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Formel 1-Auto für 2017

Neues Auto kommt, Motorabstimmung verschoben

Red Bull Concept - F1 Auto 2017 Foto: ams / Red Bull 31 Bilder

Am Dienstag (26.4.2016) tagte zunächst die Strategiegruppe, dann die Formel 1-Kommission. Ein offizielles Statement zu den 2017er Autos und Motorreglements gab es aber nicht. Dennoch sickerten Details durch: Das McLaren-Modell als Vorlage für das 2017er Auto wurde von den Teams durchgewinkt. Über die neuen Motorregeln wird erst am 30. April abgestimmt, weil die Formel 1-Kommission nicht komplett war. Es wird bestenfalls aber eine Mogelpackung.

27.04.2016 Michael Schmidt, Andreas Haupt

Zunächst gab es große Zustimmung. Breitere, schnellere und aggressivere Autos kamen innerhalb der Formel 1 und bei ihrer Fangemeinde gut an. Doch je länger der Regeldefinierungsprozess dauerte, desto mehr Konzepte wurden auf den Tisch geworfen. Und desto mehr Zweifel schlichen sich ein. Braucht die Königsklasse wirklich neue Autos, die durch mehr Aerodynamik schneller werden? Oder wird dadurch das Hinterherfahren und Überholen nicht noch schwerer, als es sowieso schon ist? Also unter gleichen Voraussetzungen mit gleich alten Reifen. Und wie sieht es mit den Kosten aus, welche die kleinen Teams immer mehr drücken?

Formel 1 2017 - F1 - Piola
So wird die neue Formel 1 2:15 Min.

Neues F1-Auto 2017 kommt

Am Dienstag steckten zunächst die Vertreter der Strategiegruppe und danach die der Formel 1-Kommission die Köpfe zusammen, um das technische und sportliche Reglement für 2017 fest zu zurren. Alles blickte auf den Flugplatz Biggin Hill bei London. Die Strategiegruppe setzt sich aus sechs Teams (Ferrari, Mercedes, Williams, McLaren, Red Bull, Force India), sowie Vertretern der FOM (Bernie Ecclestone) und der FIA (Jean Todt) zusammen. In der Kommission sitzen dagegen alle Teams, wichtige Sponsoren, Rennstreckenbetreiber/Promoter, der Reifenlieferant (Pirelli), sowie die FOM und FIA. Es wurde fast den ganzen Tag getagt. Auf ein Ergebnis wartete die Öffentlichkeit vergeblich. Es könnte sogar erst am Donnerstag oder Freitag verkündet werden.

Dennoch sickerten Details durch. Die neuen Autos und breiteren Reifen kommen. Auf Basis des McLaren-Vorschlags. Also zwei Meter breite Autos mit einer maximal 160 Zentimeter breiten Karosserie. So wurde es Ende Februar von der Formel 1-Kommission an den FIA-Weltverband weitergeleitet, und von diesem am 4. März durchgewinkt. Vor allem Mercedes warb in den letzten Wochen stark gegen die Änderungen. Auch mit öffentlichen Statements. Doch weder die Strategiegruppe noch die Formel 1-Kommission konnte den bereits verabschiedeten Schritt verhindern, obwohl der letzten Umfrage zufolge die Mehrheit der Teams und der Fahrer für den Verbleib des aktuellen Chassis-Reglements war.

Das 2017er Modell soll zwischen vier und fünf Sekunden schneller als die aktuelle Generation sein. Die Autos werden deutlich aggressiver aussehen. Die Reifenbreite steigt von 245 mm auf 305 mm vorne und von 325 mm auf 405 mm hinten. Frontflügel (von 1.650 mm auf 1.800 mm) und Heckflügel (von 750 mm auf 950 mm) werden breiter. Zudem wird der Heckflügel deutlich tiefer sitzen - statt 950 mm nur noch 800 mm über dem Boden. Die Breite der Karosserie klettert von derzeit 1.400 mm auf 1.600 mm.

