-Projekte in Mexiko und Aserbaidschan. Und er gibt seine Einschätzung zur Sicherheitsdiskussion an der Nordschleife.

01.09.2015 Tobias Grüner
Das dringendste Projekt ist momentan wohl Mexiko. Wie ist der Stand der Bauarbeiten?

Tilke: Es wird noch gebaut. Wir liegen aber gut im Plan. Es wird natürlich knapp, wie immer. Aber das ist normal. Das sind wir schon gewöhnt. Bauchschmerzen bekomme ich deswegen nicht. Das wird schon rechtzeitig fertig werden.

Was waren die großen Herausforderungen in Mexiko im Vergleich zu anderen Strecken?

Tilke: Die Sektion durch das Stadion ist natürlich etwas ganz Besonderes. Die Mexikaner wollten das unbedingt. Das sorgt für eine richtig geile Atmosphäre. Es war aber nicht so einfach, da etwas Interessantes hinzubekommen. Wir haben es aber glaube ich ganz gut geschafft, dass die Autos relativ schnell ankommen, dann hart bremsen und in einem Geschlängel durch das Stadion fahren. Eine weitere Herausforderung waren die Grenzen der Rennstrecke - sowohl nach außen als auch nach innen. Außen liegen Privatgrundstücke. Innen ist eine Parkanlage mit Tennis- und Fußballplätzen. Das musste natürlich stehenbleiben.

Was blieb von der alten Strecke erhalten?

Tilke: Wir mussten natürlich alles neu asphaltieren. Der alte Belag war schon etwas in die Jahre gekommen. Auch das Boxengebäude und die Infrastruktur sind komplett neu. Wir haben aber versucht, den alten Charakter zu erhalten. An einigen Stellen ging das auch - zum Beispiel an der langen Start-Ziel-Gerade. Weil wir in der ersten Kurve die Auslaufzone nicht nach außen erweitern konnten, haben wir sie etwas nach vorne geholt.

Es scheint, als gäbe es einige gute Überholmöglichkeiten.

Tilke: Von der Theorie her schon. Da müssen wir aber erst mal sehen, wie es funktioniert.

Ist es etwas ärgerlich, dass die legendäre Peraltada-Kurve nicht mehr komplett durchfahren wird?

Tilke: Ja schon. Aber wie gesagt bestand der Wunsch, dass man durch das Stadion fährt. Mit 40.000 Menschen auf den Tribünen wird das bestimmt auch geil. Man muss immer schauen, was wichtiger ist.

Vor Mexiko kommt noch der GP Russland. In Sochi wird dieses Jahr zum zweiten Mal gefahren. Bei der Premiere 2014 gab es etwas Kritik, zum Beispiel an der Boxeneinfahrt. Haben sie noch einmal umbauen lassen?

Tilke: Die Boxeneinfahrt haben wir leicht geändert. Ob das Tempo wieder besonders begrenzt werden muss, wird man sehen. Es ist einfach sehr eng an der Stelle. Da geht uns einfach der Platz aus. Man denkt, auf der Anlage gibt es genügend Freiflächen, aber so war es nicht. Dann gab es noch ein paar Sackungen über die Zeit. Die haben wir aber ausgebessert.

Das nächste große, neue Projekt steht auch schon vor der Tür. 2016 fährt die Formel 1 in Baku, der Hauptstadt von Aserbaidschan. Ist das auch für Sie mal etwas anderes?

Tilke: Ja, das ist schon ganz anders. Es wird ein reiner Stadtkurs, bei dem es auch richtig durch die Stadt geht. Und dann gibt es eine ewig lange Gerade. Eigentlich ist es gar keine Gerade. Zu Beginn des Abschnitts gibt es ein Geschlängel, das aber auf jeden Fall Vollgas gefahren werden kann. Das ist so ähnlich wie in Spa. Von La Source bis Les Combes geht es durch Eau Rouge ja auch mit Vollgas. Die Passage in Baku ist ähnlich lang.

Im kurvigen Teil durch die Stadt müssen sie den Asphalt über Kopfsteinpflaster legen haben wir gehört?

Tilke: Ja, das betrifft zwei Stellen. Da wird das Kopfsteinpflaster überbaut und anschließend wieder weggebaut. Auch das Boxengebäude bleibt nicht permanent stehen. Es wird zu jedem Grand Prix neu errichtet.

Das Rennen soll im Juli 2016 starten. Wann beginnen die Bauarbeiten?

Tilke: Weil noch einige grundsätzliche Sachen zu machen sind, fangen wir Dezember/Januar vor Ort mit dem Bau an. Es wird aber schon vorher im Werk mit der Produktion von Mauer- und Sicherheitselementen etc. begonnen.

Aserbaidschan klingt sehr weit weg und hat nicht gerade viel Tradition im Bau von Rennstrecken. Wie sind Ihre Erfahrungen bisher?

Tilke: Die Zusammenarbeit funktioniert bisher sehr gut. Probleme gibt es keine. Die Menschen vor Ort sind sehr sympathisch und freuen sich einfach, dass die Formel 1 kommt.

Auch in der Eifel wird mal wieder gebaut. Die Nordschleife soll sicherer gemacht werden. Sie kennen die Strecke sehr gut. Kann das funktionieren?

Tilke: Wir sind in dem Projekt nicht involviert, deshalb weiß ich nicht genau, was geplant ist. Meine generelle Meinung dazu lautet, dass man wenn möglich nichts an der alten Streckenführung ändern sollte. Man darf den Charakter nicht zerstören. Sonst ist es am Ende nicht mehr die Nordschleife. Ich bin eher der Meinung, dass man an den Autos etwas ändern sollte. Ich habe nichts gegen die GT3-Autos, aber vielleicht gibt es die Möglichkeit eines speziellen Nürburgring-Kits, was es bei anderen Strecken ja auch gibt. Die Autos werden immer schneller. Mit kleinen, rückbaubaren Modifikationen könnte man meiner Meinung nach schon viel erreichen.

In unserer Galerie nehmen wir Sie mit auf die erste Runde auf dem neuen Kurs in Mexiko-City.

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