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Schmidts Formel 1-Blog

Schumi feiert Jubiläum zu früh

Michael Schumacher - Jubiläumsparty Foto: Daniel Reinhard 153 Bilder

Am Wochenende feiern in Spa alle den 300. Grand Prix von Michael Schumacher. auto motor und sport wird dem Rekordchampion erst in Monza gratulieren. In seinem Blog erklärt Formel 1-Experte Michael Schmidt warum.

28.08.2012 Michael Schmidt

Würde man Michael Schumacher schon am kommenden Wochenende zum 300-fachen GP-Teilnehmer küren, müssten sämtliche Statistikbücher umgeschrieben werden. Dann hätte Alain Prost 200 und nicht 199 Starts, Jackie Stewart 100 statt 99, Rubens Barrichello 325 statt 323, Bruce McLaren 102 statt 100. Und so weiter, und so weiter. Man muss schon bei allen Fahrer den gleichen Maßstab anlegen.

Schumacher verpasst Start in Magny-Cours 1996

Am strengsten bewertet der Grand Prix-Guide des Schweizers Jacques Deschenaux den Parameter "GP-Start". Und das rote Buch gilt in Formel 1-Kreisen als die Bibel der Statistiker und als maßgebliches Werk. Ein Grand Prix gilt als gestartet, wenn der Fahrer mit seinem Auto in seine Startbox gerollt ist oder aus der Boxengasse losfährt. Alle Ausfälle davor, egal ob im Training, im Warm-up oder in der Formationsrunde gelten als nicht gestartet.

Das Rennen beginnt, wenn die Startampel erlischt. Oder früher, wenn der Rennleiter die Landesfahne geschwenkt hat. Erst einige der jüngeren Fahrer und Teamchefs haben da ihre eigene Rechnung aufgemacht und ihnen ist es auch egal, dass sie bei sich andere Maßstäbe anlegen als bei anderen.

Ich habe mit dem damaligen Ferrari-Rennleiter Jean Todt fast einmal Streit bekommen, als er beim GP Monaco 2004 Michael Schumachers 200. GP-Start feiern wollte. Auf meinen Einwand hin, dass er noch ein Rennen damit warten muss, weil Michael Schumacher beim GP Frankreich 1996 in der Formationsrunde mit Motorschaden liegenblieb, meinte Todt, dass er diesen Grand Prix trotzdem zähle.

Auch Barrichello feierte stets zu früh

Ich habe ihm darauf geantwortet, dass er in diesem Fall die Ferrari-interne Statistik umschreiben müsse. Dort wird in allen Werken Alain Prost mit 199 GP-Starts geführt. Völlig zurecht. Prost hatte sich 1990 in der Formationsrunde zum GP San Marino auf regennasser Straße ins Aus gedreht und musste auf den Start verzichten.

Jackie Stewart hatte 1973 für den GP USA trainiert, nach dem tödlichen Unfall seines Teamkollegen Francois Cevert aber seinen Start abgesagt. Beim GP USA 2005 sind 14 der 20 Fahrer nur bis zur Einführungsrunde gekommen. Ihr Reifenlieferant Michelin hatte ihnen die Teilnahme am Rennen verboten. Für keinen dieser Fahrer, von Weltmeister Fernando Alonso bis zu McLaren-Pilot Kimi Räikkönen, zählt dieser Grand Prix.

Rubens Barrichello konnte 2002 in Barcelona und Magny-Cours wegen elektronischer Probleme nicht in die Formationsrunde starten. Diese beiden Grand Prix fehlen in seiner Sammlung. Auch Barrichello pflegte diese kleinen Feinheiten zu übersehen und seine Jubiläen immer zwei Rennen zu früh zu feiern.

Statistiken müssen einheitlich sein

Didier Pironi stand 1982 in Hockenheim auf der Pole Position. Nur virtuell, denn zum Zeitpunkt des Starts lag er mit gebrochenen Beinen im Krankenhaus. Er hatte sich bei einem Trainingsunfall schwer verletzt. Pironi bekommt daher zwar die Pole Position, nicht aber den GP-Start in die Statistik geschrieben.

Ob man freiwillig auf einen Start verzichtet oder aufgrund eines Defekts oder Unfalls nicht fahren kann, ist völlig egal. Auch ob die höhere Gewalt während des Trainings, im Warm-up oder Sekunden vor dem eigentlichen Start passiert ist. Es kann nur ein stringentes Startkriterium geben. Und das ist das Losfahren beim Startsignal.

Ein beliebter Streitpunkt sind auch zweigeteilte Rennen. Davon gibt es einige in der Geschichte der Formel 1. Meistens wurde wegen schwerer Unfälle gleich nach dem Start abgebrochen und später noch einmal völlig neu über die ursprüngliche Renndistanz gestartet. Beispiel Ronnie Peterson 1978 in Monza. Oder Jacques Laffite 1986 in Brands Hatch. Oder Rubens Barrichello 1998 in Spa. Oder Michael Schumacher 1999 in Silverstone.

Hier gilt ganz klar: Wer am ersten Rennen teilgenommen hat, am zweiten aber nicht, bekommt den Grand Prix trotzdem gutgeschrieben. Er kann ja nur durch Unfall bei einem Rennen ausscheiden, das er auch gefahren ist.

In unserer Bildergalerie zeigen wir Ihnen noch einmal die besten Szenen aus 298 Rennen mit Schumi.

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