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Formel 1-Blog

Rosberg wird zum Buhmann

Podium - GP Belgien 2014 Foto: xpb 110 Bilder

Nico Rosberg hat auf dem Podium von Spa einiges auf die Ohren bekommen. Die Fans begrüßten den Zweitplatzierten mit Pfiffen und Buhrufen. Grund für die wachsenden Anfeindungen war nicht nur die Kollision auf der Strecke, meint Tobias Grüner in seinem Formel 1-Blog.

25.08.2014 Tobias Grüner

Nico Rosberg ist momentan nicht zu beneiden. Während der Mercedes-Pilot den WM-Vorsprung auf Lewis Hamilton in Spa deutlich ausbauen konnte, ist er in der Gunst der Zuschauer stark gesunken. In Fanforen und den sozialen Netzwerken machten viele Fans ihrem Ärger über den "unfairen Deutschen" Luft. Vor allem aus England bekommt Rosberg Gegenwind. Die Hamilton-Anhänger machen mobil.

In Spa bekam Rosberg die Kritik erstmals hautnah zu spüren. Der Zweitplatzierte wurde auf dem Podium mit Pfiffen und Buhrufen empfangen. Selbst Zeremonienmeister Eddie Jordan, der die ersten Interviews nach der Champagner-Dusche führte, konnte die Meute nicht beruhigen. Der Gesichtsausdruck Rosbergs sprach Bände. Der Unmut der Zuschauer scheint Spuren hinterlassen zu haben. Doch wie wurde der ehemalige "Mister Nice-Guy" innerhalb von nur einer halben Saison zum Buhmann?

Hamilton bringt sich in die Opferrolle

Die Wandlung von Dr. Jekyll zu Mr. Hyde hat mehrere Gründe. Bei den englischen Fans stand der deutsche Fahrer Rosberg schon immer unter Verdacht, vom deutschen Team Mercedes bevorzugt zu werden. Die unheimliche Technik-Misere bei Hamilton in dieser Saison schien den Verdacht zu bestätigen. Dass der Kommandostand Hamilton in Ungarn auffordert Platz für Rosberg zu machen, rief die Verschwörungstheoretiker erneut auf den Plan.

Auch Hamilton selbst trägt zur wachsenden Unpopularität Rosbergs bei. Der Brite hält mit seiner Meinung bekanntlich nicht hinterm Berg. Die ersten Nadelstiche kamen schon früh in der Saison: Rosberg sei nicht so hungrig auf Erfolg wie er, erklärte der Brite in Monaco. Vor Rosbergs Heimspiel in Hockenheim gab es Wirbel um die Aussagen, Rosberg sei gar kein richtiger Deutscher.

Hamilton bringt sich zudem geschickt in die Opferrolle. Nach dem Feuer im Budapest-Qualifying sprach der Brite von "mehr als nur Pech". Auch die Stallregie im Rennen wurde lautstark beklagt. Später mussten sogar die Teambosse zugeben, dass der Befehl zum Platzmachen ein Fehler war. In Spa plauderte Hamilton dann genüsslich darüber, wie sauer sein Teamkollege auch 3 Wochen später noch war, dass er nicht durchgewinkt wurde.

Auch den Inhalt der zweiten Aussprache im Mercedes-Team nach der Kollision in Spa brachte Hamilton an die Öffentlichkeit. Mit seinen Aussagen über den absichtlich herbeigeführten Unfall goss der Weltmeister von 2008 weiter Öl ins Feuer. Unmissverständlich forderte der Engländer härtere Konsequenzen. Das Vertrauensverhältnis zu Rosberg sei nachhaltig gestört. Kein Wunder, dass die Hamilton-Fans auf die Barrikaden gehen.

Rosberg kontert Hamilton-Attacken nicht öffentlich

Und wie reagiert Rosberg? Bisher leider noch gar nicht. Während Hamilton immer für einen guten Spruch gut ist, gibt sich Rosberg bei Nachfragen zum teaminternen Verhältnis stets politisch korrekt. Wer härter nachbohrt, bekommt meist ein "kein Kommentar" oder "da möchte ich nicht weiter ins Detail gehen" als Antwort. Über Fouls und Tricks des Teamkollegen oder die Stallregie-Nummer von Budapest verliert Rosberg öffentlich kein Wort.

Doch die Taktik, sich nicht auf die Psycho-Spielchen seines WM-Rivalen einzulassen, scheint nicht aufzugehen. Mit der Einmauerungspolitik gewinnt Rosberg keine neuen Unterstützer. Die Fans wollen Fahrer sehen, die emotional reagieren und ihr Herz auf der Zunge tragen. Hamilton hat sicher in seiner Karriere schon einige unüberlegte Dinge gesagt oder getan – wir erinnern nur an den Telemetrie-Twitter-Skandal vor 2 Jahren – aber seiner Popularität hat das nie geschadet. Im Gegenteil: Bei Angriffen von außen kann sich Hamilton voll auf die Unterstützung seiner Anhängerschaft verlassen.

Auch teamintern muss Hamilton keine Konsequenzen für seine Indiskretionen fürchten. Nach dem Technikpech, der Budapest-Stallregie und der Spa-Kollision käme eine Kritik des Teams an Hamilton momentan nicht gut an. Stattdessen wurde Rosberg plötzlich zum schwarzen Schaf im Silberstall abgestempelt. Niki Lauda und Toto Wolff machten kein Geheimnis aus ihrem Ärger über Rosbergs Anteil an der "inakzeptablen" und "unnötigen" Kollision.

Auch Ingenieure und Mechaniker sehen es bekanntlich nicht gerne, wenn der Erfolg ihrer Arbeit durch teaminterne Kollisionen gefährdet wird. "Er hat das Team im Stich gelassen", so Wolff über Unfallverursacher Rosberg. Der Pilot droht die Unterstützung seiner Mannschaft zu verlieren. Das einzige, mit dem sich Rosberg noch trösten kann, ist der Blick auf die Tabelle. Doch sollte er den 29 Punkte-Vorsprung in den letzten 8 Rennen noch verspielen, steht Rosberg am Ende vielleicht mit ganz leeren Händen da.

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