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Formel 1 blamiert Kritiker

Neue Formel 1 nur 59 Tausendstel langsamer

Kimi Räikkönen - Formel 1 - GP Bahrain 2014 Foto: Wilhelm 76 Bilder

Diese Antwort kam zur rechten Zeit. Wäre der GP Bahrain eine Schlaftablette gewesen, hätte er den Kritikern Recht gegeben. Der spannende Nacht-Krimi verschafft dem neuen Rennformat erst einmal Luft. Auch die Kritik am mangelnden Speed dürfte verstummen. Wir haben die Zeiten mit dem Vorjahr verglichen.

07.04.2014 Michael Schmidt

Bernie Ecclestone und Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo erlebten das Ende nicht mehr mit. Sie reisten 12 Runden vor der Zieldurchfahrt ab. Eigentlich schade. Sie haben viel verpasst. Der GP Bahrain, der bereits in den ersten 41 Runden ein Knüller war, nahm nach der Safety-Car-Phase noch einmal richtig Fahrt auf. Mit Zweikämpfen und Überholmanövern, wohin man schaute. An der Spitze, im Verfolgerfeld, mittendrin und hinten. Wer jetzt noch nicht zufrieden ist, hat ein anderes Rennen gesehen.

Selbst Nico Rosberg verlor den Überblick: "Ich war schon neun Mal an Lewis vorbei, und er ist immer wieder zurückgekommen." Es könnte aber auch acht oder zehn Mal gewesen sein. Kaum ist das Rennen spannend, tritt auch das Lärmthema in den Hintergrund. Keiner hat sich am Ende des Rennens beschwert, dass es zu leise war.

Kritische Reifen spielten eine Rolle

Bleiben wir auf dem Teppich. Die Grand Prix in Australien und Malaysia haben keinen vom Sitz gerissen. Aber so schlecht, wie sie gemacht wurden, waren sie auch wieder nicht. Da gab es schon ganz andere Langweiler. Auch in der V8-Ära. Zum Beispiel der GP Kanada im Vorjahr, der GP Belgien oder der GP Singapur. Der Motor spielt für die Qualität des Rennens eine untergeordnete Rolle. Außer einer aus der Spitzengruppe verliert plötzlich Leistung und wird von den Verfolgern aufgeschnupft.
 
Es sind immer wieder die gleichen Zutaten, die ein gutes Rennen ausmachen. Wenn die Strecke mehrere Linien zulässt. Wenn schnelle Fahrer wie diesmal die Red Bull in der Startaufstellung weit hinten stehen. Wenn die Reifen unterschiedliche Bedingungen schaffen. Acht Fahrer kamen mit zwei Stopps über die Runden, acht mit drei.

Pirelli-Sportchef Paul Hembery analysierte: "Gutes Reifenmanagement war heute ein Faktor. Als die Streckentemperaturen gefallen sind, haben einige Fahrer von drei auf zwei Stopps umdisponiert. Das hat für unterschiedliche Strategien und unterschiedliche Reifen im letzten Stint gesorgt. Und das ist die Voraussetzung für Rad-an-Rad-Kämpfe."

Formel 1-Speed fast auf Vorjahresniveau

Auch die Kritik an den langsamen Rundenzeiten wird bald verstummen. Weil die Autos immer schneller werden. Zugegeben, Bahrain schmeichelt wegen seiner vielen Geraden den Turbo-Motoren, die Top-Speeds von 335,7 km/h zuließen. Nico Rosbergs Pole Position von 2013 stand bei 1:32.330 Minuten. Ein Jahr später war er 0.855 Sekunden langsamer. Rosbergs schnellste Rennrunde vor einem Jahr wurde mit 1:36.961 Minuten gestoppt. Dieser Wert wurde mit 1:37.020 Minuten nur um 59 Tausendstelsekunden verfehlt.

Mercedes-Chefdesigner Aldo Costa kann deshalb die Diskussion nicht verstehen, dass die neuen Motoren die Autos zu viel Speed kosten. "50 Kilogramm mehr Gewicht bedeuten 1,5 Sekunden auf der Uhr. Die reduzierte Aerodynamik kostet uns eine weitere halbe Sekunde. Dazu kommen noch die härteren Reifenmischungen, deren Auswirkung auf die Rundenzeit schwer zu beziffern ist. Hätten wir jetzt noch einen V8-Motor im Auto wären wir viel langsamer. Der V6-Turbo hilft den Rundenzeiten."

Jede Regeländerung ein Neustart

Mercedes-Teamchef Paddy Lowe findet es auch nicht schlimm, dass die Autos zunächst einmal einen Schritt zurück machen. "Das war doch bei allen Regeländerungen so. Sie hatten alle einen Reset zum Ziel. Sonst wären die Autos heute ja so schnell, dass sie keiner mehr fahren könnte. Wir werden bis zum Jahresende eineinhalb Sekunden finden. Dann sehen wir im Vergleich zum letzten Jahr schon gar nicht mehr so schlecht aus. Und das mit 30 Prozent weniger Sprit."

Wir haben Lowes Aussage am Beispiel der letzten beiden Regeländerungen überprüft. 2006 wechselte die Formel 1 vom V10 zum V8 und verlor 200 PS. Die Pole Position-Zeit stieg von 1:29.848 Minuten auf 1:31.431 Minuten an. Keiner beschwerte sich damals.

2009 kam die große Aero-Reform mit breiten Frontflügeln, schmalen Heckflügeln und einem kastrierten Diffusor. Auch da kletterten die Rundenzeiten der Trainingsbestzeit von 2008 auf 2009. Von 1:33.096 Minuten auf 1:33.431 Minuten. Im Rennvergleich war es noch dramatischer. 2009 war die schnellste Rennrunde mit 1:34.556 Minuten um 1,4 Sekunden langsamer als im Jahr davor mit ungezügelter Aerodynamik. Im Jahr 2008 kam Heikki Kovalainen auf 1:33.193 Minuten.

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