Die Uhr tickt. Am 29. Februar will die FIA eine Antwort auf die Frage, wie das 2017er Auto aussehen soll. Danach bringt sie Regeländerungen für 2017 nur noch mit Einstimmigkeit auf den Weg. Doch je näher die Frist rückt, umso konfuser die Meinungen. Das ursprüngliche Konzept von Red Bull ist längst verwässert. Die geplante Chassisbreite schrumpfte von 180 auf 140 Zentimeter, nur um beim letzten Mal wieder auf einen Kompromiss von 160 Zentimetern anzuwachsen.
Die FIA und die meisten Teams wollen auf jeden Fall so schnell wie möglich Klarheit für die übernächste Saison. Der Vorschlag von Williams, alles auf 2018 zu verschieben, fand keine Zustimmung. Doch die Beteiligten wissen auch, dass sich keiner einen Schnellschuss leisten kann. Vor allem, wenn es so viele unterschiedliche Meinungen gibt.
Entscheidung über F1 Auto 2017 erst später?
Beim letzten Treffen der Technikdirektoren in Genf wurde deshalb auch diskutiert, ob man die Frist für Mehrheitsbeschlüsse in dieser Frage nicht ausnahmsweise um zwei Monate verlängern könnte. Um zu verhindern, dass dabei ein schlechter Kompromiss herauskommt.
Die Torschlusspanik hat zwei Gründe. Red Bull will Autos mit deutlich mehr Abtrieb. Sprich 5 Sekunden schneller. Mercedes und Ferrari glauben, dass man mit dem normalen Fortschritt in 2 oder 3 Jahren ohnehin dort ankommt. McLaren plädiert für eine Zwischenlösung. Auch die Mittelfeld-Teams wie Force India favorisieren eine Politik der kleinen Schritte. Das spart Kosten.
Je länger die Diskussionen dauerten, umso mehr misstrauten sich die Teams untereinander. Die Vehemenz, mit der Red Bull um sein Konzept kämpft, hat den Verdacht verstärkt, dass die Truppe um Adrian Newey hauptsächlich seinen eigenen Vorteil im Visier hat. Der Frontflügel und das Generieren von Luftwirbeln zum Abdichten spielen weiter eine zentrale Rolle. Beides sind Neweys Domänen. Red Bull wiederum will einen Neubeginn in der Hoffnung, die Vormachtstellung von Mercedes und Ferrari brechen zu können.
Will die FIA Pirelli überfordern?
Der Streit um das neue Auto hat aber auch eine politische Dimension. Pirelli hat den Teams erklärt, dass man keinen Reifen bauen kann, der Belastungen von 50 Prozent mehr aushält. Es sei denn, man erhöht die Reifendrücke um 3 bis 4 PSI. Das aber wollen die Fahrer nicht. Weil dann die Autos in den langsamen Kurven mangels mechanischem Grip zu langsam werden. Und weil dann vom aerodynamischen Fortschritt nur 2 oder 3 Sekunden auf der Strecke ankommen.
Pirelli macht sich deshalb für die gemäßigte Revolution stark. Der italienische Reifenhersteller will öffentlich nicht zugeben, dass 5 Sekunden schnellere Autos die Reifen überfordern. Offenbar setzt die FIA gerade an diesem Punkt an. Pirelli hat zwar bereits mit Bernie Ecclestone einen kommerziellen Vertrag bis 2019 abgeschlossen, noch nicht aber den Ausrüster-Vertrag mit dem Verband.
Michelin kann Reifen für jedes Tempo bauen
Es ist kein Geheimnis, dass FIA-Präsident Jean Todt lieber Michelin im Boot hätte. Die Franzosen erklären, sie könnten für jedes Tempo Reifen bauen. Doch sie wollen auch bestimmen, wie die Reifen aussehen, wenn sie den Zuschlag bekommen. Die gewünschten Niederquerschnittsreifen mit geringem Gripverlust schmecken jedoch vielen Teams und Bernie Ecclestone nicht.
Pirelli fordert von den Teams spezielle Tests für die breiteren Reifen. Die Teams aber weigern sich, extra Testautos dafür bereitzustellen. Michelin sieht sich in der Lage, auch ohne Testfahrten Reifen für hohe Anforderungen zu bauen. In Clermont-Ferrand steht ein entsprechender Reifenprüfstand.
Beobachter vermuten, dass die Michelin-Fans in der FIA versuchen, Pirelli über das Auto der Zukunft in eine Ecke zu drängen. Je unerfüllbarer die Forderungen an Pirelli, umso größer die Chance, dass dort einer das Handtuch wirft.
In unserer Galerie zeigen wir den Entwurf für das Formel 1-Auto 2017, der aktuell in der Diskussion ist.