Experten befürchten, dass die schnelleren und aerodynamischeren Autos das Hinterherfahren und damit das Überholen auf der Rennstrecke deutlich schwerer machen. Auch die Fahrer warnten. Sie wollen zwar schnellere Rennwagen. Doch nicht vermehrt über aerodynamischen Anpressdruck, sondern mechanischen Grip.

Motoren 2018 nur vier Millionen Euro billiger

Ein weiterer wichtiger Punkt auf der Agenda der Strategie- und F1-Kommission war das Motorenreglement. Bei ihrem Treffen in Biggin Hill kamen die FIA, Bernie Ecclestone, die Teams und die Hersteller hier nur einen kleinen Schritt weiter. Bei der Abstimmung fehlten die sechs Vertreter der Veranstalter und die zwei stimmberechtigten Sponsor-Repräsentanten. Damit hätte ein Abstimmungsergebnis keine Gültigkeit gehabt. Das Votum wird nun am 30. April per Fax nachgeholt.

Der ursprüngliche Plan von FIA-Präsident Jean Todt und die Mindestforderung von Bernie Ecclestone wurden mittlerweile auf Druck der Hersteller so verwässert, dass zum Schluss eine Mogelpackung dabei herauskommen wird. Der Preis der Antriebseinheiten wird 2018 nicht auf die geforderten 12 Millionen Euro sinken. Vereinbart wurde eine Kostensekung um eine Million Euro für 2017 und drei weitere Millionen für 2018. Ausgehend vom aktuellen Preis.

Wer also im Augenblick 20 Millionen bezahlt, wird 2018 mit 16 Millionen zur Kasse gebeten. Dafür gibt es dann aber nur noch drei Motoren und jeweils zwei Batterien und Steuereinheiten pro Fahrer. Unter dem Strich bekommen die Hersteller also mehr Geld als jetzt. Wenn die FIA ihre Vorschläge durchsetzt, die Motoren von ihrer Leistung her anzugleichen, schneiden die Autokonzerne sogar besser deutlich ab als heute. Dazu kommt, dass weder Benzin- noch Ölkosten in dem Paket enthalten sind. Die kleinen Teams fürchten, dass sie von den Kraftstofflieferanten durch die Hintertür zur Kasse gebeten werden.

Das Ziel ist es, drei der vier Motorenhersteller bis 2018 auf einen Leistungsstand zu bringen, der gemessen auf eine Runde in Barcelona einen Unterschied von nur noch drei Zehntel vom Besten zum Schlechtesten ausmacht. Eine komplizierte zweiseitige Formel rechnet dabei den Anteil der Antriebseinheit an der Rundenzeit heraus. Bescheidene Frage: Was macht die FIA, wenn die Gegner von Mercedes trotz aller Hilfestellung nicht auf die entscheidenden Lösungen kommen, um den Rückstand zu Mercedes aufzuholen?

Notnagel der Hersteller mit den wenigsten Kunden

In einem ersten Schritt sollen die Komponenten, die für die Motorleistung relevant sind, in Bezug auf Gewicht, Dimensionen und Material standardisiert werden. 2017 soll das Token-System fallen, so dass alle Hersteller ohne Zwänge entwickeln können. Natürlich auch Mercedes. In einem weiteren Schritt sollen Disziplinen reglementiert werden, in den Mercedes vielleicht einen Vorteil haben könnte. Zum Beispiel durch eine Beschränkung der Verdichtung oder der Ladelufttemperatur.

Ein Streitpunkt bleibt die Verfügbarkeit der Motoren. McLaren-Chef Ron Dennis argumentiert weiter, dass er vertragsbrüchig wird, wenn er 2017 mehr als zwei Teams beliefert. Die FIA will, dass bei einem Notstand wie im letzten Jahr derjenige Hersteller einem Team ohne Motor aushilft, der am wenigsten Kunden hat. Das wäre im Augenblick Honda. Da nur 75 Prozent der Hersteller zustimmen müssen, könnte McLaren da ausgebremst werden.

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